Ernährung im Alter muss Defizite vermeiden

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Die Ernährung im Alter hat besondere Erfordernisse, denn Grundumsatz und Kalorienbedarf sinken, doch der Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen bleibt gleich.

Die richtige Ernährung im Alter hat besondere Erfordernisse, denn Nahrungszufuhr und der Stoffwechsel sind bei älteren Menschen anders. Das physische Altern ist vor allem auch mit einer Abnahme an körperlichen Reserven vergesellschaftet. Dieser Umstand illustriert deutlich, welche besondere Bedeutung der Ernährung im Alter zukommen kann.

 

Bedeutung von Mikronährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen für die Ernährung im Alter

Aufgrund des in der Regel jenseits des 70. Lebensjahres zu beobachtenden Rückgangs der körperlichen Aktivität, sinkt der durchschnittliche Kalorienbedarf in dieser Lebensphase. Gleichwohl bleibt der Bedarf an Mikronährstoffen, wie Vitaminen und Spurenelementen, unverändert. Daher ist es für die Ernährung im Alter besonders wichtig, dass ältere Menschen bei ihrer Nahrungsmittelauswahl auf besonders hochwertige Lebensmittel zurückgreifen. Anderenfalls drohen verschiedene Defizite.

Vitamin-D-Mangel. Vitamin D weist in dieser Hinsicht eine Sonderstellung auf. Es besitzt besondere Bedeutung für Knochen und Muskulatur. Als Folge der Hautalterung sind ältere Menschen besonders anfällig für einen Vitamin-D-Mangel. Da bei Älteren die Bedarfsdeckung aus natürlichen Lebensmitteln kaum gelingen kann – auch nicht in Kombination mit einer stärkeren Sonnenexposition –, ist bei vielen Senioren eine Vitamin-D-Supplementierung angezeigt. Diese sollte mit dem Hausarzt abgesprochen werden. Vor der Einnahme von überhohen Vitamin-D-Dosen, die bisweilen noch beworben werden, ist jedoch zu warnen. Der Wert der regelmäßigen Einnahme einer Multivitamin-Pille ist demgegenüber wissenschaftlich nicht belegt. Bei älteren Senioren sollte ferner auf eine stabile Gewichtsentwicklung geachtet werden.

 

Proteinreiche Ernährung im Alter – Sarkopenie verhindern

Jenseits des 70. Lebensjahres ist eine Gewichtsabnahme nach Möglichkeit zu vermeiden, da anderenfalls ein übermäßiger Verlust an Skelettmuskulatur droht und das Auftreten einer Sarkopenie begünstigt wird. Sarkopenie steht für einen krankhaften Verlust an Muskelmasse und -kraft. In diesem Zusammenhang sind auch diverse Empfehlungen zu einer Gewichtsabnahme unterstützenden Ernährung im Alter durchaus kritisch zu sehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung bedingen. Eine ausreichende Zufuhr an Proteinen ist im höheren Alter besonders bedeutsam, da dieses einer Sarkopenie entgegenwirkt. Es können sogar etwas mehr Proteine als in jüngeren Lebensjahren konsumiert werden. Die offizielle Empfehlung liegt für Senioren bei einer Zufuhr von 1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei muss der ältere Erwachsene nicht auf Fleisch als Nahrungsquelle zurückgreifen. Alternativ stehen hochwertige Milchprodukte und pflanzliche Eiweißquellen zur Verfügung. Eine proteinarme Ernährung kann dagegen als regelrechter „Muskelkiller“ betrachtet werden. Jedoch bedeutet auch ein hohes Körpergewicht ein erhöhtes Risiko für Immobilität und Behinderung. Es gilt daher im Alter beide Extreme, das heißt, ein niedriges Körpergewicht, aber auch eine Adipositas nach Möglichkeit zu vermeiden, um ein gutes Altern mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen.

Obwohl erste Veröffentlichungen zur allogenen Stammzelltransplantation bei Frailty und zur Antikörpertherapie der Sarkopenie 2017 erschienen sind, ist eine wissenschaftlich fundierte Anti- Aging-Medizin gegenwärtig noch nicht vorhanden. Es scheint daher angezeigt, sich stattdessen auf die beiden etablierten Optionen zu fokussieren, die für einen Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit im Alter bereits zur Verfügung stehen: Bewegung und Ernährung. Hinsichtlich Letzterer gilt es bei betagten Patienten zunächst, eine stabile Gewichtsentwicklung zu gewährleisten.

Der altersassoziierte Gewichtsverlust sollte 250 Gramm bei Frauen und 400 Gramm bei Männern nicht überschreiten. Bei höheren Gewichtsverlusten droht weniger ein verstärkter Abbau an Fett- als an Muskelgewebe. Wie bereits in mehreren Studien gezeigt werden konnte, ist eine optimierte Versorgung von Senioren mit Protein ein vielversprechender Ansatz, um das Ausmaß des im Alter regelhaft zu beobachtenden Muskelabbaus zu verringern. Die Verwertung von oral zugeführten Proteinen ist im höheren Lebensalter beeinträchtigt, wodurch unter anderem die postprandiale Muskelproteinsynthese vermindert wird. Bei geringer Proteinzufuhr droht eine beschleunigte Abnahme der Muskelmasse und der Muskelkraft, welche eine erhöhte Sturzneigung und Frakturrate zur Folge haben kann. Man verwendet zur Beschreibung dieser metabolischen Konstellation den Begriff der anabolen Resistenz. Diese kann durch ein altersadaptiertes Training oder durch eine erhöhte Proteinzufuhr, zumindest partiell, überwunden werden.

 

Optimierte Nahrungszufuhr

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für alle Lebensalter jenseits der Kindheit eine Zufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag empfiehlt, raten zahlreiche Altersexperten auf nationaler und internationaler Ebene zu einer optimierten Zufuhr von 1,0–1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Patienten mit bereits vorhandener Frailty oder Sarkopenie kann eine Zufuhr von bis zu 1,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht angeraten sein. Um diese erhöhte Zufuhrempfehlung umzusetzen, empfiehlt sich eine möglichst gleichmäßige Verteilung des Proteins auf alle drei Hauptmahlzeiten, wobei ein besonderes Augenmerk auf das Frühstück zu legen ist, da dieses bisweilen ausgesprochen proteinarm ausfällt. Es muss dabei nicht notwendigerweise der Fleischkonsum erhöht werden. Stattdessen sollte auf Milcheiweiß sowie auf pflanzliche Proteinquellen zurückgegriffen werden. Analysiert man die Bedeutung einzelner Aminosäuren, weist Leucin den stärksten anabolen Effekt auf. Leucin reiche Supplemente sind daher bei einem hohen Risiko für einen raschen Muskelabbau für eine temporäre Verabreichung in Betracht zu ziehen.

Quelle:

Statement » Nahrung als Medizin: Was alte Menschen stärkt – und was ihnen schadet « von Prof. Dr. med. Jürgen M. Bauer, Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), DGIM2018, Mannheim

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