PRAEVENIRE: Gesunde Lunge – gesund altern

Gesund altern, gesunde Lunge. v.l.: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp (Leiter des Zentrums für Lungenerkrankungen und Langzeitbeatmung im Pflegewohnheim Donaustadt), Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer (Leitung Klinikum Peterhof in Baden), Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger (Professorin für Geratrie an der Medizinischen Universität Graz), Mag. Hanns Kratzer (Geschäftsführer PERI Consulting) feel image / Felicitas Matern

Gesund altern, gesunde Lunge. v.l.: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp (Leiter des Zentrums für Lungenerkrankungen und Langzeitbeatmung im Pflegewohnheim Donaustadt), Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer (Leitung Klinikum Peterhof in Baden), Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger (Professorin für Geratrie an der Medizinischen Universität Graz), Mag. Hanns Kratzer (Geschäftsführer PERI Consulting) feel image / Felicitas Matern

Gesunde Lunge, gesund altern, war einer der großen Themen am PRAEVENIRE Gesundheitsforum in Seitenstetten.

 

Vom 13. Bis 16. April fand im Benediktinerstift Seitenstetten die Premiere des PRAEVENIRE Gesundheitsforum statt, um vorhandenes Wissen in Zusammenarbeit mit internationalen und nationalen Experten in Programme zu übersetzen, deren Umsetzung einen direkten Nutzen für die Bevölkerung stiften.

So wurden u.a. zum Themenblock „Healthy Ageing – Healthy Lungs“ die Zusammenhänge von Asthma, Rehabilitation und die Auswirkungen des Klimawandels standen auf der Themenagenda. Als erste Speakerin führte Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger, Professorin für Geratrie an der Medizinischen Universität Graz, in den Themenblock Healthy Ageing und Healthy Lungs ein und gab einen Überblick über das gesunde Altern. „Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu einer Veränderung der funktionellen Reserven. Unser Gesundheitssystem geht noch zu wenig auf die Bedürfnisse älterer Menschen ein. Resilienz ist eine der möglichen Varianten um Gesundheit zu definieren. Aus Sicht der Altersmedizin benötigen wir multidimensionale Ansätze. Wenn man vom aktiven und gesunden Altern spricht, gilt es zu Bedenken, dass der physiologische Abbau über die Lebensphasen normal ist. Maßnahmen müssen aber davon getrieben werden durch Förderung der Resilienz, den Abbau in diesen normalen Grenzen zu halten“, so Prof. Roller-Wirnsberger.

Epidemiologie von Asthma & COPD

Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghofer, Leiter des 1. Internen Lungenabteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Otto Wagner Spital, beschäftigte sich zu Beginn seines Impulsstatements mit chronischen Lungenerkrankungen. Er stellte klar, dass Asthma und COPD zwei unterschiedliche Erkrankungsformen sind und in der öffentlichen Diskussion nicht verwechselt werden dürfen. Außerdem gibt er einen Ausblick und spricht über Trends dieser Volkskrankheit. „Innerhalb Europas sterben mehr als 100.000 Menschen an Asthma bronchiale pro Jahr. Die meisten Kosten für das Gesundheitssystem entstehen in diesem Erkrankungsbereich durch Fehlzeiten in der Arbeit. In Österreich weisen 31 % der Menschen Allergien auf – Tendenz steigend. COPD wird 2020 die dritthäufigste Todesursache in der westlichen Welt sein. Wir haben eine sehr hohe Dunkelziffer zu COPD. Rund 20% der COPD-Patienten sind diagnostiziert, 80% nicht“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber.

