Eine glatte Haut im Gesicht macht sofort einen seriösen Eindruck

Wie ist Ihr erster Eindruck? Unbearbeitetes und manipuliertes Foto eines Gesichts, wie es auch in der nun vorliegenden Studie der Bremer Jacobs University benutzt wurde. © Jacobs University

Wie ist Ihr erster Eindruck? Unbearbeitetes und manipuliertes Foto eines Gesichts, wie es auch in der nun vorliegenden Studie der Bremer Jacobs University benutzt wurde. © Jacobs University

Der erste Eindruck zählt: unser Gehirn braucht nur kurz, um jemanden zu beurteilen, und glatte Haut im Gesicht spielt eine wichtige Rolle.

Was macht diesen ersten Eindruck aus? Neueste Untersuchungen von Dr. Elena Tsankova und Prof. Dr. Arvid Kappas von der Jacobs University in Bremen beweisen, wie selbst kleine Einzelheiten im Aussehen wie glatte Haut im Gesicht unser Urteil von unserem Gegenüber bestimmen.

Die Bremer Forscher untersuchten, wie kleine Makel der Haut – beispielsweise Muttermale, Hautrötungen oder Pickel – unsere persönliche Wirkung beeinflussen. Dabei zeigte sich: Das Hautbild ist sehr wichtig für den ersten Eindruck. Es bestimmt nicht nur darüber, ob wir gesund und attraktiv wahrgenommen werden, sondern auch glaubwürdig und kompetent. Den Ergebnissen zufolge, wirkt glatte Haut also vertrauenswürdig.

 

Warum glatte Haut im Gesicht einen guten Eindruck hinterlässt

Doch wie kommt es, dass glatte Haut so einen guten Eindruck hinterlässt? „Es gibt einen direkten und einen indirekten Effekt”, erklärt Elena Tsankova. Einerseits beeinflusst das Hautbild unsere Wahrnehmung direkt, indem glatte Haut gesünder wirkt als unreine Haut.

Andererseits existiere aber auch eine indirekte Wirkung: Glatte Haut suggeriere Reife und Sachverstand, da im Umkehrschluss unreine Haut häufig mit Unreife (zum Beispiel durch Akne in der Pubertät) und Armut (zum Beispiel durch das Unvermögen, sich gute Hautpflegeprodukte zu leisten) verknüpft würde.

 

Dass glatte Haut so wichtig ist, sollte man kritisch hinterfragen

„Angesichts dieser Ergebnisse holen wir vielleicht vor dem nächsten Vorstellungsgespräch oder einer wichtigen Verabredung doch noch einmal den Abdeckstift oder Puder aus der Tasche“, so Tsankova. Mit diesem Wissen könnten wir aber auch uns selbst genauer auf die Finger schauen, meint die Psychologin.

„Wenn uns bewusst ist, wie wichtig das Hautbild für die Bewertung einer Person ist“, fährt Tsankova fort, „können wir unser eigenes Urteil über Fremde kritisch hinterfragen.“ Es sei dringend geboten, den Druck auf Menschen mit Hautproblemen nicht weiter unnötig zu erhöhen, betonen die Forscher.

 

Am Computer veränderte Gesichter beurteilt

Für ihre Untersuchung nutzten Tsankova und Kappas Fotos von Gesichtern, die sie teilweise am Computer veränderten. Die Wissenschaftler entfernten alle Muttermale, Unreinheiten und sonstigen Schönheitsfehler der Haut. Die 130 Probanden bekamen die Gesichter dann entweder in ihrer natürlichen Erscheinung oder in makelloser Version zu sehen. Anschließend bewerteten sie die Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Attraktivität und Gesundheit der abgebildeten Personen.

„Es gab schon früher Studien, die untersucht haben, wie das Aussehen unsere Glaubwürdigkeit beeinflusst“, erläutert Tsankova. „Diese haben aber immer mehrere Faktoren gleichzeitig betrachtet, zum Beispiel die Hautfarbe und Hautstruktur. Wir haben uns nun erstmals einen einzigen Teilaspekt ganz genau angesehen: glatte Haut.“ In weiterführenden Studien wollen die beiden Psychologen der Wirkung glatter Haut weiter nachspüren. Beispielsweise stellt sich die Frage, wie das Hautbild mit anderen Aspekten unserer Erscheinung zusammenwirkt.


Literatur:

Tsankova E, Kappas A. Facial Skin Smoothness as an Indicator of Perceived Trustworthiness and Related Traits. Perception. 2016 Apr;45(4):400-8. doi: 10.1177/0301006615616748. PMID: 26621963.

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