Bedeutung der Ernährung bei Krebs

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Die Ernährung bei Krebs spielt eine bedeutende Rolle in der Vorbeugung und der Behandlung, Krebs und Ernährung beeinflussen sich intensiv gegenseitig.

Die Ernährung bei Krebs spielt in der Prävention und Therapie von Tumorerkrankungen eine wichtige Rolle. An mindestens drei Stellen beeinflussen sich Ernährung und Tumorerkrankungen gegenseitig und haben für den Betroffenen erhebliche Auswirkungen bezüglich Erkrankung, Überleben und vor allem Lebensqualität.

 

Übermäßige Ernährung und zu wenig Bewegung fördern Tumorerkrankungen

Bestimmte Schadstoffe oder aber Nikotinkonsum sind als Risikofaktoren für die Tumorentstehung bestens bekannt. Aber die neue Sucht – grenzenloses Essen kombiniert mit zu wenig Bewegung, was oft in Übergewicht resultiert – hat auf die Entstehung und das Voranschreiten der Tumorerkrankungen einen noch größeren Einfluss und ist deshalb als das „Rauchen“ des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen.

Es ist nachgewiesen, dass Fettleibigkeit das Auftreten von zahlreichen Tumorerkrankungen fördert, speziell bei den hormonabhängigen Tumoren wie postmenopausalem Brustkrebs sowie Eierstock- oder Gebärmutterkrebs. Auch der Verlauf des Dickdarm- und Prostatakrebses scheint übergewichtsabhängig. In einer großen englischen Studie wurde gezeigt, wie die Gewichtszunahme je 1 kg/m² das Risiko für zahlreiche Tumoren erhöht (Bhaskaran et al. 2014).

 

Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen

Gewichtszunahme könnte das Rauchen bald als Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen ablösen. Aber es ist nicht nur die übermäßige Kalorienaufnahme, die die Tumorentstehung beeinflusst, sondern auch die Verminderung des Verbrauchs: Weniger körperliche Aktivität führt gehäuft zu Tumorerkrankungen. Das zeigt sich insbesondere bei Darmkrebserkrankungen (Nunez C et al. 2017, Kerr et al. 2017). Leider sind schon Kinder und Jugendliche körperlich kaum noch aktiv und durch unbegrenzte Nahrungs- und Kalorienaufnahme vorzeitig übergewichtig.

Wir sind erst am Anfang einer von Adipositas/Übergewicht angestoßenen Welle von Tumorerkrankungen, die zwar früher erkannt und früher behandelt werden, aber in ihrem Ausmaß und ihrer Anzahl eher zunehmen werden. Die negativen Auswirkungen von Bewegungsmangel und Fettsucht auf die kardiovaskulären Probleme wie Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall wird überall propagiert. Dass diese Lifestyle-Veränderungen Tumorerkrankungen aber auch auslösen sowie verstärken können, ist vielen Menschen sowie auch Ärzten nicht bewusst.

 

Mangel-Ernährung bei Krebs

Ein weiterer Zusammenhang der Ernährung bei Krebs zeigt sich, wenn ein Mensch plötzlich Gewicht abnimmt, unbewusst und innerhalb von kürzester Zeit, ohne dass er sich besonders einschränken oder körperlich sehr aktiv sein muss. Viele Menschen freuen sich, dass sie – speziell im Alter über 50 Jahre – auf einmal Gewicht verlieren, aber leider ist dies oft Ausdruck einer konsumierenden Erkrankung.

Speziell Patienten mit Magen- Darmtrakt-Tumoren wie Bauchspeicheldrüsenkrebs verlieren in den sechs Monaten vor der Entdeckung des Tumors in bis zu 80 Prozent der Fälle bis zu 10 Prozent ihres Körpergewichts. Dies scheint auf den ersten Blick zwar positiv, in der Hauptsache wird aber Muskelmasse und nicht die lästigen Fettpolster abgebaut. Dadurch ist der Patient bei Entdeckung seiner Tumorerkrankung bereits geschwächt und hat eine sogenannte Mangelernährung. Beding ist dies durch Botenstoffe, die der Tumor produziert und die in den Stoffwechsel eingreifen und so zum Abbau der Muskeln führen.

Wie aus zahlreichen – seit Jahren existierenden Untersuchungen – bekannt ist, hat diese Mangel-Ernährung bei Krebs erhebliche Auswirkungen auf den Tumorverlauf. Es gibt eindeutige Untersuchungen, die zeigen, dass bei Mangel-Ernährung die Operationen komplikationsreicher sind, die Wundheilung schlechter ist, die Chemotherapie schlechter vertragen wird, mehr Infektionen auftreten und leider häufiger die geplanten Abstände zwischen den Therapien verlängert werden müssen. Dies alles hat Folgen auf das Tumorwachstum, denn jede Verzögerung gibt den Tumorzellen wieder Zeit zu wachsen.

 

Lebensqualität und Ernährung bei Krebs

Ein ganz wichtiger Punkt ist aber auch, was bei Tumorpatienten immer im Vordergrund stehen sollte: die Lebensqualität. Auch sie wird negativ beeinträchtigt. Aber nicht nur die Tumorerkrankung selbst, sondern auch die Diagnostik (lange, unnötige Nüchtern-Phasen im Krankenhaus), die Therapien, Operationen mit nicht ausreichender Ernährung, Übelkeit und Erbrechen nach Strahlen- oder Chemotherapie sowie Substanzverluste durch Durchfall führen zu einer Verstärkung der verminderten Nahrungsaufnahme und zu Appetitlosigkeit, was die Mangelernährung in Gang hält.

