Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft ohne Auswirkung auf das Körpergewicht der Kinder

Substitution mit Fischöl-Kapseln bei Schwangeren hatte später keinen Effekt aufs Gewicht der Kleinkinder. © Andrii Opanasenko / shutterstock.com

Substitution mit Fischöl-Kapseln bei Schwangeren hatte später keinen Effekt aufs Gewicht der Kleinkinder. © Andrii Opanasenko / shutterstock.com

Die Anwendung von Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft hatte keine langfristigen Auswirkungen auf das Körpergewicht der Kinder. Die Fischöl-Kapseln waren reich an Omega-3-Fettsäuren, arm an Arachidonsäure, der Omega-6-Fettsäure.

Im Grunde genommen ist heute in Europa fast jedes dritte Schulkind unter zehn Jahren zu dick oder gar fettleibig. Auf der Suche nach den Ursachen haben Forscher die frühkindliche Programmierung ins Visier genommen. Allerdings konnte eine langjährige Studie nicht bestätigen, dass die Ernährung der Mutter eine Rolle spielt. Dementsprechend konnte beispielsweise der spezielle Einsatz von Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft die Kinder keine langfristige Auswirkung bringen. Die Kinder waren weder schlanker noch dicker. Und zwar im Vergleich mit ihren Kollegen in der Kontrollgruppe. Die Fischöl-Diät war hierzu reich an Omega-3-Fettsäuren und arm an Arachidonsäure, einer Omega-6-Fettsäure.

 

INFAT-Humanstudie: Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft angewendet

Bislang vermutete man, dass sogenannte »schlechte Fette« – insbesondere Omega-6-Fettsäuren – in der Schwangerschaft die Bildung kindlicher Fettzellen erhöhen. Hingegen wurden den »guten« Omega-3-Fettsäuren unterstellt, vor Übergewicht bewahren zu können. Am Tiermodell hatte eine Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit mit einer erhöhten Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren – wie sie auch in Fischöl-Kapseln vorkommen – bei einer reduzierten Menge Arachidonsäure dazu geführt, dass die Nachkommen deutlich seltener übergewichtig wurden. Mit der INFAT-Humanstudie haben Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehreren Jahren überprüft, ob dies auf den Menschen übertragbar ist.

„Wobei das Übertragen der Befunde von Tieren auf den menschlichen Körper immer kritisch ist“, erklärte Professor Hans Hauner. Und zwar als Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München (TUM). „Es war aber ein attraktives Konzept. Hätte es sich bestätigt, könnten Mütter früh dafür sorgen, dass ihr Nachwuchs lebenslang vor Übergewicht und Adipositas bewahrt bliebe.“

 

Über 200 Frauen haben an der langjährigen Studie teilgenommen

208 Frauen im Alter von durchschnittlich 32 Jahren sowie einem BMI von 22 haben an der Studie teilgenommen, die vom Team des Lehrstuhls für Ernährungsmedizin der TU München durchgeführt wurde. Während die eine Hälfte sich normal ernährte, hat die andere Gruppe mit 104 Frauen ab der zwölften Woche ihrer Schwangerschaft bis zum vierten Monat ihrer Stillzeit mit einer Omega-3-betonten Diät verbracht. Dabei haben sie ihren Fleischkonsum (enthält Omega-6-Fettsäuren) deutlich eingeschränkt. Ihre Kinder wurden bis Ende des fünften Lebensjahrs jedes Jahr einmal untersucht, wodurch die INFAT-Studie die erste ist, die über einen derart langen Zeitraum valide Daten liefert.

„Wir haben die Kinder dann auf drei verschiedene Arten untersucht: Einmal wurde die Hautfaltendicke gemessen, dann kamen Untersuchungen per Ultraschall hinzu, weil das noch genauer ist“, erklärt Professor Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum der TUM – „und bei einem Teil haben wir noch Kernspintomographien vorgenommen, um das Fett in der Bauchhöhle zu messen. Das Ergebnis war am Ende negativ: Diese spezielle Ernährungsweise hatte keinen Effekt aufs Gewicht der Kleinkinder“, sagt Hauner.

Damit zeigt sich, dass die früheren Befunde nicht auf den Menschen übertragbar sind und der erhoffte Nutzen einer solchen Ernährung in Frage gestellt ist, weil sich kindliche Adipositas damit wohl nicht verhindern lässt. Möglich wäre jedoch, so die Studienautoren, dass die Ernährung der Mutter in der Frühschwangerschaft zu anderen Ergebnissen führt, dazu wären jedoch weitere Studien notwendig.


Literatur:

Brei C, Stecher L, Much D, Karla MT, Amann-Gassner U, Shen J, Ganter C, Karampinos DC, Brunner S, Hauner H. Reduction of the n-6:n-3 long-chain PUFA ratio during pregnancy and lactation on offspring body composition. Follow-up results from a randomized controlled trial up to 5 y of age. Am J Clin Nutr. 2016 Jun;103(6):1472-81. doi: 10.3945/ajcn.115.128520. Epub 2016 Apr 6. PMID: 27053380.

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