Als Tee wirkungsvoll: Heilkräuter und Heilpflanzen gegen Husten

Gegen Husten kommen zahlreiche Heilpflanzen zum Einsatz, die Wirkungen von speziellen Teerezepturen sind gut untersucht.

Gegen Husten kommen zahlreiche Heilpflanzen zum Einsatz, die Wirkungen von speziellen Teerezepturen sind gut untersucht.

Heilkräuter und Heilpflanzen gegen Husten – oft in speziellen Tee-Rezepturen – sollen den Hustenreiz lindern und festsitzenden Schleim lösen.

Die Behandlung mit Heilkräutern und Heilpflanzen gegen Husten stellt eines der wichtigsten Einsatzgebiete pflanzlicher Arzneimittel dar, wobei man diese oft als Tee konsumiert. Aus den vielen Ursachen für Husten sind drei Formen – nach rein symptomatischen Gesichtspunkten – phytotherapeutisch zugänglich: der trockene Reizhusten, katarrhalische Erkrankungen mit festsitzendem Sekret sowie  Husten mit krampfartiger Komponente.

 

Trockener Reizhusten

Ein unproduktiver Reizhusten, bei dem man kein Sekret abhusten kann, empfinden viele Betroffene meist als sehr läs­tig. Besonders in der Nacht kann der Hustenreiz quälen. Zudem sind häufig auch Kopfschmerzen eine Folge des andauernden Hustens.

Pflanzenschleime – das sind wasserlösliche Polysaccharide – binden an entzündeten Schleimhäuten. Dabei unterdrücken sie so peripher, also nicht über das Hustenzentrum im Gehirn, den Hustenreiz.

Typische schleimhältige Arzneidrogen gegen Husten sind Eibischblätter und Eibischwurzel. Bei Spitzwegerichblättern, der isländischen Flechte (Isländisch Moos) und Königskerzenblüten ergänzen antibiotisch und expektorierend wirkende Inhaltsstoffe das Wirkungsspektrum.

 

Auf der Suche nach der optimalen Form der Teezubereitung

Optimale Darreichungsformen gegen Husten sind hier der Hustentee sowie besonders bei Kindern der Hustensirup (beispielsweise  Sirupus Althaeae). Kontrovers wurde in der Literatur die optimale Form der Teezubereitung für schleimhältige Hustendrogen diskutiert.

Forschungsergebnisse zeigen, dass auch bei schleimhältigen Heilkräutern und Heilpflanzen der Aufguss mit heißem Wasser (Infus), die beste Anwendungsform gegen Husten ist. Denn die Forschung konnte  nachweisen, dass die Polysaccharide sehr stabil sind. Man kann deswegen mit heißem Wasser eine höhere Extrakt.Ausbeute erzielen.

Lediglich Teerezepturen mit Isländischer Flechte – dem Isländisch Moos – und reiner Eibischwurzel sollten vorzugsweise als Mazerat – einem Ansatz mit kaltem Wasser – gegen Husten zubereitet werden. Denn die extrem bitteren Flechtensäuren der Isländischen Flechte sind nur in warmem Wasser löslich. Der Kaltauszug ist hingegen ein angenehm schmeckendes Getränk.

Weiter verkleisert Hitze die Stärke in der Eibischwurzel, die Extraktion der Poylsaccharide wird dadurch stark eingeschränkt. Für Teerezepturen, die Eibischwurzel als eine von mehreren Komponenten beinhalten, stellt trotzdem das Infus als Kompromiss die optimale Zubereitungsart dar.

 

Heilkräuter und Heilpflanzen in empfehlenswerten Tee-Rezepturen gegen Husten

Zur Behandlung des trockenen Reizhustens – aber auch gegen Husten allgemein – ist ein Tee aus Heilkräuter und Heilpflanzen eine vielversprechende, angenehm zu konsumierende Darreichungsform.

