Haschisch, Opium, Morphium und Kokain und ihre Wirkung

Haschisch, Opium, Morphium und Kokain sind die klassischen Drogen. © Jovan Mandic / shutterstock.com

Haschisch, Opium, Morphium und Kokain sind die klassischen Drogen. © Jovan Mandic / shutterstock.com

Haschisch, Opium, Morphium und Kokain wurden in den deutschsprachigen Ländern bereits um 1900 als klassische Suchtgifte definiert – eine geschichtliche Betrachtung bis zum zweiten Weltkieg.

Die um 1900 für das ­Gesundheitswesen verantwortlichen Beamten wussten natürlich bereits von psychischen, euphorischen Wirkungen von Haschisch, Opium, Morphium und Kokain. Man wusste auch, dass diese Substanzen zu einer Sucht mit verschiedenen gesundheitsschädigenden, sozialen und finanziellen Wirkungen führen kann. Daher ordnete man diese Suchtgifte unter die rezeptpflichtigen Arzneimittel ein. Der illegale Handel mit diesen Drogen spielte in Mitteleuropa zu dieser Zeit kaum eine Rolle, erst ab den zwanziger Jahren entwickelten sich Haschisch, Opium, Morphium und Kokain zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem.

Haschisch seit der Antike begehrt

Die ersten Sucht- bzw. Rauschgifte, die speziell von den Bewohnern der Mittelmeerländer konsumiert wurden, waren Haschisch und Opium. Cannabis indica und Cannabis sativa wurden in der Antike einerseits als Faserpflanze benützt, aber auch schon als ein mildes Narkotikum eingesetzt, um die Psyche zu beeinflussen.

Damals ­hatte man schon gewusst, dass sich an den Sprossspitzen der weiblichen Pflanzen ein Harz bildet – eben Haschisch –, das den geistigen und psychischen Zustand des Menschen beeinflussen und verändern kann. ­ Gegenüber der großen Bedeutung des indischen Hanfs als Rauschmittel war Haschisch aber im Zusammenhang mit seiner medizinischen Verwendung von geringer Bedeutung.

Herba Cannabis indica wurde – ähnlich dem Opium – eine leichte narkotische Wirkung zugesprochen. Auch konnte man aus den Früchten und Samen der Hanfpflanze ein Öl gewinnen, das man gerne zur Herstellung von Medizinalseifen verwendete. Der halluzinogene Wirkstoff der Pflanze ist in dem Harz enthalten, das die blühenden Spitzen ausscheiden.

In Asien, Afrika und Europa wird dieses Harz Haschisch genannt, in Amerika Marihuana. Das Harz kann geraucht, gegessen oder auch getrunken werden, es können aber auch die ­Spitzen der Hanfblätter und die Blüten zerrieben und, mit Tabak gemischt, geraucht werden. Ungefähr 30 bis 35% aller Haschischsüchtigen genießen Haschisch in der zuletzt genannten Form.

Haschisch wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts in England häufig von Dichtern, Künstlern und Intellektuellen konsumiert. Von England aus fand die Droge ihren Weg nach Frankreich und von dort weiter nach Mitteleuropa.

 

Opium und Morphium – Wirkung, Vergleich

Zu den ältesten Suchtgiften Europas und Asiens gehört das Opium. Während in den ostasiatischen Ländern Opium hauptsächlich wegen seiner psychischen Wirkung konsumiert wurde, verwendete man Opium in Europa überwiegend zur Behandlung von starken Schmerzen.

Seit es Arzneibücher und Apotheken gibt, war Opium ein wichtiger Teil des Arzneischatzes der europäischen Medizin. Ärzte verordneten Opium nicht nur zur Bekämpfung von Schmerzen, sondern auch bei Husten, bei Durchfall, Körperschwäche und Lungenleiden.

Selbstverständlich wusste man um 1900, dass Opium und Opium-hältige Arzneimittel zu einer Sucht führen können. Eine suchtartige Abhängigkeit von ­Opium war damals aber im Gegensatz zu Morphin eher selten.

Etwa hundert Jahre zuvor um 1800 wurde vom deutschen ­Apotheker Sertürner aus Opium das Schmerz stillende Alkaloid – das Morphin – isoliert. Mit diesem Alkaloid wurde zwar ein wesentlich stärker schmerzstillender Wirkstoff gefunden, doch man stellte bald fest, dass Morphium häufiger und schneller als Opium zu einer Sucht mit all seinen schrecklichen Folgen führen kann.

 

Das Opium vergrößert, was grenzenlos, Unendlich dehnt es die Zeit, Unendlich den Raum, aus der Wollust Schoß Füllt’s die Seele mit Freuden, düster und groß Und über ihr Fassen weit.

(Aus Charles Baudelaire: „Die Blumen des Bösen“)

 

Man schenkte aber der Suchtgefahr zunächst keine große Beachtung, denn der Großteil der Bevölkerung wusste von dem neuen Arzneimittel kaum etwas. Weiters war Morphium sehr teuer– etwa zehnmal so teurer wie die selbe Morphinmenge in Opium. Doch dann begann die industrielle Herstellung von Morphin und der Preis sank bis 1900 auf das etwa Sechsfache einer vergleichbaren Menge Opium.

