Gehtraining bei PAVK – bei peripherer ­arterieller Verschlusskrankheit

Für periphere arterielle Verschlusskrankheit zur Therapie empfohlen: effektives Gehtraining bei PAVK. © racorn / shutterstock.com

Für periphere arterielle Verschlusskrankheit zur Therapie empfohlen: effektives Gehtraining bei PAVK. © racorn / shutterstock.com

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, PAVK, sollte ein Gehtraining als fixen Therapiebestandteil haben, einschließlich kontrollierter Anleitung und Schulung.

Um längere schmerzfreie Gehstrecken schaffen zu können, sollte man konsequent verschiedene Risikofaktoren behandeln (Bluthochdruck, Übergewicht, Lipidstoffwechsel etc.). Zudem ist aber auch ein kontrolliertes Gehtraining beziehungsweise eine Bewegunsrehabillitation wichtig. Diese Maßnahmen stellen praktisch die Basistherapie jeder Behandlung der peripheren ­arteriellen Verschlusskrankheit dar. Wie man prinzipiell ein kontrolliertes Gehtraining bei PAVK, periphere arterielle Verschlusskrankheit, durchführt, ist in der Abbildung unten dargestellt.

 

Gehtraining: therapeutischer Nutzen belegt

Für das Gehtraining ist der therapeutische Nutzen inzwischen belegt. Die Ergebnisse verschiedener erfolgreichen Studien zeigten, dass es unter konsequentem Training bereits nach etwa 3 Wochen zu einer Verdoppelung der Gehleistung kommt.

Die Erfolgsrate bei der Bewegungstherapie ist größer, wenn Arterienverschlüsse, bzw. -stenosen vom Oberschenkel- bzw. Unterschenkeltyp sind, da die Fähigkeit der Kollateralbildungen in diesem Bereich viel höher sind im Vergleich zu den Gefäßveränderungen im Beckenbereich.

Bewegungstherapien sind möglich / erlaubt wenn keine kardio-respiratorische Insuffizienz, keine Gelenkerkrankungen gleichzeitig vorhanden sind und keine gravierenden neurologischen Krankheitsbilder bestehen.

 

Bedeutung des Gehtrainings für das Management der Claudicatio intermittens

Allerdings hat in der Vergangenheit die Medizin die Bedeutung des Gehtrainings für das Management der Claudicatio intermittens überschätzt. Bei etwa einem Drittel aller Patienten mit einer Claudicatio intermittens kann man ein Bewegungstraining u.a. wegen Erkrankungen nicht durchführen.

Außerdem ist ein weiteres Drittel für eine Gehtraining nicht bereit, obwohl die Patienten für ein Bewegungstraining geeignet wären. Deswegen ist nur etwa ein Drittel aller Patienten für eine kontrollierte Bewegungstherapie zu motivieren.

Für viele Patienten mit einer Claudicatio intermittens wird das Gehtraining nicht als Basistherapie durchgeführt; die Responderrate liegt deutlich niedriger, als früher angenommen wurde. Ein vernünftiges Gehtraining sollte behutsam, aber regelmäßig (am besten viermal pro Woche) und am besten in Claudicatio-Gruppen erfolgen. In der Gruppe macht das Training mehr Spaß und die Patienten trainieren mit fachlicher Betreuung.

Therapieziele bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Individuelle Leistung bei peripherer ­arterieller Verschlusskrankheit berücksichtigen: darauf sollte man bei einem Gehtraining bei PAVK achten

Neben dem Gehtraining sind auch Radfahren, Treppensteigen oder Zehenspitzen-Training zu empfehlen. Im Grunde genommen gilt, dass Regelmäßigkeit wichtiger ist als Trainingsintensität. Patienten sollten keinesfalls bis in den Schmerz hinein trainiert werden, weil man sonst Reperfusionsschäden und distale Denervierungen riskiert.

Die Gehstrecke, die Gehgeschwindigkeit sowie auch die Gehdauer muss der Therapeut der individuellen Leistungsfähigkeit des betroffenen Patienten anpassen.

Wie erwähnt sollte das Gehtraining keinesfalls zu starken Schmerzen führen. Deshalb ist ein Intervalltraining sinnvoll. Das heißt, dass man kurz anhält, bevor die Schmerzen auftreten. Dann ruht man sich ein wenig aus, bevor man dann das nächste Stück in Angriff nimmt. Schließlich macht man wieder Pause und so weiter.

 

Bewegungsrehabilitation bei älteren Patienten mit peripheren arteriellen Erkrankungen

Unter dem Strich gehört die Bewegungsrehabilitation zu den Basismaßnahmen bei der Behandlung für PAVK- Patienten. Ziel einer aktuellen Studie war es, die Wirksamkeit von drei Arten von Trainingsprogrammen zu vergleichen. Man beobachtete dabei die Patienten über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die eingeschlossenen 95 Probanden machten dazu dreimal pro Woche eine Trainingseinheit.

