Flibanserin – Libido steigernder Wirkstoff für Frauen

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Flibanserin kommt in der Behandlung einer erworbenen, generalisierten hypoaktiven sexuellen Luststörung (HSDD) bei Frauen vor der Menopause zum Einsatz.

Verschiedene Studien konnten in den letzten Jahren zeigen, dass die Probandinnen den Wirkstoff Flibanserin mit 100 mg gut vertrugen. Und das Medikament verbesserte jedenfalls auch das sexuelle Verlangen. Außerdem verringerte der Wirkstoff die mit Störungen der sexuellen Appetenz (HSDD) verbundene sexuelle Belastung bei Frauen vor der Menopause.



Unter dem Strich zeigten die drei randomisierten Studien, dass Frauen mit Störungen der sexuellen Appetenz (HSDD) durch die Behandlung mit Flibanserin eine breite und dauerhafte Verbesserung einer Vielzahl ihrer Beschwerden erreichten. Im Vergleich zur Placebo-Behandlung führte Flibanserin zu einer signifikanten Verbesserung bei sexuellem Verlangen, Erregung, Lubrikation (Schmierung), Orgasmus und Zufriedenheit. Auch Schmerzen, die mit sexueller Aktivität verbunden waren, konnten signifikant gelindert werden.

 

5-HT1A-Serotonin-Agonist Flibanserin

Flibanserin ist ein 5-HT1A-Serotonin-Agonist, der ursprünglich vom zur Behandlung von Major-Depressionen entwickelt wurde. Doch die Wirkung gegen Depressionen konnte nicht nachgewiesen werden. Gleichzeitig zeigte sich jedoch eine interessante Nebenwirkung. Denn die Lust auf Sex – die Libido – blieb bei etlichen weiblichen Studienteilnehmerinnen erhalten. Und das ist ja sonst bei Depressionen häufig gar nicht der Fall. Darauf hin startete der deutsche Pharmakonzern Böhringer Ingelheim als Hersteller des Wirkstoffs zwei dahingehende Untersuchungen. Diese klinischen Phase-3-Studien verliefen aber eher enttäuschend. Beim primären Endpunkt „Daily sexual Desire“ schnitt Flibanserin nicht signifikant besser ab als Placebo.

Im August 2015 hat die Arzneimittelagentur FDA den Wirkstoff Flibanserin – auch Pink Viagra genannt – in den USA zugelassen. In Europa besteht für die Frauen-Lustpille mit dem Markennamen Addyi bislang keine Arzneimittelzulassung.

Flibensarin überzeugt beim Female Sexual Function Index FSFI

Nur beim sekundären Endpunkt – dem Female Sexual Function Index (FSFI) – konnte der Wirkstoff überzeugende Ergebnisse liefern. Ein Fragebogen mit 19 Fragen zur Sexualität hilft dabei, den FDFI zu ermitteln. Es ergeben sich dabei Antworten zu sexueller Appetenz (Lust oder Lustlosigkeit) und Erregung. Weiter zeigen sich positive Effekte zur Lubrikation, dem Orgasmus, der sexuellen Zufriedenheit und Schmerzen während des Geschlechtverkehrs. Lubrikation bezeichnet übrigens das Anschwellen und Feuchtwerden der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

Sicherheitsbedenken von Flibanserin

Das erreichen des sekundären Endpunktes war im Jahre 2010 externen Beratern der FDA – US-Food and Drug Administration – zu wenig, um den Wirkstoff zuzulassen. Es gab vor allem auch Sicherheitsbedenken bezüglich der Anwendung von Flibanserin. Denn den Wirkstoff baut die Leber über das so genannte CYP3A4-System ab. Dies kann schließlich bei gleichzeitiger Einnahme mit anderen Medikamente, die ebenfalls als CYP3A4-Inhibitoren wirken, schnell zur Überdo­sierung führen. Dazu sollte man wissen, dass zahlreiche Wirkstoffe von CYP3A4 metabolisiert werden. Dazu gehören beispielsweise Antibaby-Pillen (orale Kontrazeptiva) oder Pilzmedikamente (Antimykotika) zur Behandlung vaginaler Pilzerkrankungen.



 

Flibanserin, Alkohol, Blutdruckabfälle und mehr

Aktuell gibt es nach wie vor Diskussionen zwischen der FDA und dem Flibanserinhersteller bezüglich einer möglichen Flibanserin-Alkohol-Wechselwirkung. Diese könnte zu mehr unerwünschten Wirkungen führen. Jedenfalls sollten Frauen mit eingeschränkter Leberfunktion den Wirkstoff nicht verwenden.

Böhringer Ingelheim brach seine Studien jedenfalls ab und verkaufte die Rechte von Flibanserin an die US-Pharma-Firma Sprout Pharmaceuticals. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat North Carolina startete eine dritte Phase-3-Studie. In dieser beobachteten Forscher neben den erwähnten Interaktionen am CYP3A4-Enzym in Einzelfällen auch starke Blutdruckabfälle. Weiters zeigten sich zentralnervöse Nebenwirkungen sowie leichte Bewusstseinsstörungen, die so genannte Somnolenz. Letzteres kann zu ernsthafte Verletzungen führen. Weiters steigert die Kombination von Flibanserin mit Alkohol das Risiko der erwähnten Blutdruckabfälle sowie Synkopen (Kreislaufkollaps).

Sprout Pharmaceuticals – ausschließlich zur Vermarktung von Flibanserin gegründet – startete eine weitere Studie. Deren Ergebnisse war dann für das positive Gutachten bzw. der Empfehlung der externen FDA-Berater entscheidend. Experten kritisierten die sehr intensive Lobby-Arbeit von Sprout, wodurch die öffentliche Meinung in den USA stark beeinflusst wurde. In Europa ist der Wirkstoff nach wie vor nicht zugelassen.

Literatur:

Simon et al. Flibanserin for Premenopausal Hypoactive Sexual Desire Disorder: Pooled Analysis of Clinical Trials. J Womens Health (Larchmt). 2019 Feb 1. doi: 10.1089/jwh.2018.7516.


Quelle:

FDA committee recommends approval for “female Viagra”. BMJ 2015; 350 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.h3097 (Published 05 June 2015) Cite this as: BMJ 2015;350:h3097

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