10mal häufiger leiden Frauen an einem Fibromyalgie-Syndrom

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Ann-Marie Nüsslein
Ann-Marie Nüssleinhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Am Fibromyalgie-Syndrom leiden etwa 12 Millionen in Europa. Man spricht auch von einem Frauenleiden, denn Frauen sind bis zu 10mal häufiger als Männer betroffen.

Das Fibromyalgie-Syndrom ist ein Gesundheitsproblem, das in seiner Verbreitung ebenso wie in seinen Auswirkungen weitgehend unterschätzt und vielfach noch unbekannt ist. Geschätzte 12 Millionen Menschen in Europa leiden daran, davon sind 90 Prozent Frauen. Deswegen spricht man auch von einem Frauenleiden.

 

Unbekanntes Frauenleiden Fibromyalgie-Syndrom

Unter dem Strich weiss man nicht genau, warum die Fibromyalgie ein Frauenleiden ist. Man kennt auch noch nicht die genauen Schmerzursachen. Oft beginnen die Beschwerden in Stresssituationen, nach einer Krankheit oder einem Unfall. Auch dies weist darauf hin, dass eine Vielfalt von Faktoren Einfluss auf die Entstehung und individuelle Ausprägung der Beschwerden beim Fibromyalgie-Syndrom haben. Das sind beispielsweise psychische und soziale, vererbte und hormonelle Ursachen.

 

Chronische Schmerzen und schmerzhafte Druckpunkte beim Fibromyalgie-Syndrom symptomatisch

Wesentliche Symptome der Erkrankung sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen über mehr als drei Monate. Weiter schmerzhafte Druckpunkte an speziellen Ansatzstellen von Muskeln und Sehnen – die so genannten „Tender Points“.

Man geht davon aus, dass Menschen mit Fibromyalgie-Syndrom eine herabgesetzte Schmerzschwelle haben. Sie verspüren Schmerz auf weniger starke Reize als andere Menschen.

Begleitet sind die chronischen Schmerzen häufig von Müdigkeit, Schlafstörungen, Morgensteifigkeit sowie sogar kognitiven Defiziten. Besonders häufig treten aber auch Depression und Angststörungen auf.

Auffällig ist auch, dass die chronischen Schmerzen gemeinsam mit anderen wiederkehrenden wie Regelschmerzen, rheumatischen Erkrankungen, Gesichtsschmerzen sowie Rückenschmerzen auftreten.

 

Die Fibromyalgie erfordert eine umfassende Behandlung

Auch wenn das Fibromyalgie-Syndrom nicht lebensbedrohlich ist, so ist es doch mit einer massiven Einschränkung der Lebensqualität und oft mit Beeinträchtigungen und Behinderung verbunden. So vielfältig die Faktoren sind, die bei dem Auftreten der Fibromyalgie eine Rolle spielen können, so wichtig ist es, dass auch die Therapie eine multimodale, als eine mit vielfältigen Vorgehensweisen, ist.

Im Allgemeinen gehören zur Behandlung vom Fibromyalgie-Syndrom der Einsatz von Medikamenten und Verhaltensmaßnahmen. Ziel ist es, die Symptome zu minimieren und den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern. Dennoch reicht keinesfalls eine Therapiemaßnahme für alle Symptome aus.

Man weiss heute, dass das Fibromyalgie-Syndrom auf herkömmliche entzündungshemmende Schmerzmittel eher schlecht anspricht. Linderung können auch manche Antidepressiva und Antiepileptika bringen.

 

Ausdauer- und Krafttraining sowie die Aquatherapie (Hydrotherapie) und andere Behandlungen ohne Medikamente

Sehr wichtig in der Therapie beim Fibromyalgie-Syndrom sind nichtmedikamentöse Methoden. Psychologische Schmerzbewältigung, Verhaltenstherapie, Akupunktur und Entspannungstechniken müssen dabei in ein multidisziplinäres Behandlungskonzept eingebunden sein. Grundsätzlich sollten Ärzte und Therapeuten sowie die betroffenen Patienten auch an »psychosomatische Orthopäde« bzw. psychosomatische Maßnahmen denken.

Nachweislich hilft auch Bewegung bei der Linderung der Beschwerden. Vor allem Ausdauertraining wie etwa Schwimmen oder Walking. Man weiss auch, dass die Betroffenen mit Fibromyalgie-Syndrom weniger Muskelkraft haben. Ob die verminderte Muskelkraft eine Ursache für das Fibromyalgie-Syndrom ist, bleibt unklar. Den der Grund dafür könnte auch sein, dass Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom sich eher schonen. Moderates Krafttraining kann jedenfalls auch die allgemeinen Beschwerden lindern und die Lebensqualität steigern.

Unlängst konnte übrigens der Vergleich der Hydrotherapie mit verhaltenstherapeutischen Studien keine Überlegenheit einer der Maßnahmen zeigen. Möglicherweise könnten die Patienten von der Kombination der beiden Maßnahmen profitieren..

 

Das Fibromyalgie-Syndrom ist heute als schweres Leiden anerkannt.

Die Fibromyalgie-Patienten kämpfen mit vielen Problemen. Groß ist dabei das Risiko, mit dem Leiden nicht ernst genommen zu werden, weil keine offensichtliche organische Ursache feststellbar ist.

Daher haben die Betroffenen auch oft eine erschreckend lange Odyssee quer durch die medizinischen Disziplinen hinter sich. Erst dann erhalten sie endlich die richtige Diagnose und auch eine wirksame Behandlung.

Das wiederum hat nicht nur dramatische Folgen für den einzelnen Fibromyalgie-Patienten, sondern auch für die Volkswirtschaften. Etwa ein Drittel der Fibromyalgie-Patienten müssen ihre Arbeitszeit reduzieren. Oder auf eine weniger anstrengende Tätigkeit umsteigen, um überhaupt zumindest teilweise im Arbeitsprozess bleiben zu können. 15 % der Betroffenen müssen wegen Arbeitsunfähigkeit früher in die Pension gehen.

Literatur:

Fonseca et al. Effects of aquatic physiotherapy or health education program in women with fibromyalgia. A randomized clinical trial. Physiother Theory Pract. 2019 Jul 15:1-13. doi: 10.1080/09593985.2019.1639229. [Epub ahead of print]


Quellen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/fibromyalgia/basics/definition/con-20019243

http://www.efic.org/

Ass.-Prof. Dr. Hannes Traxler. Das Fibromyalgie-Syndrom – ein Frauenleiden? MEDMIX 2017

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