Fuchsbandwurm – Kleiner Parasit birgt große Gefahr

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Nicht alle mit dem Fuchsbandwurm infizierten Menschen erkranken. Warum das Immunsystem diesen Parasit abwehren kann, ist aber unbekannt.

Der Fuchsbandwurm – ein kleiner Darmparasit – führt zu großer Verunsicherung in der Bevölkerung. Schon beim Gedanken an den Fuchsbandwurm vergeht vielen Menschen – heute nicht mehr nur am Land sondern zunehmend auch in Städten – Lust auf frisch geerntete Beeren, Obst oder Gemüse. Wobei in der Landwirtschaft tätige Personen nach wie vor ein höheres Ansteckungsrisiko haben.

Kein anderer Parasit in Mitteleuropa verursacht eine ähnlich gefährliche Erkrankung wie der Kleine Fuchsbandwurm – wissenschaftlich als Echinococcus multilocularis bezeichnet. Der ausgewachsene Fuchsbandwurm hat eine Länge von zirka 2 bis 4 Millimeter und trägt etwa 200 Eier in seiner Gebärmutter.

Seit dem Rückgang der Tollwut beobachten Wissenschafter einen starken Anstieg der Fuchspopulation, durch den sich auch der Fuchsbandwurm ausbreitet und zu einer erhöhten Infektionsgefahr für den Menschen führt.

 

Der Fuchsbandwurm ist ein Darmparasit

Der Fuchsbandwurm lebt hauptsächlich im Darm von Füchsen – aber auch von Hunden und Katzen. Diese sogenannten Endwirte scheiden mit dem Kot die Bandwurmeier aus. Kleine Nagetiere nehmen die Eier dann mit der Nahrung auf und werden zu Zwischenwirten. In ihrem Darm entwickeln sich die Eier zu Larven.

Fuchsbandurm-Larven (die Bläschen in der Bildmitte) in der Bauchhöhle einer Baumwollratte. © CDC / Dr. I. Kagan / Wikimedia CommonsQuelle: CDC / Dr. I. Kagan / Wikimedia Commons

Fuchsbandurm-Larven (die Bläschen in der Bildmitte) in der Bauchhöhle einer Baumwollratte. © CDC / Dr. I. Kagan / Wikimedia Commons

Werden solche Nager dann vom Fuchs gefressen, reifen die Larven zum Fuchsbandwurm heran, und der Kreis schließt sich. Meist entsteht dann nach Eindringen in die Leber ein, tumorartiges wucherndes Larvengewebe.

 

Nicht vollständig geklärt ist, wie der Fuchsbandwurm auf den Menschen übertragen wird

Bis die Betroffenen erste Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Gelbfärbung der Haut bemerken, können fünf bis 15 Jahre vergehen. Gerade dieser lange Zeitraum macht die Rückverfolgung der Übertragungswege besonders schwierig. Diese seien trotz umfangreicher Studien völlig ungeklärt, wird von Wissenschaftern betont.

Die verbreitete Annahme, die Ansteckung erfolge über den Verzehr von Waldfrüchten oder Pilzen, wird zwar grund­sätzlich für möglich gehalten, generell aber eher für reine Spekulation. Denkbar sei auch eine Übertragung durch Kontakt mit infizierten Hunden oder Katzen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wird von Experten dagegen ausgeschlossen.

Auffällig ist, dass unter den Erkrankten viele Landwirte sind. Dies hat zu der Annahme geführt, dass die Bauern etwa beim Pflügen oder Mähen mit dem Staub aufgewirbelte Bandwurmeier eingeatmet haben könnten.

Offenbar erkranken jedoch nicht alle Infizierten. Mediziner haben bei gesunden Personen sowohl Spuren früherer Infektionsherde festgestellt als auch Antikörper im Blut. Wovon jedoch abhängt, ob das Immunsystem den Parasiten abwehren kann, ist noch unbekannt.

<span style="color: #ff6600;"><em>Obst, Gemüse und Salat und aus dem ungeschützten Garten sollten gründlich gewaschen und idealerweise gekocht verzehrt werden. Die Eier sterben beim Kochen ab – aber vermutlich nicht durch gefrieren. © wavebreakmedia / shutterstock.com</em></span>Quelle: wavebreakmedia / shutterstock.com

Obst, Gemüse und Salat und aus dem ungeschützten Garten sollten gründlich gewaschen und idealerweise gekocht verzehrt werden. Die Eier sterben beim Kochen ab – aber vermutlich nicht durch gefrieren. © wavebreakmedia / shutterstock.com

 

Diagnose und Therapie

Per Ultraschall, Computertomographie oder durch Blutuntersuchung ist die Diagnose der Infektion mit dem Fuchsbandwurm – der sogenannten Echinokokkose – möglich. Wenn die Zerstörung der befallenen Organe nicht zu weit fortgeschritten ist, wird das betroffene Gewebe operativ entfernt. Sehr häufig ist die Leber betroffen –medizinisch als alveoläre Echinokokkose der Leber bezeichnet.

Wenn eine operative Behandlung nicht mehr möglich ist, müssen sich die Betroffenen über ­einen sehr langen Zeitraum (Jahre) einer Chemotherapie unterziehen, die das Larvenwachstum eindämmen soll, die Larven aber nicht abtötet.

 

Fuchsbandwurm-Infektion vorbeugen

Zur Vorbeugung gegen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm empfehlen Experten, Waldfrüchte und Gemüse sowie Obst vor dem Verzehr gut zu waschen oder ­abzukochen. Einfrieren tötet die Eier hingegen nicht ab.

Menschen sollten nach der Arbeit mit Erde oder nach dem Kontakt mit Hunden und Katzen ihre Hände gründlich reinigen. Hunde und Katzen sollten ­grundsätzlich regel­mäßig entwurmt werden – bei häufigen Kontakt mit Nagetieren alle sechs bis acht Wochen. Ärzte beziehungsweise Patienten sowie Institutionen müssen eine Fuchsbandwurm-Infektion übrigens melden. Dies gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Weitere Informationen:

https://www.uni-ulm.de/home/uni-aktuell/article/uniklinik-bei-der-behandlung-der-alveolaeren-echinokokkose-fuehrend-brfuchsbandwurm-risiko-fuer-l.html

http://www.echinococcus.uni-wuerzburg.de/echinococcus/fragen_antworten/

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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