Seltene Lungenerkrankungen im Fokus

Über die Epidemiologie seltener Lungenerkrankungen in Österreich diskutierte Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter des Zentrums für Lungenerkrankungen und Langzeitbeatmung im Pflegewohnheim Donaustadt. Er analysierte die Ausgangslage, sprach über Definitionen und die Diagnostik ausgewählter seltener Lungenerkrankungen. Außerdem erklärt er, warum das Wissen über seltene Lungenerkrankungen auch in einer Gemeinde mit 2500 Menschen wichtig ist. „Seltene Lungenerkrankungen kosten im Jahr oft den Gegenwert eines Mercedes oder gar Ferraris. Rechtzeitige Diagnosen können vieles an Leid verhindern. Es ist schwierig, diese zu diagnostizieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Maus in einer Bäckerei vorkommt ist relativ groß. Dass sie diese Maus auch in der Auslage sehen, ist relativ gering. Auch wenn „orphan diseases“ in einer Gemeinde von 2500 Einwohnern statistisch gesehen nicht vorkommen. Es gibt viele Gemeinden mit 2000 Einwohnern. Und trotzdem sind sie häufiger als Lottosechser und einzelne Personen trifft eben dieser Zufall dann doch zu“, berichtete Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp.

Die Verbindung von Klimawandel und Lungenkrebs

Prof. Dr. Christian Witt, Leiter der Abteilung Ambulante Pneumologie, Charité Universitätsmedizin Berlin ging in seinem Vortrag auf das Thema Klimawandel und Krebs ein: „Es geht hierbei um das Überleben in veränderten Umwelten. Bei Lungenkrebs gibt es pro Jahr weltweit 1.350.000 Neuerkrankungen. Alleine in Deutschland sind das 34.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Und es ist die häufigste tumorbedingte Todesursache beim Mann und die dritthäufigste Todesursache bei Frauen. Insgesamt macht das 13,5% der Tumorerkrankungen aus und markiert die größte Inzidenz. Solche Inzidenzfaktoren sind die Alterstruktur der Bevölkerung, Gender shift und der frühe Rauchbeginn. Mit steigender Temperatur haben sie mehr Feinstaub, Ozon und Allergene. In unseren Breiten ganz wichtig ist, dass wir immer weniger Niederschläge haben und in den Städten immer höhere Temperaturen auftreten. Hitzewellen und Trockenheit erhöhen die Mortalität. Asthma, Allergien, Krebs stehen damit im Zusammenhang. Die Lunge ist von Umweltänderungen des Klimawandels besonders betroffen. Steigt die Temperatur um nur ein Grad Celsius hat dies schon große Auswirkungen auf die Mortalität. Lungenkrebs und der Klimawandel stehen im urbanen Bereich im engen Zusammenhang. War früher das Rauchen sehr ursächlich für Lungenkrebserkrankungen verantwortlich, führen heute Umfeldfaktoren, von der Temperatur über die Luftverschmutzung (Feinstaub) auch bei Nichtrauchern immer häufiger zur Erkrankung“, sagte Prof. Dr. Witt.

Stationäre und ambulante Rehabilitation von Patienten mit Atemwegserkrankungen

Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer vom Klinikum Peterhof in Baden informierte über die Rehabilitation pneumologischer Erkrankungen. Die pneumologische Rehabilitation besteht einerseits aus der medizinischen Trainingstherapie und andererseits aus entsprechenden krankheitsspezifischen Patientenschulungen. Die Ziele sind es die Symptome zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zu verhindern und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Als erster Schritt wird eine Diagnostik durchgeführt um das Krankheitsstadium zu erfassen und die Trainingstherapie individuell zu planen. Hierzu stehen die Spirometrie und Bodyplethysmografie, dann die CO-Diffusion und Belastungs-BGA, sowie Spiro-Ergometrie mit BGA zur Verfügung. Patientenschulungen umfassen Informationen über Krankheitsbild und Medikamente, das Erkennen von Exazerbationen, die Inhalatorenschulung, Notfallstrategien, Sauerstofftherapie und Stress- und Krankheitsbewältigung.

