Frühere Diagnose bei Endometriose – Operation und Medikamente

Endometriose auf dem Bauchfell zwischen Blase und Gebärmutter. © Hic et nunc via Wikimedia Commons

Endometriose auf dem Bauchfell zwischen Blase und Gebärmutter. © Hic et nunc via Wikimedia Commons

Die richtige Diagnose erfolgt oft spät: vor allem 20- bis 40-Jährige leiden an Endometriose, wobei Operation und Medikamente die Symptome lindern können.

Jahrelange Schmerzen, ohne zu wissen, woran man erkrankt ist: So ergeht es vielen Patientinnen, wie in folgendem Fallbeispiel. Im Alter von elf Jahren begannen in diesem die Probleme bei einer Patientin. Das Mädchen litt viele Jahre an Schwächeanfällen, starken Schmerzen und Ohnmachtsanfällen, die ständig wiederkehrten. Mehrere Frauenärzte erklärten der Patientin später, dass es normale Regelschmerzen sind. Die Betroffene sollte sich einfach damit abfinden. Die Patientin fühlte sich hilflos, weil sie kein Arzt ernst nahm. Erst zehn Jahre später im Alter von 21 erhielt sie schließlich die Diagnose Endometriose. Doch da war ihr Körper bereits enorm vom chronischen Verlauf gezeichnet. Seitdem hat die 34-jährige neunmal eine Endometriose-Operation durchlebt, zudem begleiten verschiedene Medikamente zur Linderung der Symptome ihren Alltag.

 

Klinische Bild der Endometriose

Bei einer Endometriose tritt die Gebärmutter-Schleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle auf. Das Gewebe kann sich an den Eierstöcken, den Eileitern, dem Darm, der Blase oder auch dem Bauchfell ansiedeln. Es kommt zur Blutung an den falschen Stellen des Körpers.

Im Grunde genommen sind vor allem Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren von einer Endometriose betroffen sind, wobei leider oft zu viel Zeit bis zur Diagnose vergeht. Oft sind es Zufallsbefunde, die etwa bei einer Blinddarmentfernung entdeckt werden. Und es ist noch immer nicht geklärt, wie die Endometriose entsteht.

 

Diagnose Endometriose: Selbsthilfegruppe soll unterstützen

Die oben zitierte Fallbeispiel-Patientin wollte jedenfalls aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen eine Selbsthilfegruppe gründen. Denn sie musste sieben verschiedene Ärzte aufsuchen, bis die Diagnose Endometriose feststand. Das war vor einige Jahrzehnten und es damals fehlten die Informationsquellen.

In der Selbsthilfegruppe sollten Betroffene sich gegenseitig selbst sowie auch andere Frauen, die mit Endometriose konfrontiert sind, Mut machen. Und Erfahrungen weitergeben und natürlich aufklären. Auch können Frauen, die schon länger daran leiden, wertvolle Tipps geben, wie sie im Alltag mit der Endometriose leben und umgehen können. Es ist zudem wichtig auf die Partner und Familienmitglieder der Betroffenen einzugehen, damit sie lernen mit dieser Erkrankung umzugehen.

Wobei ein so schwerer chronischer Verlauf, wie bei der Fallbeispiel-Patientin, selten vorkommt. Es zeigt nur, wie tückisch die Endometriose ist, wie viele Gesichter sie zeigen kann. Manchmal kommen zur Endometriose auch Myome, Zysten und eine Gebärmutterentfernung dazu. Patientinnen leiden zudem an Gelenkerkrankungen, Rheuma, Osteoporose und Nervenschädigungen.

Übrigens sind Schmerzen während der Menstruation, beim Stuhlgang, Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr sowie eine ungewollte Kinderlosigkeit mögliche Alarmzeichen. Viele betroffene leiden auch an Depressionen, Angstzuständen sowie Selbstverletzungen. Es gibt aber auch Patientinnen, die keine Beschwerden haben. Bei jeder Frau tritt Endometriose anders auf. Eine 15-minütige Bauchspiegelung kann bereits Gewissheit bringen.

 

Endometriose-Operation und Medikamente

Je früher die Diagnose Endometriose erfolgt, umso besser können jedenfalls die Behandlungserfolge ausfallen. Der Schwerpunkt der Endometriose-Behandlung liegt im Grunde genommen aber eher auf der Linderung der Symptome als auf der Heilung.

Wenn man Endometriose-Herde finden kann, dann kann man diese mittels Operation (Laparoskopie) entfernen. Vor allem für Frauen, die schwanger werden möchten, kann der Arzt eine Laparoskopie empfehlen, um die Endometriose-Herde zu entfernen. Es wurde gezeigt, dass dies die Schwangerschaftsraten erhöht.

Allerdings ist das eher weniger wahrscheinlich, wenn eine mittelschwere bis schwere Endometriose besteht. Für Frauen, die nach laparoskopischen Endometrioseentfernungsverfahren Probleme haben, schwanger zu werden, können andere Fertilitätstechniken wie die In-vitro-Fertilisation empfohlen werden.

Nach jeder Endometriose-Operation ist jedenfalls eine gute Nachbehandlung durch den Frauenarzt oder in einem Endometriosezentrum unerlässlich. Das gilt auch für eine effektive Anschlussheil-Behandlung. Denn dadurch werden Folge-OPs vermieden.

Zur Erstbehandlung der Schmerzen kommen oft hormonelle Kontrazeptiva zum Einsatz. Orale Verhütungspillen können den Eisprung der Eierstöcke verhindern und somit die Manifestationen der Endometriose verringern.

Leichte Schmerzen können Frauen auch mit rezeptfreien Schmerzmitteln behandeln. Bei einigen Patienten kann ein GnRH-Analogon (Gonadotropin-freisetzender Hormon-Agonist wie Leuprolid) hilfreich sein.

Die Anwendung von Aromatasehemmer sollte nur bei jenen Frauen erfolgen, bei denen andere Therapien keine Linderung bringen.


Literatur:

Estes SJ, Huisingh CE, Chiuve SE, Petruski-Ivleva N, Missmer SA. Depression, Anxiety, and Self-directed Violence in Women with Endometriosis: A Retrospective Matched Cohort Study. Am J Epidemiol. 2020 Nov 13:kwaa249. doi: 10.1093/aje/kwaa249. Epub ahead of print. PMID: 33184648.

Chapron C, Marcellin L, Borghese B, Santulli P. Rethinking mechanisms, diagnosis and management of endometriosis. Nat Rev Endocrinol. 2019 Nov;15(11):666-682. doi: 10.1038/s41574-019-0245-z. Epub 2019 Sep 5. PMID: 31488888.

Peiris AN, Chaljub E, Medlock D. Endometriosis. JAMA. 2018;320(24):2608. doi:10.1001/jama.2018.17953

Martha Hickey, Karen Ballard, Cindy Farquhar. Endometriosis. BMJ 2014; 348 doi: doi.org/10.1136/bmj.g1752 (Published 19 March 2014)


Quelle und: www.uniklinikum-jena.de

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