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Gefahr durch Mikroplastik

Mikroplastik: Weit verbreitet – und wie gefährlich? ExpertInnenrunde diskutiert am Dienstag, 24. Jänner 2017, Notwendigkeiten und Herausforderungen im Umgang mit Kunststoffabfällen.

Am Dienstag, 24. Jänner, veranstaltet der Forschungsverbund Umwelt der Universität Wien in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie gefährlich ist Mikroplastik?“. Der deutsche Mikrobiologe Gunnar Gerdts vom Alfred Wegener Institut (AWI) erörtert zusammen mit ForscherInnen der Universität Wien und einem Vertreter des Umweltbundesamtes aktuelle Herausforderungen im Umgang mit Plastikmüll und mit den in der Umwelt weitverbreiteten kleinen Plastikteilchen, das sogenannte Mikroplastik.

„Inzwischen wissen wir, dass selbst das arktische Meereis bereits mit Mikroplastik belastet ist. Die Kunststoffpartikel sind in allen Ozeanen weltweit nachzuweisen. Demgegenüber gibt es noch große Unsicherheiten, was die Hauptquellen für das Mikroplastik sind und wie es in der Umwelt und letztlich auch auf den Menschen wirkt“, sagt Mikrobiologe Gunnar Gerdts.

Gunnar Gerdts untersucht seit Jahren das Ausmaß der Verschmutzung durch Mikroplastik und leitet seit Anfang des Vorjahres das internationale, interdisziplinäre Forschungsprojekt „BASEMAN“ unter dem Dach von „JPI Oceans“. Ziel des Projektes ist es, Leitlinien und Standards für Mikroplastik zu erstellen, um Mikroplastik in europäischen Gewässern einheitlichen erfassen zu können. Bisher ist es aufgrund uneinheitlicher Messstandards nur schwer möglich, unterschiedliche Forschungsstudien zu vergleichen und zusammenzuführen.

Nur ein ästhetisches Problem oder reale Gefahr?

Ist Kunststoffmüll nur ein ästhetisches Problem oder müssen wir uns auf tatsächliche Gefahren für Ökosysteme und Menschen einstellen? Welche Nebeneffekte hat die zunehmende Belastung der Umwelt mit Mikroplastik? „Mikroplastik wirft viele Fragen auf. Jüngere Forschungsarbeiten widmen sich z.B. auch zunehmend der Frage, ob Mikroplastik zur weiteren Verbreitung von Krankheitserregern oder Schadstoffen dient“, sagt Thilo Hofmann, Umweltgeowissenschaftler und Leiter des Forschungsverbundes Umwelt an der Universität Wien. Die Forschung beginnt langsam, die Ausmaße des Problems zu verstehen. Um hier schnell mehr Klarheit zu erlangen, hat beispielsweise Deutschland im Vorjahr ein umfangreiches Förderprogramm zur Untersuchung von Mikroplastik gestartet. Ziel der öffentlichen Veranstaltung „Umwelt im Gespräch“ ist es, Mikroplastik als Umweltproblem und als Herausforderung für die Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren.

Erste Veranstaltung der neuen Reihe „Umwelt im Gespräch“

Die Podiumsdiskussion ist die erste im Rahmen der neuen Veranstaltungsserie „Umwelt im Gespräch“, organisiert vom Forschungsverbund Umwelt – Netzwerk für Umweltwissenschaften der Universität Wien. Mit „Umwelt im Gespräch“ möchte der Forschungsverbund in Kooperation mit dem NHM Wien aktuelle Herausforderungen im Umgang mit unserer Umwelt aufgreifen und wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für das gesellschaftliche Handeln bereitstellen.

Podiumsdiskussion: Wie gefährlich ist Mikroplastik?
Zeit: Dienstag, 24. Jänner 2017, 19 Uhr
Ort: Große Kuppelhalle, Naturhistorisches Museum Wien, 1010 Wien, Maria-Theresien-Platz (Haupteingang)

Begrüßung durch Christian Köberl, Generaldirektor NHM Wien, und Heinz W. Engl, Rektor der Universität Wien, sowie Thilo Hofmann, Leiter Forschungsverbund Umwelt.

Es diskutieren:

Ulrike Felt, Professorin für Wissenschafts- und Technikforschung an der Universität Wien und Leiterin der Forschungsplattform „Responsible Research and Innovation in Academic Practice“

Gunnar Gerdts, Koordinator des EU-Verbundprojektes „JPI Oceans – Microplastic: BASEMAN“, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Helgoland (D)

Gerhard J. Herndl, Professor für Biologische Ozeanographie an der Universität Wien,
Wittgenstein-Preisträger und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Initiative „The Ocean Cleanup“

Thilo Hofmann, Professor für Umweltgeowissenschaften und Leiter des Forschungsverbundes Umwelt der Universität Wien

Karl Kienzl, Stellvertretender Geschäftsführer Umweltbundesamt GmbH

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