CAVE: Fluorchinolon-Antibiotika mit schwerwiegenden Nebenwirkungen

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Fluorchinolon haltige Antibiotika können schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, die lange anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen sowie möglicherweise irreversibel sind.

Bereits Ende November 2018 hat die europäische Arzneimittelagentur EMA schwerwiegende, behindernde und potentiell dauerhafte Nebenwirkungen von Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika wissenschaftlich erneut bewertet. Schließlich kam der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use – CHMP) – nach Empfehlungen des Pharmakovigilanz Komitees (Pharmacovigilance Risk Assessment Committees – PRAC) – zum Schluss, dass die Zulassung von Arzneimitteln, die Cinoxacin, Flumequin, Nalidixinsäure und Pipemidinsäure enthalten, ruhend gestellt werden soll.

In einem europäischen Risikobewertungsverfahren haben Experten nun Fluorchinolon haltige Antibiotika neu bewertet. Dabei ergaben sich weitere Warnhinweise zu Fluorchinolon haltige Antibiotika. Ein Rote-Hand-Brief informierte nun aktuell (08.04.2019) über schwerwiegende und lang anhaltende Nebenwirkungen sowie neue Anwendungsbeschränkungen.

 

Schwerwiegende Nebenwirkungen

Fluorchinolon haltige Antibiotika können bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, die lang anhalten können, die Lebensqualität beeinträchtigen und möglicherweise irreversibel sind. Diese unerwünschten Wirkungen betreffen hauptsächlich Sehnen, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem und sind sehr selten. Dazu zählen insbesondere Entzündungen oder Risse der Sehnen, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen.

Weiters können Schwierigkeiten beim Gehen, Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln sowie brennende Schmerzen auftreten. Außerdem können Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Probleme beim Sehen oder Hören sowie Veränderungen des Geschmacks- oder Geruchssinns die Lebensqualität sehr beeinträchtigen. Schließlich können auch mehre Organe oder Organsystemklassen gleichzeitig und mehrere Sinne betroffen sein.

Wenn Fluorchinolon haltige Antibiotika zur Anwendung kommen, können Sehnenschwellungen sowie Sehnenverletzungen innerhalb von zwei Tagen nach dem Beginn der Behandlung auftreten. Allerdings kann das auch erst einige Monate nach dem Behandlungsende geschehen.

 

Neue Anwendungsbeschränkungen

Unter dem Strich hat man nun aufgrund dieser Nebenwirkungen die Anwendungsgebiete weiter eingeschränkt. So sollten Ärzte Fluorchinolon haltige Antibiotika insbesondere nicht mehr jenen Infektionen verschreiben, die auch ohne Behandlung abklingen oder die nicht schwerwiegend sind sowie bei nicht-bakteriellen Infektionen. Auch bei leichten bis mittelschweren Infektionen sollte man auf die Anwendung verzichten. Es sei denn, dass andere Antibiotika bei gewissen Infektionen nicht wirken.

Betroffen sind alle oralen, injizierten oder inhalierten Fluorchinolone. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin sowie Ofloxacin.

Schließlich sollten Ärzte Fluorchinolone für die verbleibenden Anwendungsgebiete auch nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall verschreiben. Mit dem Rote-Hand-Brief soll erreicht werden, dass man die Risiken und Anwendungsbeschränkungen in der ärztlichen Verordnungspraxis lückenlos beachtet. Die Fluorchinolone-Behandlung sollte beim ersten Anzeichen einer dieser schwerwiegenden Nebenwirkungen beendet werden.

Im Grunde genommen sollten Fluorchinolone sind nach wie vor eine wichtige Behandlungsoption gegen verschiedene Infektionserkrankungen. Darunter sind einige lebensbedrohliche, bei denen andere Antibiotika nicht ausreichend wirksam sind.

Quellen:

BfArM – www.bfarm.de/fluorchinolone

https://www.basg.gv.at/

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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