Morphin wurde anfangs nur oral eingenommen, denn erst als 1844 ­Charles-Gabriel Pravaz – der für die Entwicklung der Injektionsspritze bekannte französischer Chirurg und Orthopäde – eine verbesserte Injektionsspritze herstellte, war eine subkutane Injektion kein Problem mehr. Durch den massenhaften Verbrauch von Morphium bei schwer verwundeten Soldaten im deutsch-französischen Krieg 1870/71 angeregt, empfahlen nun Ärzte bereits bei geringsten Schmerzen und auch bei Ermattungszuständen immer häufiger Morphium. Erstmals wurde 1871 die Morphinsucht genau beschrieben.

Trotz aller Warnungen vor den schweren Folgeschäden einer Morphinsucht auf Körper und Geist des Süchtigen wurde während der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts Morphium »gesellschaftsfähig« – und dies nicht nur bei Künstlern und Intellek­tuellen. Es gab sogar so genannte »Morphin-Injek­tionskränzchen«, die Damen der Gesellschaft mit ihren Freundinnen veranstalteten.

Den Höhepunkt erreichte die Morphinwelle zwischen 1875 und 1900, wobei besonders in England und Frankreich Morphin sehr beliebt war.

 

Kokain

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam eine völlig neue Droge auf den Markt und fand auch Eingang in die Arznei­bücher. Diese Droge, die sich rasch ­einen Spitzenplatz in der Drogenszene eroberte, war Kokain.

Der Chemiker Albert Friedrich Emil Nieman hatte 1860 aus Kokablättern erstmals Kokain in kristalliner Form isoliert. Und er gab ihm schließlich auch seinen Namen. Karl von Scherzer hatte zuvor von der berühmten österreichischen Novarra-Expedition – die erste und einzige groß angelegte Weltumsegelung der Österreichischen Kriegsmarine, dessen spätere Berichte in mehreren Sprachen über die wissenschaftliche Ausbeute der Reise weltweit berühmt wurden – einige Ballen Kokablätter mitgebracht.

Da Kokain kaum erhältlich war, wurde es erst nach 1870 auf seine pharmakologischen Eigenschaften untersucht – allerdings meistens nur recht flüchtig. Genauere Untersuchungen hinsichtlich therapeutischer Möglichkeiten von Kokain waren erst möglich, als es um 1880 einigen Firmen gelang, Kokain fabriksmäßig herzustellen.

Freud und Kokain

1884 erregte ein in einer amerikanischen medizinischen Zeitschrift erschienener Bericht die Aufmerksamkeit des jungen Sekundararztes im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, Dr. Sigmund Freud. In diesem Bericht hieß es, dass manche Indianerstämme Kokablätter kauen, um sich für Strapazen und Entbehrungen zu kräftigen. Zur selben Zeit berichtete der deutsche Arzt Dr. Theodor Aschenbrandt, dass er Kokain versuchsweise Soldaten gab und feststellte, dass diese Soldaten daraufhin wunderbar kräftig und leistungsfähig wurden.

In einem Brief an seine Braut Martha Bernays schrieb Freud am 21. April 1884: „Ich will mir nun Kokain kommen lassen und auf Grund nahe liegender Erwägungen es bei Herzkrankheiten, ferner bei nervösen Schwächezuständen, insbesonders bei dem elenden Zustande bei der Morphiumentziehung, versuchen.“ Freud bestellte bei der Firma Merck ein Gramm Cocainum hydrochloricum und begann sofort nach Erhalt des Kokains mit seinen pharmakologischen Versuchen. Er prüfte die anästhetische Wirkung und versuchte mittels Cocain einen Morphin­süchtigen von seiner Sucht zu befreien. Noch im Juni 1884 verfasste Dr. Freud eine Studie »Über Coca«, die in Wien als Druck erschien.

Freud gab in dieser Studie einen Überblick über die bisherige Coca-Literatur und berichtete über seine von ihm bisher durchgeführten Versuche. Er lobte das Kokain als ein unschädliches Stimulans – als Mittel gegen Verdauungsstörungen, für die Morphin- und Alkohol­entwöhnung, als Aphrodisiakum und als Lokalanästhetikum. Er schrieb auch über die psychischen Wirkungen des Cocains.

Freud brach aus persönlichen Gründen frühzeitig seine Kokainforschungen ab. Die wichtige Entdeckung der Verwendung von Kokain als lokales Betäubungsmittel bei Augen­operationen machte später sein Wiener Kollege und Augenarzt Dr. Carl Koller, der entdeckte, dass einige Tropfen einer Kokainlösung das Augenchirurgie-Problem der Reflexbewegungen der Augen bei Berührung einfach beseitigten.

 

Opium – ein internationales und hoch politisches Problem

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzeugte noch immer Opium das größte Drogenproblem. Insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch England mit seinen Kolonien in Indien und Ostasien sowie China waren vom unkontrollierten Opiumhandel und der Opiumsucht betroffen und strebten eine internationale Lösung der Opiumprobleme an.

