Hämorrhoiden-Operation – verschiedene Verfahren

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Vergrößerte Hämorrhoiden verursachen manchmal so starke Beschwerden, dass ein Chirurg mittels Operation das störendes Gewebe entfernen muss.

Insgesamt ist eine Hämorrhoidenerkrankung per Definition symptomatisch und ziemlich häufig und ärgerlich. Kliniker, die Patienten mit inneren Hämorrhoiden behandeln, sind meistens Gastroenterologen, Chirurgen sowie Allgemeinmediziner. Diese müssen mit der normalen und abnormalen Anatomie von Hämorrhoiden vertraut sein. Außerdem müssen sie in der Lage sein, die klinischen Befunde und die Pathophysiologie in Zusammenhang zu stellen. Die pathophysiologische Erklärung klinischer sowie endoskopischer Symptome ist ein unverzichtbarer Bestandteil für eine erfolgreiche Behandlung. Wobei der Arzt die Beschwerden der Hämorrhoiden normalerweise konservativ, und nur selten mittels Operation behandelt. Übrigens zeigte eine rezente Studie, dass sich bei Männern die Operation der Hämorrhoiden vorteilhaft auf die Erektion auswirkt.

 

Symptome

Der Plexus haemorrhoidalis besteht aus Gefäßpölstern, die bei jedem Menschen vorhanden sind und ihre Funktion in einer Unterstützung der Kontinenz haben, da sie den Analkanal zusätzlich zur Muskulatur „abdichten“. In manchen Fällen kann allerdings eine Vergrößerung dieser Gefäßpölster Beschwerden verursachen und daher eine Behandlung erforderlich machen.

Jeder dritte Erwachsene leidet unter Hämorrhoidalbeschwerden mit Symptomen wie Jucken, Brennen, Schmerzen im Analbereich und Blutungen beim Stuhlgang. Wobei besonders Schwangere häufig betroffen sind. Nur in 20 Prozent der Fälle ist eine Operation der Hämorrhoiden überhaupt nötig. Hier haben sich verschiedene innovative Operationstechniken etabliert.

 

Diagnose und konservative Therapie

Prinzipiell sollte jeder Patient zunächst eine gründliche Untersuchung beim Facharzt anstreben, da viele Krankheitsbilder zu ähnlichen Beschwerden führen können. Auch eine komplette Untersuchung des Dickdarmes ist erforderlich, um andere Pathologien im unteren Verdauungstrakt auszuschließen. Dementsprechend ist von einer Behandlung ohne fachärztliche Untersuchung – getreu dem Motto: es werden schon die Hämorrhoiden sein – abzuraten.

In den meisten Fällen kann den Patienten durch eine konservative Therapie gut geholfen werden und die Beschwerden verschwinden vollständig. Ist dies jedoch nicht der Fall, so führt manchmal der Weg an einer chirurgischen Therapie nicht vorbei.

 

Mit welchen Methoden zur Operation bei Hämorrhoiden möglich sind

Im Grunde genommen stehen unterschiedliche Verfahren für die Operation der Hämorrhoiden zur Verfügung. Historisch gesehen ist die resezierende Operation, die chirurgische Entfernung der Hämorrhoiden, die älteste und wahrscheinlich noch immer die häufigste Methode.

Speziell in der fortgeschrittenen Schwangerschaft und rund um die Entbindung treten immer wieder thrombosierte Hämorrhoiden auf. Zuerst erfolgt dann eine intensive konservative Therapie, die innerhalb von ein bis zwei Tagen eine deutliche Besserung bringen sollte. Wenn das nicht eintritt, dann muss man meistens chirurgisch behandeln. In diesen Fällen werden die vergrößerten bzw. thrombosierten Knoten unter sorgfältigster Schonung der Schließmuskulatur entfernt.

Auch bei permanent prolabierten Hämorrhoiden im Stadium 4 kommt diese Operation zum Einsatz. Dabei ist darauf zu achten, dass zwischen den Operationswunden ausreichend gesunde Schleimhaut verbleibt. Denn das gewährleistet eine Abheilung ohne narbige Stenose.

 

Operation nach Parks und Milligan Morgan

Die am häufigsten angewandten Techniken sind die Operation nach Parks und die Operation nach Milligan Morgan. Die Hautwunde bleibt in beiden Fällen offen. Sie heilt über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen langsam zu. Dann bleiben kaum sichtbare Narben zurück.

 

Operation nach Longo

Vor einigen Jahren wurde die Operationstechnik nach Longo mit einem Klammernahtgerät sehr stark propagiert. Jedoch ging diese Methode immer wieder mit schweren Komplikationen einher. Deswegen sind die Operationszahlen in den letzten Jahren stark zurückgegangen.

Zu den Gründen gehören beispielsweise Fälle mit schwerer Stuhlinkontinenz. Außerdem können über einen längeren Zeitraum bestehende heftige Schmerzen und gelegentlich Fistelbildungen auftreten. Diese können sich zwischen Rektum und Haut oder aber zwischen Rektum und Vagina befinden.

 

Die HAL/RAR Methode

In unseren Breiten sehr weit verbreitet ist die sogenannte HAL/RAR Methode. Bei dieser Technik werden ultraschallgezielt die Arterien, die den Plexus haemorrhoidalis versorgen, abgebunden. Zusätzlich werden größere Knoten mit einer Naht gerafft und durch Knüpfen der Naht in den Analkanal reponiert. Diese Methode hat sehr weite Verbreitung gefunden, da sie in den meisten Fällen mit wenig postoperativen Schmerzen verbunden ist und bedingt dadurch die postoperative Rekonvaleszenz kurz ist. Die Patienten sind daher schnell wieder fit und können in den Arbeitsalltag zurückkehren.

 

Maßgeschneiderte Operation der Hämorrhoiden

Die sogenannte „taylored hemorrhoidectomy“ bedeutet eine maßgeschneiderte Operation der Hämorrhoiden, Dabei kombiniert der Chirurg verschiedene Operationsmethoden miteinander. Diese Technik hat sich aus einer Kombination von Resektion und HAL/RAR entwickelt. Denn bei ein und demselben Patienten können oft Hämorrhoiden verschiedener Ausprägung vorhanden sein. Die taylored hemorrhoidectomy ermöglicht es, Knoten unterschiedlicher Ausprägung jeweils stadiengerecht operativ zu versorgen.

Literatur:

Michele Rubbini, Simona Ascanelli. Classification and guidelines of hemorrhoidal disease: Present and future. World J Gastrointest Surg. 2019 Mar 27; 11(3): 117–121. Published online 2019 Mar 27. doi: 10.4240/wjgs.v11.i3.117

Nikolaos Margetis. Pathophysiology of internal hemorrhoids. Ann Gastroenterol. 2019 May-Jun; 32(3): 264–272. Published online 2019 Jan 23. doi: 10.20524/aog.2019.0355

Alsayed Saad Abdelaziz, Ayman Mohammed Ghoneem, Emad Ades Elewesy. The impact of surgical hemorrhoidectomy on male sexual function: A preliminary study. Urol Ann. 2019 Jul-Sep; 11(3): 235–240. doi: 10.4103/UA.UA_138_18


Quelle: »Die chirurgische Therapie des Hämorrhoidalleidens«. OÄ Dr. Michaela Lechner, FEBS, Fachärztin für Chirurgie in Wien und Klosterneuburg, Oberärztin im Krankenhaus Göttlicher Heiland, September 2018, Wien

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Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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