Richtige Ernährung bei Reizdarmsyndrom wesentlich

Kräuter, Obst und Gemüse, die als Superfood bei Reizdarmsyndrom zahlreiche Beschwerden lindern und verhindern helfen. © marilyn barbone / shutterstock.com

Kräuter, Obst und Gemüse, die als Superfood bei Reizdarmsyndrom zahlreiche Beschwerden lindern und verhindern helfen. © marilyn barbone / shutterstock.com

Die richtige Ernährung bei Reizdarmsyndrom in Form von Diät sollte der Magen-Darm-Problemen im Vordergrund der Reizdarm-Therapie stehen.

Das Reizdarmsyndrom gehört zu den häufigsten und zugleich zu den am wenigsten bekannten Erkrankungen der westlichen Welt. Millionen Menschen leiden weltweit – 6 bis 25% – unter anhaltenden Bauchbeschwerden, die sich als Blähungen, Schmerzen, Durchfälle oder Verstopfung äußern. Im Zusammenhang mit der richtigen Ernährung bei Reizdarmsyndrom (Reizdarm) sollte man eine für den jeweiligen Patienten individuelle Diät abstimmen. Schließlich sollte diese begleitend zur Therapie im Vordergrund stehen.

 

Das Reizdarmsyndrom

Nur etwa 20 bis 50% der Betroffenen suchen wegen eines Reizdarmsyndroms ärztliche Hilfe auf. Grund für den Arztbesuch sind zumeist eine deutlich verminderte Lebensqualität mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und psychischem Leidensdruck.

Hauptkriterien für ein Reizdarmsyndrom sind abdominelle Schmerzen innerhalb von zwölf Wochen oder länger während der letzten zwölf Monate mit zumindest zwei der folgenden drei Kennzeichen:

Fakultative Kriterien sind Änderung der Stuhlform, Änderung der Defäkation, Gefühl der inkompletten Entleerung, Schleimbeimengung und Blähungen.


Häufig bei Reizdarmsyndrom: psychosomatische Ursachen bei Reizdarm

Im Zusammenhang mit der Ernährung bei Reizdarmsyndrom ist darauf zu achten, dass eine verminderte oder überschießende Zufuhr von Ballaststoffen sowie eine übermäßige Zufuhr von schwer resorbierbarem Zucker­ wie Fruktose und Sorbit oder von Stimulantien der Peristaltik wie Kaffee oder Tee die Symptome eines Reizdarmsyndroms auslösen oder verstärken können.


PatientInnen mit einem Reizdarmsyndrom zeigen ein gesteigertes viszerales Schmerzempfinden – beispielsweise auf Dehnungsreize im Darm sowie verstärkte Darm-Kontraktionen auf Reize (beispielsweise üppige Mahlzeit). So werden auch normale Verdauungsprozesse oder Gasbildung im Darm als unangenehm oder schmerzhaft empfunden. Diese Überempfindlichkeit kann durch Ereignisse wie eine infektiöse Enteritis, psychische (Dis-) Stresssituationen, Emotionen wie Angst oder Ärger sowie einer Laktoseintoleranz ausgelöst und/oder verstärkt werden.

Im Zentrum der Therapie steht einerseits Aufklärung und Beruhigung sowie Beratung. Und hierzu vor allem auch im Sinne der Ernährung bei Reizdamsyndrom. Weiter gehört dazu die Begleitung der betroffenen Patienten. Eine medikamentöse Therapie sollte bei Bedarf Symptom orientiert erfolgen, um die aktuellen Beschwerden zu lindern.

 

Ernährung bei Reizdarmsyndrom – Eckpfeiler der Reizdarm-Behandlung

Nahrungsbestandteile können wichtige Strukturen im Verdauungstrakt beeinflussen, entweder direkt oder über die im Darm lebenden Bakterien. So können etwa Nahrungsmittel wie Zwiebeln oder Lauch für Reizdarmpatienten die Ursache quälender Schmerzen sein.

Bei vielen Patienten reagiert das Darmnervensystem auf die Dehnung des Darms durch blähende Gase besonders empfindlich. Eine gestörte Darmflora – also eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien – könne die Gasbildung im Darm noch verstärken. In diesem Fall würde der Verzicht auf blähende Lebensmittel die Symptome lindern.

