Kinderwunsch und Schwangerwerden trotz Fernbeziehung

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Zyklus-Selbstüberwachung nebst kompetenter gynäkologisch-endokrinologischer Beratung hilft bei Kinderwunsch trotz Fernbeziehung beim Schwangerwerden.

Bei vielen jungen Paaren entsteht nach Jahren der Ausbildung beziehungsweise auch gut bezahlter Etablierung im Beruf der Wunsch die gemeinsame Familie zu vergrößern. Das Thema Verhütung rückt in den Hintergrund, Kinderwunsch und Schwangerwerden werden neues, konkretes Gefühl.

Allerdings besteht pro weiblichen Zyklus nur 25-prozentige Schwangerwerden-Wahrscheinlichkeit. Außerdem gilt diese Schwangerschaftschance für jene Paare, die weitgehend zusammenleben. Doch der Eisprung – die Ovulation – geschieht nur an einem Tag von 28 (im normalen weiblichen Zyklus). Grundsätzlich haben durchschnittliche zusammenlebende Paare eine 75-Prozent-Schwangerschaftschance in 12 Monaten ihrenn Kinderwunsch stillen zu können.

Wenn Paare aber am Tag aber der Ovulation häufig getrennt sind, so müssen sie Kinderwunsch und Schwangerwerden mit erweiterten Strategien begegnen.

 

Fernbeziehung und Kinderwunsch: Strategien zum Schwangerwerden

Die Schwangerwerden-Wahrscheinlichkeit sinkt dramatisch, wenn beispielsweise der Eisprung nicht auf gemeinsame Tage fällt, sondern auf Arbeitstage mit wichtigen Terminen. Viele beruflich notwendige fliegende Partnerschaften sind zeitweise mit einer unter 5-prozentigen Aussicht konfrontiert, ihren Kinderwunsch verwirklichen zu können. Das gilt natürlich auch für Paare, die „nur“ einige Auto- oder Zugstunden voneinander entfernt arbeiten müssen. Dazu gehören beispielsweise Luftfahrt-Personal, Menschen aus vielen unterschiedliche Wirtschaftsberufen sowie auch Wissenschaftler. Auf diese Weise können leicht mehrere Jahre vergehen, bis der Kinderwunsch gestillt wird und das Schwangerwerden klappt.

Deswegen wäre schon etwas gewonnen, wenn Paare beziehungsweise die Fraue die Ovulation beispielsweise von Mittwoch auf das gemeinsame Wochenende verschieben könnte.

Im Grunde genommen helfen dabei einfache Maßnahmen zur Überprüfung des Zeitpunkts der Ovulation sowie eine kurzzeitige Hormontherapie.

 

Seltener Eisprünge bei Polyzystischem Ovar-Syndrom und nach Absetzen der Pille

Aktuelle Daten zeigten unter jungen Frauen mit normaler Zykluslänge eine Häufigkeit von 12–30% für das Ausbleiben eines Eisprungs. Im Blickpunkt steht dabei auch das sogenannte Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS). Diese vielseitige und sehr wechselnd ausgeprägte endokrinologische Besonderheit betrifft 5–8% der weiblichen Bevölkerung und ist damit relativ häufig.

Während für PCOS-Patientinnen bekannt ist, dass Ovulationen (Eisprünge) seltener stattfinden, zeigen neue Daten eine zweite, mindestens genauso große Gruppe von betroffenen jungen Frauen betreffen. Auch diese Betroffenen versuchen ohne Beachtung und Beratung in bis zu 30 Prozent ihrer Zeit vergeblich, Kinderwunsch und Schwangerwerden zu verwirklichen.

 

Wie man Kinderwunsch und Schwangerwerden trotz Fernbeziehung unterstützen kann

Jedenfalls ist bewiesen, dass Frauen mit keinem oder nur seltenem Eisprung Hormontherapien einsetzen können, um ihre Schwangerwerden-Wahrscheinlichkeit zu erhöhen. Außerdem haben viele Frauen direkt nach Absetzen der Pille vorübergehend eine Erhöhung ihres Follikelstimulierenden Hormons (FSH). Dies regt wiederum das Wachsen des Eibläschens an. Dieses Absetzphänomen – auch Rebound-Effekt genannt – mit dem ausgelösten FSH-Schub auf die Eierstöcke können auch Patientinnen gezielt einsetzen, damit es im ersten Zyklus nach dem Absetzen der Pille zu einem Eisprung kommt.

Auf ähnliche Weise kann man mit zweiwöchigen Gestagen-Gaben in der zweiten Zyklushälfte auch die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs im nächsten Zyklus bei Patientinnen mit einem milden PCOS etwas erhöhen. Wenn man dann auch noch die Durchhaltefähigkeit der Spermien (ca. 3-5 Tage) hinzu berechnet, so kann man mit moderner Zyklus-Selbstüberwachung kombiniert mit gynäkologisch-endokrinologischer Beratung Kinderwunsch und Schwangerwerden schneller realisieren.

Quelle:
Statement zu Fernbeziehung und Kinderwunsch von PD Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss, Leitende Oberärztin – Poliklinik/Endokrinologie. Leiterin des Osteoporosezentrums, Frauenklinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. Gemeinsame Jahrestagung 2016: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Österreichische Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie.

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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