Im Februar 1909 trat eine internationale »Opiumkommission« zusammen, die allerdings keinen besonderen Erfolg aufweisen konnte. Es wurde zwar viele Maßnahmen beschlossen, doch die beschlossenen Resolutionen waren für die an der Sitzung teilnehmenden Staaten unverbindlich. Eine tatsächliche Lösung des Opiumproblems wurde immer dringender, da besonders in China und in den USA die Opiumsucht mit allen ihren menschlichen und volkswirtschaftlichen Schäden bedrohliche Formen annahm.

1912 kam es in Den Haag, in den Niederlanden, zu einer weiteren Konferenz, die so genannte »Erste internationale Opiumkonferenz«. Bei dieser Konferenz wurde ein »Internationales Opium-Abkommen« beschlossen, dessen Bestimmungen allerdings durch den im Sommer 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg nicht zum Tragen kamen. Noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurden zumindest in West- und Mitteleuropa Opium und Morphin durch Kokain und Heroin zurückgedrängt, denn diese ermöglichten ebenfalls psychische Erlebnisse und den Eintritt in eine ansonsten verschlossene geistige Welt, ohne dass man fürchten musste, süchtig zu werden.

 

Wirkung von Opium und Morphium

Noch ahnte man damals nicht, dass Kokain ähnlich wie Opium oder Morphin zu einer Sucht mit allen ihren gesundheitlichen und sozialen Schäden führen kann. Kokain schätzte man als ein stärkendes und leistungssteigerndes Mittel. So wurden ab etwa 1885 in den verschiedensten pharmazeutischen in- und ausländischen Fachzeitschriften Coca-Wein, Coca-Sekt und Coca-Bonbons als Roborantien angeboten. So bezeichnete man damals Tonika, Stärkungsmittel sowie Aufbaupräparate.

Die aphrodisierende Wirkung von Opium und Morphium wurde prüde verschwiegen, obwohl jeder davon wusste. Wahrscheinlich durch den großen Verbrauch an Schmerz stillenden Morphiuminjektionen während des ersten Welkkrieges kam es danach zu einer neuen Morphinwelle. Und zwar in der Zeit zwischen den Jahren 1920 und 1930.

Die erste Morphinwelle verursachten hauptsächlich Schriftsteller und Intellektuelle. Jedoch waren es in der zweiten Welle meistens Schauspieler und in der Filmbranche tätige Künstler, die sich dem Morphinrausch hingaben. Allerdings war der Bezug von Opium, Morphiumampullen, Kokain, Heroin und von Codeinpräparaten inzwischen wesentlich schwieriger geworden als um 1900, denn alle diese begehrten Substanzen waren – so weit sie in Apotheken überhaupt geführt wurden – streng rezeptpflichtig. Der illegale Drogenmarkt war in Europa damals noch nicht so gut und flächendeckend organisiert wie in unserer Zeit.

Da die in den Apotheken lagernden Suchtgiftmengen viel zu gering waren, als dass sich für einen Suchtgifthändler ein Einbruch in eine Apotheke lohnte, versuchten diese Händler durch Einbrüche in die Lager von Drogengroßhandlungen den begehrten Wirkstoff für ihre Kunden zu beschaffen.

 

Erste Gesetze gegen ­Drogenmissbrauch

Natürlich hatten die für das Gesundheitswesen zuständigen Behörden längst erkannt, welchen unerhörten körperlichen, materiellen und sozialen Schaden eine Sucht einem Menschen und seiner Familie, seinen Angehörigen zufügen kann. Sei sie durch Drogen oder Alkohol hervorgerufen. So wurden bereits während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gesetze zur Bekämpfung der Drogensucht erlassen. In Genf, dem Sitz des Völkerbundes, wurde am 19. Februar 1925 eine neue »Internationale Opiumkonvention« beschlossen.

Die dieser Konvention beitretenden Staaten verpflichteten sich, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die eine wirksame Kontrolle der Produktion, der Verteilung und Ausfuhr von Haschisch, Opium, Morphium und Kokain sowie des indischen Hanfs ermöglichten. Ergänzt wurde diese Konvention durch das am 13. Juli 1931 ebenfalls in Genf beschlossene »Abkommen zur Beschränkung der Herstellung und zur Regelung der Verteilung der Betäubungsmittel« abgelöst.


Quellen:

Haschisch, Opium, Morphium und Kokain. MEDMIX 8/2008.

http://edition.cnn.com/2011/HEALTH/07/22/social.history.cocaine/

https://faculty.unlv.edu/mccorkle/www/Opium,%20Cocaine%20and%20Marijuana%20in%20American%20History.pdf

http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/heroin/etc/history.html

http://www.opium.org/history-of-opium.html

http://www.drugfreeworld.org/drugfacts/marijuana/it-s-background.html

http://www.npr.org/sections/codeswitch/2013/07/14/201981025/the-mysterious-history-of-marijuana

http://www.livescience.com/48337-marijuana-history-how-cannabis-travelled-world.html

http://www.fda.gov/downloads/Drugs/DrugSafety/UCM199333.pdf

http://www.news-medical.net/health/Morphine-History.aspx

Die mobile Version verlassen