Quelle der Teerezepturen gegen Husten: Prof. Dr. Reinhard Länger, Österr. Ges. f. Phytotherapie

Ziel der Tee-Therapie gegen Husten ist es dabei, den festsitzenden Schleim zu lösen und den Abtransport zu erleichtern. Zum Einsatz kommen in erster Linie Arzneipflanzen mit ätherischem Öl und mit so genannten Saponinen als Wirkstoffe.

 

Ätherische Öle aus Heilkräutern und Heilpflanzen gegen Husten mit festsitzendem Schleim

Ätherische Öle, stark riechende Stoffgemische mit bis zu mehreren hundert Komponenten, werden sowohl aus dem Magen-Darm-Trakt als auch über die Haut gut aufgenommen. Bei der Inhalation gelangen sie direkt an den Wirkort in die Bronchien und werden pulmonal ebenfalls resorbiert.

Die ätherischen Öle der hier genannten Arzneipflanzen – obwohl sie sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind und auch sehr unterschiedlich riechen – fördern die Sekretion von Bronchialflüssigkeit, wodurch festsitzender Schleim verflüssigt wird. Gleichzeitig wird auch die Cilienbewegung in den Atemwegen angeregt, der Abtransport des Sekrets wird dadurch beschleunigt.

Ätherische Öle dürfen nur sehr vorsichtig dosiert werden: von manchen Komponenten in ätherischen Ölen weiß man, dass sie die Cilienbewegung bereits in Konzentrationen anregen, die geruchlich nicht wahrnehmbar sind. Überdosierung hingegen kann zu Reizerscheinungen und einer Hemmung der Cilienbewegung führen. Bei Säuglingen können alle stark riechenden Substanzen, wenn sie in die Nähe der Nase gebracht werden, zu reflexartigen Krämpfen führen, die im schlimmsten Fall bis zur Erstickung führen können.

 

Husten-Tee, Tinkturen und Sirupe

Gegen Husten sind typische Heilpflanzen mit ätherischem Öl das Thymian­kraut, die Früchte von Anis und Fenchel sowie das Quendelkraut. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass neben dem ätherischen Öl auch andere, nicht flüchtige Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Flavonoide und Phenolcarbonsäuren expektorierende und spasmolytische Wirkungen zeigen und daher einen Beitrag zur Wirksamkeit leisten.

Von Eukalyptus, Latschenkiefer und einigen anderen Pflanzen werden üblicherweise nicht die getrockneten Pflanzenteile, sondern die destillierten ätherischen Öle in reiner Form oder weiterverarbeitet in Salbenform angewendet. Die Anwendungsformen reichen vom Husten-Tee über Tinkturen und Sirupe bis hin zu Spezialextrakten, deren Wirksamkeit auch klinisch belegt ist. Wobei man frisch zubereiteten Husten-Tee unbedingt bedeckt ziehen lassen sollte, denn die ätherischen Öle sind flüchtig und können sonst rasch entweichen.

 

Heilkräuter und Heilpflanzen mit Saponinen gegen Husten

Unter dem Strich sind die Saponine Naturstoffe mit Seifencharakter. Denn wenn geringe Mengen mit der Magenschleimhaut in Kontakt kommen, dann regt dies die Sekretion in den Bronchien an. In Folge löst sich der festsitzende Schleim und man kann leichter abhusten.

Eine Kombination mit ätherischen Ölen, welche die Cilienbewegung in den Bronchien anregt, ist durchaus sinnvoll. Denn zu große Mengen an Saponinen kratzen im Hals und wirken brech­erregend. Daher ist es auch ganz wesentlich, dass man die richtige Konzentration findet.

Wichtige Arzneidrogen gegen Husten sind die Wurzeln der Schlüsselblume (Radix Primulae), die Süßholzwurzel (Radix Liquiruitiae), letztere ist auch ein sinnvolles Korrigens in Hustenteemischungen, da sie nicht nur expektorierend wirkt, sondern auch dem Tee einen süßen Geschmack verleiht.

