Geschlechtsanpassende Behandlungen bei Transidentität

Bevor eine Transidentität-Therapie zur Anpassung an das Wunschgeschlecht jedoch tatsächlich durchgeführt wird, muss eine größtmögliche Diagnose- und Behandlungssicherheit gegeben sein. © AMMF / www.afcom.at

Bevor eine Transidentität-Therapie zur Anpassung an das Wunschgeschlecht jedoch tatsächlich durchgeführt wird, muss eine größtmögliche Diagnose- und Behandlungssicherheit gegeben sein. © AMMF / www.afcom.at

Hormonelle und chirurgische Behandlungen können bei betroffenen Personen mit Transidentität dem empfundenen Geschlecht bestmöglich angleichen.

Immer noch ist das dualistische Denken in den klassischen Kategorien von Mann und Frau vorherrschend. Dennoch gibt es ein Phänomen, das diese tradierten Geschlechterrollen infrage stellt: Transidentität. Man spricht davon, wenn ein Mensch biologisch dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht angehört, sich selbst jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechtes empfindet. Die Geschlechtsmerkmale der betroffenen Person stimmen also nicht mit der Geschlechtsidentität überein. Abhilfe können hormonelle und chirurgische Behandlungen schaffen, durch die Maßnahmen gesetzt werden, den Körper dem empfundenen Geschlecht bestmöglich anzugleichen und so den Leidensdruck zu vermindern.

 

PatientInnen, die unter Transidentität leiden, verantwortungs- und vertrauensvoll begleiten

„Oft fühlen sich die PatientInnen nach ihrem Outing und der Diagnosestellung alleine gelassen, da zentrale Anlaufstellen fehlen und Informationen häufig nur über Selbsthilfegruppen, Chatrooms oder andere Betroffene zu holen sind“, erzählt Oberarzt Dr. Gabriel Djedovic von der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie Innsbruck. „Werden nun solche geschlechtsanpassende Behandlungen durchgeführt, erfordert das aufgrund einer Vielzahl sensibler persönlicher, ethischer, chirurgischer und psychologischer Aspekte eine enge Zusammenarbeit und ein überdurchschnittliches Vertrauensverhältnis zwischen Patient, Therapeut und Arzt.“

Um mit den PatientInnen auf dem langen Behandlungsweg von der Indikationsstellung über hormonelle Therapie und Operation bis hin zur lebenslangen Nachbetreuung einen entsprechend verantwortungsvollen Umgang zu realisieren, wurde im April 2015 die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Transgender Center Innsbruck gegründet. Sie setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Universitätskliniken für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, für Psychiatrie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie, für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, für Gynäkologie und Geburtshilfe, für Urologie, für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen und einem juristischen Beirat.

 

Optimale Behandlung dank interdisziplinärer Zusammenarbeit

Vorrangiges Ziel am Transgender Center Innsbruck ist es, durch den konstanten Erfahrungs- und Informationsaustausch der beteiligten Disziplinen eine wesentliche Optimierung der Behandlungsabläufe zu ermöglichen. Auch die in diesem sensiblen Gebiet besonders wichtige interne und externe Kommunikation soll so verbessert werden, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Behandlung stehen an oberster Stelle. Dr. Gabriel Djedovic, selbst Teil dieser Arbeitsgruppe, berichtet: „Alle wichtigen Entscheidungen werden im Team diskutiert und gemeinsam werden die jeweiligen Schritte im Behandlungsverlauf festgelegt. Die Teammitglieder stehen den externen betreuenden Ärzten oder Psychologen jederzeit für Fragen zur Verfügung.“

Bevor eine Behandlung zur Anpassung an das Wunschgeschlecht jedoch tatsächlich durchgeführt wird, muss eine größtmögliche Diagnose- und Behandlungssicherheit gegeben sein. „Sowohl an die Eigenverantwortlichkeit der PatientInnen als auch an die Verantwortung und das Gewissen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der medizinischen Ethik müssen höchste Ansprüche gestellt werden, damit Fehldiagnosen und Behandlungsfehler ausgeschlossen werden“, so Djedovic. Um dies zu gewährleisten, ist die Innsbrucker Arbeitsgrundlage zur Behandlung von Personen mit Transidentität entwickelt worden.

Quelle: www.plastischechirurgie.orgwww.oegpaerc2016.at

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