Evodia-Extrakte: Gefahr fürs Herz?

Extrakte der TCM-Arzneipflanze Evodia rutaecarpa könnten für das Herz gefährlich sein. © Natchapon Srihon / shutterstock.com

Extrakte der TCM-Arzneipflanze Evodia rutaecarpa könnten für das Herz gefährlich sein. © Natchapon Srihon / shutterstock.com

Die in der Traditionellen Chinesischen Medizin häufig eingesetzte Arzneipflanze Evodia rutaecarpa enthält zwei Naturstoffe, die Herzrhythmusstörungen auslösen können.

Wissenschaftler der Universitäten Basel, Wien und Utrecht konnten zeigen, dass sich zwei Substanzen der TCM-Arzneipflanze Evodia rutaecarpa als sehr potente Hemmstoffe von Kaliumkanälen im Herzmuskel erwiesen. Die aus Evodia isolierten Naturstoffe Dehydroevodiamin (DHE) und Hortiamin können Kaliumkanäle blockieren, wodurch sich die Erregungsabläufe im Herzmuskel verändern. Dadurch können schwere Herzrhythmusstörungen – sogenannte Torsade de pointes (TdP) – und Kammerflimmern verursacht werden, was zum plötzlichen Herztod führen kann. Das Entstehen schwerer TdP-Arrhythmien nach Gabe von Dehydroevodiamin konnten bei EKG-Untersuchungen an Hunden bestätigt werden. Ein derartiges Tiermodell wird auch zur Prüfung von Arzneimittelsicherheit in der Pharmaindustrie eingesetzt.

Torsade de pointes (TdP) wird auch Torsade-Tachykardie (Torsade-de-pointes-Tachykardie), Spitzenumkehr- oder Schraubentachykardie bezeichnet. Sie stellt eine Sonderform der ventrikulären Tachykardie dar, für ein spindelförmiges, wellen- beziehungsweise schraubenförmiges Bild der Kammerkomplexe im Elektrokardiogramm (EKG) typisch ist – mit Herzfrequenzen von über 150 pro Minute. Die Torsade-Tachykardie kann ein Kammerflimmern übergehen und stellt deswegen eine potentiell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung dar.

 

Evodia-Extrakte aus Evodia rutaecarpa – ein beliebter TCM-Allrounder

Evodia rutaecarpa steht für das chinesische Kraut Wu-Zhu-Yu (Stink-Eschen-Früchte, der Pflanzengattung Stink-Eschen zugehörig), das zu den stark wirkenden TCM-Kräutern zählt und ursprünglich als wärmende Droge gegen Kälteleiden verwendet wurde. Die Arzneipflanze gilt als leicht giftig und darf keinesfalls in der Schwangerschaft angewendet werden. Evodia-Extrakte werden vor allem bei Entzündungen des Magen-Darmtraktes, Schmerzen im Bauch und der Leber sowie gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Auch Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden und Ulzerationen (Geschwüre) im Mund zählen zu den Anwendungsgebieten. Mit den Früchten der Arzneipflanze, die scharf schmecken und ein schweres Aroma haben, sollen auch erfolgreich Band- und Madenwürmer bekämpft werden können.

 

Bedenkliche Sicherheit von Dehydroevodiamin und Hortiamin

Die aktuellen Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass beträchtliche Mengen Dehydroevodiamin in Evodia-Früchten vorhanden sind. Grundsätzlich muss vor der Einnahme von Arzneimitteln, die Herzrhythmusstörungen auslösen können, gilt eigentlich, eine Herzuntersuchung mittels EKG gemacht werden. Besonders gefährdet sind Herzpatienten, deren Arrhythmierisiko bewertet werden muss. Bislang fehlen klinische Studien, die die Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen durch Evodia-Präparate untersuchen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Dehydroevodiamin und Hortiamin in einen Evodia-Früchte-Tee gelangen.

Quelle:

Baburin I, Varkevisser R, Schramm A, Saxena P, Beyl S, Szkokan P, Linder T, Stary-Weinzinger A, van der Heyden MAG, Houtman M, Takanari H, Jonsson M, Beekman JHD, Hamburger M, Vos MA, Hering S.: Dehydroevodiamine and hortiamine, alkaloids from the traditional Chinese herbal drug Evodia rutaecarpa, are IKr blockers with proarrhythmic effects in vitro and in vivo.
doi: 10.1016/j.phrs.2018.02.024. (E-publication ahead of print)

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