Efeublätter bereitet man üblicherweise nicht als Tee zu, sondern man setzt die Heilpflanze in Form von Spezialextrakten in Fertigpräparaten gegen Husten ein. Die sekretolytischen und spasmolytischen Effekte sind seit langem bekannt. Übrigens konnte unlängst Forscher auf molekularer Ebene den Wirkungsmechanismus aufklären.

Das Hederacosid ist ein dominierendes Saponin der Efeublätter, das gastrointestinal zu α-Hederin umgewandelt wird. Und α-Hederin verhindert dann, dass an Alveolarzellen die β2-Rezeptoren durch Endocytose von der Zelloberfläche entfernt werden.

Durch die vermehrte Präsenz dieser Rezeptoren wird die intrazelluläre Antwort auf eine β2-adernerge Stimulation erhöht. Dies resultiert einerseits in einer gesteigerten Bildung von Surfactant (Verflüssigung zähen Schleims, leichteres Abhusten) und in einer Erniedrigung der intrazellulären Ca2+-Ionenkonzentration (Erschlaffung der Bronchialmuskulatur, Bronchialerweiterung).

 

Krampfartigen Husten behandeln

Wie Thymiankraut und Efeublätter hatte früher das Sonnen­taukraut, fachlich Dosera genannt, eine große Bedeutung in der Therapie des Krampfhustens. Mit zunehmender Zerstörung der Hochmoore kann man heute aus Naturschutzgründen kein Pflanzenmaterial mehr für medizinische Zwecke ernten. Betroffen ist der Lebensraum der einheimischen Drosera-Arten wie Drosera rotundifolia, Drosera intermedia, Drosera anglica.

Heute werden Arten aus Madagaskar (Drosera madagascariensis) und aus Ostasien (Drosera peltata) importiert. Die Kultivierung der traditionell verwendeten Art Drosera rotundifolia ist äußerst schwierig, Nährstoff arme Torfböden und kalkfreies Gießwasser sind unabdingbare Voraussetzungen, eine Düngung im herkömmlichen Sinn ist nicht möglich. Anbauversuche auf stillgelegten Torfstichen im Waldviertel zeigen für Drosera intermedia vielversprechende Ergebnisse.

Neben landwirtschaftlichen Aspekten beschäftigte auch die Frage der Wirkstoffe von Sonnentaukraut die Wissenschaft. Alle Sonnentaukraut-Arten enthalten Naphthochinone (je nach Art vorwiegend Plumbagin oder 7-Methyljuglon), die spektrophotometrisch leicht quantifizierbar sind. Schon länger bestehen aber Zweifel, ob es sich dabei auch um die wertbestimmenden Inhaltsstoffe handelt.

Pharmakologische Untersuchungen an Sonnentaukraut zeigten nun, dass die spasmolytische Aktivität von Herba Droserae in erster Linie auf die Flavonoide zurückzuführen ist, die in ethanolischen Auszügen in hoher Konzentration, kaum jedoch in wässrigen Zubereitungen vorliegen. In der ärztlichen Praxis waren allerdings auch wässrige Zubereitungen aus verschiedenen Drosera-Arten deutlich wirksam, auch bei Patienten, die unter chronischen Beschwerden der Atemwege litten.


Literatur:

Saadat S, Shakeri F, Boskabady MH. Comparative Antitussive Effects of Medicinal Plants and Their Constituents. Altern Ther Health Med. 2018;24(4):36-49.

Wagner L, Cramer H, Klose P, et al. Herbal Medicine for Cough: a Systematic Review and Meta-Analysis. Forsch Komplementmed. 2015;22(6):359-368. doi:10.1159/000442111


Quellen:

Pflanzliche Arzneimittel zur Behandlung von Husten. Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Reinhard Länger. MEDMIX 03/2006; 27-29.

http://phytotherapie.at/index.htm

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