Ganz wesentlich zum Erfolg der Rehabilitation trägt die Arbeit geschulter Psychologinnen bei, unterstützende Maßnahmen sind zum Beispiel das Rauchfrei Telefon, eine Initiative der Sozialversicherungsträger, der Bundesländer und des Bundesministeriums für Gesundheit, betrieben von der NÖ Gebietskrankenkasse – eröffnet im Mai 2006. Das Angebot umfasst die telefonische Beratung und Begleitung beim Rauchstopp. Informationsvermittlung rund ums Thema Rauchen, die Nachbetreuung in Rückfallkrisen und auch die österreichweite Schnittstelle zur Vermittlung an öffentliche Angebote zur Tabakentwöhnung.

„Die häufigste Indikation zur Rehabilitation ist die COPD. Bereits ab COPD II macht es Sinn begleitend rehabilitativ zu behandeln. Als ersten Schritt im Rehab-Zentrum wird der Patient einem Arzt zugewiesen, der mit ihm gemeinsam einen individuellen Rehabilitationsplan entwirft, Ziele klar definiert und ihn durch die Schritte der Rehab führt. Die Patienten werden geschult, es werden Trainingstherapien, sowohl Ausdauer als auch Krafttraining, und auch Atemmuskeltraining durchgeführt und Atemphysiotherapien sowie psychologische Betreuung und die Vorstellung bei Diätologinnen angeboten“, erklärte Priv.-Doz. Dr. Nell-Duxneuner zur interdisziplinären Rehabilitation. Nell-Duxneuner plädiert für einen einfacheren und schnelleren Zugang der Patienten zur Rehabiliation. „Es wäre wünschenswert, wenn Patienten nach einer Exazerbation möglichst rasch zu uns kommen könnten, um sie ideal zu therapieren“, so Prim. Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneumer.

Panel Diskussion: Es gilt Patienten in die Normalität zurück zu holen

Die Bedeutung von Prävention und frühzeitige Erkennung von Atemwegserkrankungen, um ein gesundes Altern zu ermöglichen, wurde von allen Seiten unterstrichen. Ebenso wichtig sind die Therapie von Atemwegserkrankungen sowie die stationäre und ambulante Rehabilitation. Prim. Prof. Dr. Burghuber sieht positive Entwicklungen in der öffentlichen Wahrnehmung, vor allem im Bereich COPD. Prof. Dr. Witt plädierte, die Gefährdung der Lunge durch eine sich verändernde Umwelt stärker zu thematisieren und in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Prof. Dr. Popp thematisierte das Thema Rauchen: Hier seien positive Beispiele in der Prävention von großer Bedeutung. Rauchen ist natürlich immer noch ein wesentlicher Faktor bei COPD. Prim. Prof. Dr. Burghuber verwies auf die Gesellschaft, die sich ändern müsse, um das Bewusstsein zu Lungenerkrankungen zu erhöhen. Es kann der Medizin alleine nicht gelingen, hier wirkliche Verhaltensänderungen zu forcieren. Politischer Wille sei hier gefragt. Prof. Dr. Witt erklärt, dass in Deutschland COPD-Zentren eingerichtet werden. Vernetzung sei in der Behandlung dieser Lungenerkrankung von großer Bedeutung. „Es liegt vieles in unserer Hand um Verbesserungen herbeizuführen, aber gerade das Thema Rauchen ist sehr heikel und nicht mit einfachen Maßnahmen zu lösen“, so Prof. Dr. Popp. Es gibt auch eine gewisse Eigenverantwortung, verweist er auch auf die Verantwortung, die Menschen für sich selbst tragen müssten. „Rauchen ist nicht nur ein Problem des Rauchers. Es muss Bewusstsein geschaffen werden, das Rauchen unattraktiver zu machen“, konstatiert Prim. Prof. Dr. Burghuber. „Wir müssen ein hohes Bewusstsein zur Luftverschmutzung schaffen – auch über das Thema Rauchen hinaus“, schlussfolgert Prof. Dr. Witt.

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