Obwohl es eindeutige Untersuchungen gibt, dass dieser Prozess abgebremst und gegebenenfalls gestoppt werden kann, werden ernährungsmedizinische Interventionen wie Ernährungsberatung, additive Ernährungsdrinks oder aber auch die additive künstliche Ernährung dem Patienten vorenthalten und/oder meist erst dann, wenn er in einem Stadium des Auszehrsyndroms (Kachexie) ist, eingeleitet.

Eine Krebs-bedingte Mangelernährung hat somit auf Outcome sowie Lebensqualität des Tumorpatienten einen bedeutenden und beeinflussenden Effekt. Gerade bei den eingangs erwähnten übergewichtigen Patienten fällt dieser zehnprozentige Gewichtsverlust meist nicht gleich auf, und es wird davon ausgegangen, dass noch genug „Reserven“ vorhanden sind. Aber speziell diese Patienten verlieren Muskelmasse. Ein besonderes Problem stellt die sogenannte „Sarcopenic Obesity“ dar: Übergewichtige mit ganz geringer Muskelmasse. Diese sind in ihrer Bewegung eingeschränkt, haben eine schlechtere Chemotherapieverträglichkeit und extrem viele Infekte. Für dieses Problem der „Mangelernährung“ ein Bewusstsein zu schaffen, sollte in unserem Gesundheitssystem eine hohe Priorität haben.

 

Ernährung als Maßnahme der Tumorbehandlung

Der dritte Schnittpunkt zu Ernährung bei Krebs ist im Bereich der Nachsorge des Tumor-„Überlebenden“ anzusiedeln. Nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, auch bei Erwachsenen gibt es zunehmend diese zahlreichen „Überlebenden“. Schließlich fällt deren Betreuung unter den Begriff des sogenannten „Cancer Survivorship“.

Diese ehemaligen Patienten haben mit den Auswirkungen der Anti-Tumor-Therapie auf ihren Körper zu kämpfen. Mit einer angepassten Ernährungsweise können die Folgen der Therapienebenwirkungen gelindert. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität und erhöht sich die Widerstandskraft des Körpers. Auch das Wiederkommen – das Rezidiv der Erkrankung – muss vermieden werden. Hier sind ebenfalls dringend ernährungsmedizinische Empfehlungen umzusetzen.

 

Krebs und das Metabolische Syndrom

Viele Tumorpatienten entwickeln ein sogenanntes „Metabolisches Syndrom“. Dazu zählen Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Ausbildung von Zuckerkrankheit, Bluthochdruck sowie erhöhte Harnsäure. Eine intensivierte Bewegungstherapie sowie ernährungsmedizinische Beratung und Betreuung können diese pathologischen Faktoren beeinflussen.

Die Vermeidung des Wiederkommens der Tumorerkrankung geht in dieselbe Richtung. Die zuletzt 2007 vom WCRF/WHO formulierten primären Empfehlungen zur Vermeidung eines Tumors beinhalten die ausgewogene Ernährung, die Verminderung von Gewichtszunahme und die tägliche Bewegung.

Krebs und Ernährung beeinflussen sich intensiv gegenseitig und die Ernährung bei Krebs sollte – aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Daten – sowohl in Prävention als auch in Therapie eine hohe Beachtung finden.

Literatur:

World Cancer Research Fund International (2007). Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention. Eine globale Perspektive. www.wcrf.org/sites/default/files/german.pdf

Bhaskaran K., Douglas I., Forbes H., dos-Santos-Silva I., Leon D.A., Smeeth L. Bodymass index and risk of 22 specific cancers: a population-based cohort study of 5·24 million UK adults. Lancet 2014 Aug 30;384(9945):755-65.

Andersson T.M., Weiderpass E., Engholm G., Lund A.Q., Olafsdottir E., Pukkala E., Stenbeck M., Storm H., Eur J. Avoidable cancer cases in the Nordic countries – The impact of overweight and obesity. Cancer. 2017 Jul;79: 106-118.

Nunez C., Bauman A., Egger S., Sitas F., Nair-Shalliker V. Obesity, physical activity and cancer risks: Results from the Cancer, Lifestyle and Evaluation of Risk Study (CLEAR). Cancer Epidemiol. 2017 Apr;47: 56-63.

Kerr J., Anderson C., Lippman S.M. Physical activity, sedentary behaviour, diet, and cancer: an update and emerging new evidence. Lancet Oncol. 2017 Aug; 18(8): e457- e471.


Quellen:

Statement »Krebsprävention und -therapie: Tumorerkrankungen mit der richtigen Ernährung vorbeugen und behandeln«. Professor Dr. med. Hartmut Bertz, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I (Hämatologie/Onkologie/Stammzelltransplantation) und Sektionsleiter Ernährungsmedizin und Diätetik am Universitätsklinikum Freiburg. Kongress ERNÄHRUNG 2018, Juni 2018, Kassel

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