Frauenkrankheit Fibromyalgie: Fibromyalgiesyndrom 10mal häufiger bei Frauen

Fibromyalgie-Syndrom, Weichteilrheuma: Weichteilrheuma. Illustration. © + Montage: AFCOM / Alila Medical Media / shutterstock.com

Fibromyalgie-Syndrom, Weichteilrheuma: Weichteilrheuma. Illustration. © + Montage: AFCOM / Alila Medical Media / shutterstock.com

Das Fibromyalgiesyndrom gilt als Frauenkrankheit, denn Frauen erleiden die Rheuma-Erkrankung Fibromyalgie bis zu 10mal häufiger als Männer.

Das Fibromyalgiesyndrom ist ein Gesundheitsproblem, das in seiner Verbreitung ebenso wie in seinen Auswirkungen weitgehend unterschätzt und vielfach noch unbekannt ist. Geschätzte 12 Millionen Menschen in Europa leiden an Fibromyalgie, davon sind 90 Prozent Frauen, weswegen man auch von einer Frauenkrankheit spricht, wenngleich eben auch Männer von dieser schmerzhaften Rheuma-Erkrankung betroffen sein können.

 

Frauenkrankheit: warum mehr Frauen an der Rheuma-Erkrankung Fibromyalgie leiden, ist unbekannt!

Unter dem Strich weiss man nicht genau, warum die Fibromyalgie eine Frauenkrankheit ist. Man kennt auch noch nicht die genauen Schmerzursachen.

Oft beginnen die Beschwerden in Stresssituationen, nach einer Krankheit oder einem Unfall. Auch dies weist darauf hin, dass eine Vielfalt von Faktoren Einfluss auf die Entstehung und individuelle Ausprägung der Beschwerden beim Fibromyalgiesyndrom haben. Das sind beispielsweise psychische und soziale, vererbte und hormonelle Ursachen.

 

Chronische Schmerzen und schmerzhafte Druckpunkte beim Fibromyalgiesyndrom symptomatisch

Wesentliche Symptome der Erkrankung sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen über mehr als drei Monate. Weiter schmerzhafte Druckpunkte an speziellen Ansatzstellen von Muskeln und Sehnen – die so genannten „Tender Points“.

Man geht davon aus, dass Menschen mit Fibromyalgie-Syndrom eine herabgesetzte Schmerzschwelle haben. Sie verspüren Schmerz auf weniger starke Reize als andere Menschen. Jüngste Untersuchungen von Frauen und Männern mit chronischen Schmerzen zeigen, dass jene mit Fibromyalgie stärker auf veränderte Wetterbedingungen reagieren beziehungsweise Temperaturempfindlichkeiten entwickeln.

Begleitet sind die chronischen Schmerzen übrigens häufig von Müdigkeit, Schlafstörungen, Morgensteifigkeit sowie sogar kognitiven Defiziten. Besonders häufig treten aber auch Depression und Angststörungen auf.

Auffällig ist auch, dass die chronischen Schmerzen gemeinsam mit anderen wiederkehrenden wie Regelschmerzen, rheumatischen Erkrankungen, Gesichtsschmerzen sowie Rückenschmerzen auftreten.

 

Die Fibromyalgie erfordert eine umfassende Behandlung

Einerseits ist das Fibromyalgie-Syndrom zwar nicht lebensbedrohlich. Andererseits ist es doch mit einer massiven Einschränkung der Lebensqualität sowie oft mit Beeinträchtigungen und Behinderung verbunden. So vielfältig die Faktoren sind, die bei dem Auftreten der Fibromyalgie eine Rolle spielen können, so wichtig ist es, dass auch die Therapie eine multimodale, als eine mit vielfältigen Vorgehensweisen, ist.

Im Allgemeinen gehören zur Behandlung vom Fibromyalgie-Syndrom der Einsatz von Medikamenten und Verhaltensmaßnahmen. Ziel ist es, die Symptome zu minimieren und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern. Dennoch reicht keinesfalls eine Therapiemaßnahme für alle Symptome aus.