Da den Beschwerden unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, gibt es beim Reizdarmsyndrom kein Patentrezept. Die richtige Ernährung und Diät, die sich an den Symptomen ausrichtet, sollte aber immer an erster Stelle bei Reizdarmsyndrom stehen. Patienten, die vor allem unter Verstopfung leiden, profitieren von einer ballaststoffreichen Ernährung.

Für Betroffene mit schmerzhaften Blähungen ist die faserreiche Kost hingegen wenig förderlich. Ich empfehle Patienten zunächst mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs herauszufinden, welche Nahrungsmittel sie besonders gut vertragen und welche nicht.

6 Tipps für eine FODMAP-arme Ernährung gegen Magen-Darm-Beschwerden

Die FODMAP-Diät zur Ernährung bei Reizdarm

Als erfolgversprechende Ernährung – für rund Dreiviertel der Patienten mit Reizdarm – haben Wissenschaftler in großen Studien die FODMAP-Diät ausgemacht. Betroffene verzichten hierzu auf Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie (and) Polyole. Wobei diese Einfach- und Mehrfachzucker sowie Polyalkohole von Bakterien im Dickdarm vergärt werden. Dementsprechend tragen sie dann zur Entstehung blähender Gase bei. Zudem ziehen sie große Mengen Wasser in den Darm und verursachen Durchfälle.

Zu ihnen zählen etwa Fruktose in Früchten oder Honig, Laktose in Milchprodukten, Fruktane in Weizen, Knoblauch oder Zwiebeln, Galaktose in Bohnen, Linsen und Sojabohnen, sowie die Zuckeraustauschstoffe Xylit, Sorbit und Maltit, die natürlicherweise in Pflaumen, Aprikosen oder Mais vorkommen. Angesichts der hohen Zahl FODMAP-haltiger Lebensmittel sei die Diät im Alltag jedoch oftmals schwierig umzusetzen.

Auch wenn die Erfolgsaussichten bei einer FODMAP-armen Diät hoch sind, dürfen wir nicht das Ziel aus den Augen verlieren, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Wenn die Diät zur Qual wird, ist das Ziel nicht erreicht.

 

Fructose, Lactose, Sorbit

Mitunter biete sich die Strategie an, zunächst einzelne Nahrungsbestandteile, etwa Fructose, Lactose und Sorbit auf dem Speiseplan zu minimieren. So können wir neben den Reizdarmtriggern auch klassischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf die Spur kommen.

Bevor die Diagnose „Reizdarm“ besteht, sollten Ärzte durch eine sorgfältige Diagnostik andere Krankheiten ausschließen. Beispielsweise wie etwa eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Zöliakie. Letztere bezeichnet übrigens eine Erkrankung des Darms. Ursache dafür sind Gluten in Getreide.

Einfluss der Psyche beim Reizdarmsyndrom (Reizdarm)


Literatur:

Naseri K, Dabiri H, Rostami-Nejad M, Yadegar A, Houri H, Olfatifar M, Sadeghi A, Saadati S, Ciacci C, Iovino P, Zali MR. Influence of low FODMAP-gluten free diet on gut microbiota alterations and symptom severity in Iranian patients with irritable bowel syndrome. BMC Gastroenterol. 2021 Jul 14;21(1):292. doi: 10.1186/s12876-021-01868-5. PMID: 34261437; PMCID: PMC8278734.

Cozma-Petruţ A, Loghin F, Miere D, Dumitraşcu DL. Diet in irritable bowel syndrome: What to recommend, not what to forbid to patients! World J Gastroenterol. 2017 Jun 7;23(21):3771-3783. doi: 10.3748/wjg.v23.i21.3771. PMID: 28638217; PMCID: PMC5467063.

Rao SS, Yu S, Fedewa A. Systematic review: dietary fibre and FODMAP-restricted diet in the management of constipation and irritable bowel syndrome. Aliment Pharmacol Ther. 2015 Jun;41(12):1256-70. doi: 10.1111/apt.13167. Epub 2015 Apr 22. Erratum in: Aliment Pharmacol Ther. 2015 Aug;42(4):490. PMID: 25903636.

El-Salhy M, Gundersen D. Diet in irritable bowel syndrome. Nutr J. 2015 Apr 14;14:36. doi: 10.1186/s12937-015-0022-3. PMID: 25880820; PMCID: PMC4436161.


Quellen:

Leitlinie „Reizdarmsyndrom“ der DGVS mit Ernährung bei Reizdarmsyndrom (Reizdarm)

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