Das Gefühlsleben beeinflusst die Schlafqualität

Emotionale Probleme wie Liebeskummer beeinträchtigen unsere Schlafqualität. © Tero Vesalainen / shutterstock.com

Das Gefühlsleben beeinflusst unsere Schlafqualität. Deswegen schläft man beispielsweise schlechter, wenn man unter Liebeskummer und ähnlichen Problemen leidet.

Die Schlafqualität und der Schlaf sind für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden von sehr großer Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen haben auch gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen Schlafqualität, Paarverhalten und Partnerzufriedenheit besteht. Denn im Grunde genommen ist der sogenannte Chronotypus stark mitverantwortlich dafür, wie sich Beziehungen auf Dauer entwickeln. Festgelegt wird dieser weitgehend durch individuelle Erbanlagen. Man unterscheidet zwischen Frühtypen, den Lerchen, und Spättypen, den Eulen.

 

Der Chronotypus hat nicht immer Einfluss auf die Partnerzufriedenheit

Im Grunde genommen sind die Eulen in Mitteleuropa in der Überzahl. Somit gibt es mehr Spät- als Frühtypen. In einzelnen Studien zeigten früher die Paare mit dem gleichen Chronotypus bessere Problemlösefähigkeiten bei partnerschaftlichen Konflikten. Wenn Lerchen und Eulen zusammenleben, haben diese oft weniger Zeit füreinander. Und auch weniger Sex, wie manche Studien ebenfalls nahelegen. Somit könnte gelten: gleich und gleich gesellt sich gern.

Jedoch sind viele Studienergebnisse nicht eindeutig. Es ist fraglich, ob sich der Chronotypus günstig auf die Zufriedenheit in Partnerschaften auswirkt, wenn beispielsweise Lerchen und Eulen mit hohem Autonomiestreben zusammenleben.

Unterschiedliche Schlafrhythmen bedeuten schließlich auch mehr Zeit beider Partner für eigene Interessen oder Hobbys. Unlängst zeigte eine Online-Befragung mit 588 Personen, dass der Chronotypus nicht immer über die Partnerzufriedenheit entscheidet.

Denn wenn man nur die Beziehungen betrachtet, in denen beiden Partnern die eigene Autonomie und Unabhängigkeit sehr schätzen, so ist die Partnerzufriedenheit vom Chronotypus unabhängig davon, ob gleiche oder unterschiedliche Schlaftypen zusammenleben.“

 

Frauen sind stets, auch nachts, für die Gruppe zuständig

Im Grunde genommen glaubt man, dass Frauen einen schlechteren Schlaf haben, wenn sie gemeinsam mit dem Partner in einem Zimmer schlafen. Dazu gibt es evolutionsbiologische Theorien, die das mit der Sozialisation von Mann und Frau erklären. Denn Frauen waren ursprünglich stets für die Gruppe zuständig, auch nachts. Dementsprechend bildet die Frau im gemeinsamen Schlafzimmer mit ihrem Mann eine Kleingruppe und bleibt aufmerksam, was wiederum die Schlafqualität beeinträchtigen kann. Außerdem gibt es Studien, die belegen, dass sich Männer häufiger bewegen, eher schnarchen und so den Schlaf der Frauen ebenfalls beeinträchtigen.

Wegen dieser verschiedenen Gegebenheiten neigen die Frauen daher auch viel eher zu Schlafstörungen als Männer. Im Vergleich zum Mann können sie auch Sorgen schlechter verdrängen. Sie können also in der nächtlichen Bettsituation nicht so gut von den Problemen des Alltags entpflichten. Die dementsprechend erhöhte psychophysiologische Anspannung des Körpers stört den gesunden Schlaf verhindert.

Männer hingegen erlebten unter evolutionsbiologischen Gesichtspunkten die Gruppe als Hort der Sicherheit. Die Frauen kümmern sich darum, wenn sie schlafen. Schließlich war man beim Jagen in der Gruppe erfolgreicher und auch vor Fressfeinden sicherer. Darüber hinaus können sie im Vergleich zu Frauen Probleme viel besser verdrängen. Diese Faktoren entspannen den Mann unter Anwesenheit seiner Frau im gemeinsamen Schlafzimmer. Und die Entspannung ist entscheidend für einen erholsamen Schlaf.

 

Studie zu Verliebtheit, Liebeskummer, die Schlafqualität und die Träume

Unlängst konnten Forscher auch zeigen, dass der Liebeskummer den Schlaf rauben kann. In einem Online-Fragebogen wurden der Grad der Verliebtheit, des Liebeskummers, die Schlafqualität und die Träume erfasst. Insgesamt wurden 630 Jugendliche (davon 76,2% weiblich) im Alter von 16 bis 21 Jahren in die Untersuchung eingeschlossen.

Dabei war die Verliebtheit nicht generell mit Schlafqualität und Träumen assoziiert. Allerdings hatten verliebte Jugendliche häufiger Schlafprobleme. Außerdem hatten jene mit Liebeskummer eine deutlich schlechtere Schlafqualität sowie mehr negative Träume und auch mehr Alpträume. Zusätzlich gaben sie an, dass Alpträume mehr Einfluss auf den nächsten Tag hätten.

Man muss deswegen den Zusammenhang zwischen Liebeskummer und schlechter Schlafqualität bei der Behandlung von Schlaflosigkeit im Jugendalter berücksichtigen. Denn Verliebtheit und Liebeskummer sind Schlafräuber. Und der Liebeskummer kann dann wirklich zum Alptraum werden.


Quelle: Schlafmedizinischen Abteilung am Pfalzklinikum in Klingenmünster

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