Man weiss heute, dass das Fibromyalgie-Syndrom auf herkömmliche entzündungshemmende Schmerzmittel eher schlecht anspricht. Linderung können auch manche Antidepressiva und Antiepileptika bringen.

 

Ausdauer- und Krafttraining sowie die Aquatherapie (Hydrotherapie) und andere Behandlungen ohne Medikamente

Sehr wichtig in der Therapie beim Fibromyalgie-Syndrom sind nichtmedikamentöse Methoden. Psychologische Schmerzbewältigung, Verhaltenstherapie, Akupunktur und Entspannungstechniken müssen dabei in ein multidisziplinäres Behandlungskonzept eingebunden sein.

Im Grunde genommen sollten Ärzte und Therapeuten sowie die betroffenen Patienten auch an »psychosomatische Orthopäde« bzw. psychosomatische Maßnahmen denken.

Nachweislich hilft auch Bewegung bei der Linderung der Beschwerden. Vor allem Ausdauertraining wie etwa Schwimmen oder Walking. Man weiss auch, dass die Betroffenen mit Fibromyalgie-Syndrom weniger Muskelkraft haben.

Ob die verminderte Muskelkraft eine Ursache für das Fibromyalgie-Syndrom ist, bleibt unklar. Den der Grund dafür könnte auch sein, dass Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom sich eher schonen. Moderates Krafttraining kann jedenfalls auch die allgemeinen Beschwerden lindern und die Lebensqualität steigern.

Unlängst konnte übrigens der Vergleich der Hydrotherapie mit verhaltenstherapeutischen Studien keine Überlegenheit einer der Maßnahmen zeigen. Möglicherweise könnten die Patienten von der Kombination der beiden Maßnahmen profitieren..

 

Das Fibromyalgiesyndrom ist heute als schweres Leiden bei Frauen und Männern anerkannt

Die Fibromyalgie-Patienten kämpfen mit vielen Problemen. Groß ist dabei das Risiko, mit dem Leiden nicht ernst genommen zu werden, weil keine offensichtliche organische Ursache feststellbar ist.

Daher haben die Betroffenen auch oft eine erschreckend lange Odyssee quer durch die medizinischen Disziplinen hinter sich. Erst dann erhalten sie endlich die richtige Diagnose und auch eine wirksame Behandlung.

Das wiederum hat nicht nur dramatische Folgen für den einzelnen Fibromyalgie-Patienten, sondern auch für die Volkswirtschaften. Etwa ein Drittel der Fibromyalgie-Betroffenen – Frauen wie Männer – müssen ihre Arbeitszeit reduzieren. Oder auf eine weniger anstrengende Tätigkeit umsteigen, um überhaupt zumindest teilweise im Arbeitsprozess bleiben zu können. 15 % der Betroffenen müssen wegen Arbeitsunfähigkeit früher in die Pension gehen.


Literatur:

Juhi Bhargava; John A. Hurley. Fibromyalgia. StatPearls [Internet]. Last Update: November 29, 2019.

Fonseca et al. Effects of aquatic physiotherapy or health education program in women with fibromyalgia. A randomized clinical trial. Physiother Theory Pract. 2019 Jul 15:1-13. doi: 10.1080/09593985.2019.1639229. [Epub ahead of print]

Ten Brink AF, Goebel A, Berwick R, McCabe CS, Bultitude JH. Sensitivity to Ambient Temperature Increases in Fibromyalgia and CRPS [published online ahead of print, 2020 Apr 15]. Pain Med. 2020;pnaa074. doi:10.1093/pm/pnaa074


Quellen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/fibromyalgia/basics/definition/con-20019243

http://www.efic.org/

Ass.-Prof. Dr. Hannes Traxler. Das Fibromyalgie-Syndrom – ein Frauenleiden? MEDMIX online 2017

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