Qualitätsgesicherte Ernährungsberatung und Ernährungstherapie

Mangelernährung im Krankenhaus erhöht die Morbidität und Mortalität bis zum 8-fachen. © sfam photo / shutterstock.com

Bei Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten oder bei Fehlernährung bietet die Ernährungsberatung und Ernährungstherapie Hilfe.

Essen kann jeder, denkt man. Aber kann auch jeder Ernährungstherapie? In den sozialen Medien bewegt seit April 2018 der #Aufschreiernährungsberatung die Fachkreise. Viele Tausend Ernährungsfachleute reagierten empört auf den Vorschlag, Ernährungsberatung in den Tätigkeitskatalog für Langzeitarbeitslose für das Solidarische Grundeinkommen zu listen (SGE-Konzept). Der VDOE und weitere Verbände forderten die sofortige Streichung. Die Diskussion ist sinnbildlich.

Auf der einen Seite wird die Ernährung – die Esskultur – mitverantwortlich gemacht für die großen Volkskrankheiten Diabetes und Übergewicht. Auf der anderen Seite bleibt die echte Unterstützung für Risikogruppen und Betroffene noch immer hinter den Möglichkeiten zurück: in der Betreuung von Schwangeren und Familien, in der Verpflegung und Ernährungsbildung an den Schulen oder auch in den Kliniken. Auch wenn das Lebensmittelangebot ebenso wie das Angebot an Informationen über eine ausgewogene Ernährung in unserer Gesellschaft heute unerschöpflich sind, steigt der Anteil von Personen, die Unterstützung bei der Umsetzung einer gesunden Ernährung in Form von Ernährungsberatung oder einer Ernährungstherapie bedürfen.

 

Ernährungsberatung – individuell oder in Gruppenangeboten

Der gesellschaftliche Wandel und die Erfolge der Medizin führen dazu, dass immer mehr Menschen auch mit schweren Erkrankungen länger leben. Und sie profitieren dann von einer guten ernährungstherapeutischen Versorgung bis hin zur klinischen Ernährung. Hier ist professionelle und qualifizierte Unterstützung gefragt.

Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler sind nicht nur an der Erforschung der ernährungs- und lebensmittelwissenschaftlichen Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung von Gesunden und Kranken maßgeblich beteiligt. Sie vermitteln im Rahmen von Ernährungsbildung Kenntnisse und Kompetenzen, die jeder Mensch für seine Ernährung benötigt. Ebenso bilden sie Multiplikatoren aus und bilden sie weiter, die ihrerseits Ernährungswissen verbreiten.

Im Handlungsfeld der Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten und vor allem, wenn es um besondere Anforderungen infolge von Erkrankungen oder bei Vorliegen von durch Über- oder Unterernährung bedingter Fehlernährung geht, hilft die Ernährungsberatung – individuell oder in Gruppenangeboten.

 

Teamarbeit

In der Ernährungstherapie arbeiten Ernährungswissenschaftler Hand in Hand mit Ernährungsmedizinern. Und zwar um die Lebensqualität von Patienten zu optimieren und die Heilungschancen zu verbessern.

Die Klinische Ernährung ist ein weiteres Feld, in dem Ernährungswissenschaftler und Ernährungsmediziner eng zusammenarbeiten und gemeinsam mit weiteren involvierten Berufsgruppen das Überleben von Patienten sichern, die sich krankheitsbedingt zeitweise oder auch langfristig nicht ausreichend ernähren können oder eine an die Erkrankung adaptierte Ernährung benötigen. Die vielfältigen Einsatzgebiete und Handlungsfelder von Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftlern zeigen die Bedeutung der Kooperation von Ärzten und Ernährungsfachkräften sowie weiteren Berufsgruppen.

Teamarbeit mit einer Kommunikation auf Augenhöhe sind essentiell. Und zwar sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich sowie an der Schnittstelle beider Bereiche. Der Blick auf Teillösungen verhindert das Denken umfassender Konzepte, die so dringend benötigt werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf: Zwar ist das Bewusstsein für die Ernährungsthemen in den letzten Jahren gestiegen.

Bildungseinrichtungen integrieren Ernährung in ihre Curricula, Krankenkassen unterstützen präventive Maßnahmen im Handlungsfeld Ernährung und für viele Krankheitsbilder wurden von einschlägigen Fachgesellschaften Leitlinien für die Ernährungsmedizin und Ernährungstherapie entwickelt. Bei der flächendeckenden Umsetzung bestehen jedoch Defizite. Hierfür können viele Gründe genannt werden, wie zum Beispiel die Überbelastung der Pflegekräfte und Ärzte.

 

Qualitätsgesicherte Ernährungsberatung und Ernährungstherapie

Die Kluft zwischen Expertenwissen und den konkreten Fragen der Menschen wird zudem durch massive, oft widersprüchliche Informationen in Medien oder anderen Teilöffentlichkeiten und von unterschiedlichen Akteuren eher größer als kleiner. Es besteht die Gefahr, dass aus Konfusion Resignation und Misstrauen entstehen. Insofern ist es auch aus Gründen des Verbraucherschutzes notwendig, dass qualitätsgesicherte Ernährungsberatung und Ernährungstherapie erkennbar und von irreführenden und ungesicherten Informationen zu unterscheiden sind.


Quelle:

Statement »Ernährungsversorgung 2030: individuell-integriert – professionell-qualifiziert «. Ingrid Acker, Kongresspräsidentin VDOE, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des BerufsVerbands Oecotrophologie e.V. (VDOE), Bonn. Kongress ERNÄHRUNG 2018 , Juni 2018, Kassel

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