Ernährung bei Intensivstation: zusätzliches hochdosiertes Vitamin D sehr wirksam

Vielversprechende Studienergebnisse: Hochdosiertes Vitamin D zusätzlich zur Ernährung bei Intensivpatienten scheint die Mortalität von Schwerkranken senken zu können. © Fabian / CC-BY-NC-ND-2.0

Die zusätzliche Gabe von hochdosiertem Vitamin D zur Ernährung kann die Sterblichkeit schwerkranker Patienten auf der Intensivstation senken, auch bei Covid 19.

In einer Grazer Studie zur Ernährung bei Intensivpatienten konnten Wissenschaftler aus Graz bereits vor einigen Jahren mittels Vitamin D-Substitution die Prognose bei Patienten auf der Intensivstation verbessern. Eine US-Pilotstudie konnte im Jahr 2016 wiederum zeigen, dass hochdosiertes Vitamin D bei Patienten auf der Intensivstation, die man beatmen musste, die Krankenhausaufenthaltsdauer verkürzte. Besonders überzeugend ist die jüngste Veröffentlichung von spanischen Pilotdaten zur Aufnahme auf der Intensivstation und der Mortalität bei hospitalisierten Covid-19-Patienten, die eine Vitamin-D-Supplementierung erhalten. Denn diese spanische Corona-Studie zeigte, dass die Verabreichung einer hohen Dosis Calcidiol, 25-Hydroxyvitamin D, einem Hauptmetaboliten des endokrinen Vitamin D-Systems, eine notwendige Behandlung auf der Intensivstation von stationären Covid-19-Patienten signifikant verringerte.

Kaum ein anderer Mikronährstoff stand in den letzten Jahren so im Rampenlicht wie Vitamin D. Experten diskutieren dessen Einsatz nach wie vor durchaus kontrovers. Im Grunde genommen gibt es aber eine Fülle von Literatur, die die möglichen Mechanismen beschreibt, durch die Vitamin D diese positiven Effekte wahrscheinlich sowohl auf das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko als auch auf die Schwere der Covid-19-Krankheit vermittelt. Jedenfalls scheinen Personen mit Vitamin D-Mangel, und zwar insbesondere Männer, anfälliger für den tödlichen Zytokinsturm, der dramatische Überreaktion des Immunsystems, bei Covid 19 zu sein.

 

Hochdosiertes Vitamin D als zusätzliche Gabe zur Ernährung bei Intensivstation-Patienten beeinflusst bei kritisch Kranken die Prognose positiv

In der eingangs zitierten Grazer Studie erfolgte eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedensten Fachrichtungen wie Anästhesiologie und Neurologie. Die Wissenschafter untersuchten dabei, wie sehr eine hochdosierte Gabe von Vitamin D zur Ernährung bei Intensivpatienten mit Vitamin-D-Mangel die akute Prognose (Krankenhausaufenthaltsdauer, Sterblichkeit) beeinflusst.

Die Forscher untersuchten in einer klinischen doppelblinden sowie randomisierten Interventionsstudie 492 ProbandInnen auf der Intensivstation mit Vitamin-D-Mangel. Dabei litten die Patienten an unterschiedlichen schweren Erkrankungen. Die eine Gruppe erhielt eine hohe Vitamin-D3-Dosis über bis zu 5 Monate, während die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm.

Ziel war in erster Linie zu beobachten, wie sehr sich die Intervention auf die Dauer des Krankenhausaufenthaltes auswirkt. Außerdem erhoffte man sich neue Erkenntnisse über die Sterblichkeit im Krankenhaus.

Die Studienergebnisse zeigten, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus zwischen der Vitamin-D-Gruppe und der Kontrollgruppe gab. Außerdem konnten die Wissenschafter beobachten, dass es in der Sterblichkeitsrate der gesamten Studienpopulationen keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab.

 

Schwerkranke Intensivpatienten profitieren deutlich

Als die Forscher allerdings die beiden Gruppen hinsichtlich des Vitamin-D-Spiegels zu Beginn der Studie verglich, machten sie eine bedeutende Entdeckung. Denn schwerkranke Patienten, die zu Studienbeginn einen stark erniedrigten Vitamin-D-Spiegel aufwiesen – das war fast die Hälfte aller Teilnehmer – und hochdosiertes Vitamin D3 erhielten, hatten gegenüber der Placebogruppe eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate.