Die erste Gruppe machte ein Laufband-Lauftraining. Gruppe 2 machte Nordic-Walking-Training. Gruppe 3 machte ein Krafttraining und ein Nordic-Walking-Training.

Der Laufbandtest, der 6-Minuten-Gehtest (6 MWT) und der Isokinetiktest wurden nach 3-monatiger Rehabilitation, an der 80 Personen teilgenommen hatten, wiederholt. Es zeigte sich, dass Nordic Walking plus Widerstanstraining (Krafttraining) die besten Ergebnisse brachten.

 

Fazit und Empfehlungen zum PAVK-Gehtraining bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit

Die Evidenz zu Gehtraining und Gehstrecken ­bei peripheren ­arteriellen ­Verschlusskrankheit (pAVK) zeigt, dass die Interpretation zwischen den Studien aufgrund der heterogenen Natur der Belastungstestprotokolle, Testendpunkte und Terminologie schwierig ist. Um Veränderungen/Verbesserungen der funktionellen Leistungsfähigkeit nach einer Trainingsintervention oder einem Rehabilitationsprogramm zu beurteilen, messen Kliniker oder Praktiker unter dem Strich die maximale Gehstrecke (MWD). Tatsächlich ist dies oft der primäre Endpunkt, um die Wirksamkeit von Behandlungen in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu beurteilen.

Bei der Messung der maximalen Gehstrecke muss ein Patient so lange wie möglich gehen, bis er durch seine Beinsymptome eingeschränkt wird. Es gibt jedoch eine Reihe verschiedener Begriffe, die zur Beschreibung der MWD verwendet werden, und sie wird mit einer Vielzahl von Protokollen gemessen. Das erschwert den direkten Vergleich zwischen Studien, was die Ergebnisse weniger reproduzierbar macht.

Unter dem Strich wird empfohlen, dass zukünftige Studien einen standardisierten Ansatz für Belastungstests, Durchführung und Berichterstattung verfolgen sollten. Hierzu empfehlen viele Experten zwei Maßnahmen. Erstens, dass die Autoren ein Protokoll veröffentlichen. Und zweitens dass Informationen ausreichend und standardisiert dokumentieren. Wichtig wären schließlich spezifische Richtlinien. Und zwar um ein internationales, standardisiertes Testverfahren zur Messung der maximalen Gehstrecke beim Gehtraining auf dem Laufband bei PAVK-Patienten mit peripherer ­arterieller ­Verschlusskrankheit etablieren zu können, mit schrittweiser Anleitung und standardisierter Meldeterminologie.

Die Gefäßerkrankung PAVK wird oft nicht Leitlinien gerecht behandelt


Literatur:

Birkett ST, Harwood AE, Caldow E, Ibeggazene S, Ingle L, Pymer S. A systematic review of exercise testing in patients with intermittent claudication. A focus on test standardisation and reporting quality in randomised controlled trials of exercise interventions. PLoS One. 2021 May 3;16(5):e0249277. doi: 10.1371/journal.pone.0249277. PMID: 33939704; PMCID: PMC8092776.

Katarzyna Kropielnicka, Wioletta Dziubek, Katarzyna Bulińska. Małgorzata Stefańska, Joanna Wojcieszczyk-Latos. Ryszard Jasiński, Urszula Pilch, Grażyna Dąbrowska, Katarzyna Skórkowska-Telichowska. Dariusz Kałka, Agnieszka Janus, Katarzyna Zywar, Rafał Paszkowski, Anna Rachwalik, Marek Woźniewski, Andrzej Szuba. Influence of the Physical Training on Muscle Function and Walking Distance in Symptomatic Peripheral Arterial Disease in Elderly. Biomed Res Int. 2018; 2018: 1937527. Published online 2018 Sep 23. doi: 10.1155/2018/1937527

Mary M. McDermott. EXERCISE TRAINING FOR INTERMITTENT CLAUDICATION. J Vasc Surg. 2017 Nov; 66(5): 1612–1620. Published online 2017 Sep 2. doi: 10.1016/j.jvs.2017.05.111

Conte SM, Vale PR. Peripheral Arterial Disease. Heart Lung Circ. 2018 Apr;27(4):427-432. doi: 10.1016/j.hlc.2017.10.014. Epub 2017 Nov 7.


Quellen:

Periphere  arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Gehtraining und Pharmakotherapie. Dr. Christian Margeta und Univ.-Prof. Dr. Mehrdad Baghestanian. MEDMIX 10/2005.

http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesssportgruppen/gehtraining

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