Bei Patienten auf der Intensivstation mit einem leicht erniedrigten Vitamin-D-Spiegel zu Studienbeginn konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Jedoch wiesen auch diese Patienten nach sechs Monaten eine deutliche Verbesserung einiger anderer Parameter auf.

Hochdosiertes Vitamin D zur Ernährung bei Intensivpatienten brachte eine spektakuläre Reduktion der Sterblichkeit im Krankenhaus.

Die Grazer Forscher betonten, dass diese spektakuläre Senkung der Sterblichkeit im Krankenhaus bei Vitamin-D-Mangelpatienten von großer Bedeutung ist. Einerseits sind schwerkranke PatientInnen mit rund 1% aller stationär aufgenommenen PatientInnen im Krankenhaus zwar nur eine kleine Gruppe. Andererseits verursachen diese Intensivpatienten dennoch mehr als 10% der gesamten Spitalskosten. Außerdem haben sie ein sehr hohes Sterberisiko. Und bislang konnten nur einige wenige Interventionen das Risiko für die Sterblichkeit auf Intensivstationen senken.

 

Was der Vitaminstatus bei Vitamin D wirklich aussagt

Im Grunde genommen leiden Intensivpatienten häufig an Vitamin-D-Mangel. Die Grazer Forscher vermuteten darin einen der Gründe für die hohe Sterblichkeit. Dementsprechend zeigten ihrer Untersuchungsergebnisse, dass eine hochdosierte Gabe von Vitamin D bei schwerem Vitamin-D-Mangel die Sterblichkeit Schwerkranker senken konnte.

Unter dem Strich ist Vitamin D im Körper vor allem beim Knochenaufbau sowie der Regulierung des Kalziumspiegels im Blut wichtig. Forschungen der letzten Jahren ergaben jedoch, dass Vitamin D auch bei anderen Organsystemen wie dem Immunsystem bedeutend sind. Durch die Einwirkung von UV-Strahlung wird es in der Haut gebildet. Über die Nahrung kann es vor allem in Form von manchen Fischen aufgenommen werden oder auch als Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln.

Das Phänomen, dass schwerst kranke Patienten einen niedrigen Vitamin-D-Status haben, tritt übrigens weltweit auf. Daher hatten auch die Grazer Studienergebnisse ein enormes Potential in Bezug auf die Therapie schwerkranker Erwachsener sowie auch von schwer erkrankten Kindern. Auch bei ihnen könnte eine Vitamin-D-Therapie eine gute zusätzliche Behandlungsoption darstellen.


Literatur:

McCartney DM, O’Shea PM, Faul JL, Healy MJ, Byrne G, Griffin TP, Walsh JB, Byrne DG, Kenny RA. Vitamin D and SARS-CoV-2 infection-evolution of evidence supporting clinical practice and policy development. A position statement from the Covit-D Consortium. Ir J Med Sci. 2020 Nov 21:1–13. doi: 10.1007/s11845-020-02427-9. Epub ahead of print. PMID: 33219912; PMCID: PMC7679797.

Han JE, Jones JL, Tangpricha V, Brown MA, Brown LAS, Hao L, Hebbar G, Lee MJ, Liu S, Ziegler TR, Martin GS. High Dose Vitamin D Administration in Ventilated Intensive Care Unit Patients: A Pilot Double Blind Randomized Controlled Trial. J Clin Transl Endocrinol. 2016 Jun;4:59-65. doi: 10.1016/j.jcte.2016.04.004. Epub 2016 May 5. PMID: 27419080; PMCID: PMC4939707.

Amrein et al. Effect of High-Dose Vitamin D3 on Hospital Length of Stay in Critically Ill Patients With Vitamin D Deficiency: The VITdAL-ICU Randomized Clinical Trial. JAMA. 2014;312(15):1520-1530. doi:10.1001/jama.2014.13204. http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1911017&resultClick=3


Quelle: Medizinische Universität Graz http://www.meduni-graz.at/

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