Ernährung bei Gicht: Was man essen darf, und was nicht

Die DASH-Diät soll bei Gicht und vorbeugend effektiv sein: mit reichlich Obst und Gemüse sowie fettarmen Milchprodukten sowie wenig Fett und Fleisch. © Antonina Vlasova / shutterstock.com

Bei der schmerzhaften Rheuma-Erkrankung Gicht ist die Ernährung sehr wichtig, wobei beispielsweise die DASH-Diät und Kirschen sehr zu empfehlen sind.

Die Gicht ist eine schmerzhafte entzündliche Rheumaerkrankung, die durch zu hohe Konzentrationen von Harnsäure im Blut entsteht. Dabei bilden sich in der Folge scharfe, spitze Harnsäure-Kristalle. Und die können die Gelenke schädigen und Entzündungen hervorrufen. Sehr häufig ist eine erbliche Veranlagung zur Gicht – die sogenannte Hyperurikämie – gegeben. Experten und Fachgesellschaften sprechen sich heute für die absolute Bedeutung der Ernährungsberatung bei Gicht aus, denn die spielt eine entscheidende Rolle für das langfristige Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten. Durch die richtige Ernährung wie beispielsweise die Dash-Diät kann man bei Gicht vor allem auch Übergewicht vermeiden, wobei verschiedene Nahrungsmittel, wie bekanntermaßen Kirschen, gegen einen Gichtanfall helfen können. Außerdem hilft ausreichend viel körperliche Bewegung dabei, dass man das individuelle Erkrankungsrisiko für Gicht maßgeblich senken kann.

 

Richtige Ernährung zur Vorbeugung

Im Grunde genommen zeigte unlängst eine große, rezente US-Kohortenstudie mit 51.529 männlichen, in Gesundheitsberufen tätigen Studienteilnehmern eindrucksvoll, dass man mit effektiven Maßnahmen jedenfalls Gicht-Erkrankungen verhindern kann. Dazu zählte vor allem die richtige Ernährung mit hohem Obst-, Gemüse- und fettarmen Milchprodukten sowie mit wenig Fleisch und gesüßten Getränke. Die unterstützte auch einen weiteren wichtige Faktor, nämlich die Aufrechterhaltung eines normalen BMI und Verhindern von Übergewicht. Wichtige Faktoren waren auch das Vermeiden von Alkoholkonsum und Diuretika-Medikamenten. Alle Männer mit Adipositas profitierten wiederum von einem Gewichtsverlust, wobei übermäßige Adipositas der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Gicht war.

 

Welche Nahrungsmittel geeignet sind, welche weniger

Fleisch und Wurst mit Vorsicht genießen

Auf Innereien wie Hirn, Leber, Lunge etc. sollten Gichtpatienten verzichten. Außerdem sollte man nicht mehr als zwei bis drei Mal pro Woche Fleisch und Wurst verzehren. Weiters wird bei Geflügel und Fisch vor der Zubereitung das Entfernen der Haut empfohlen. Wissen sollte man auch, dass Fisch, Fischkonserven sowie Meeresfrüchte viel Harnsäure liefern. Hingegen sind Eier unbedenklich.

Gemüse und Obst

Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen bilden große Harnsäuremengen, ebenso Soja und Sojaprodukte wie Tofu oder Sojafleisch. Zudem sollten Menschen mit Gicht Gerichte mit bestimmten Gemüsesorten Artischocken, Broccoli, Schwarzwurzel, Lauch, Spinat, Rotkraut, Mais sowie Kohlsprossen nur mit Vorsicht genießen.

Außerdem führt Fruchtzucker in Obst zu erhöhten Harnsäurespiegeln. Daher sollten Gichtpatienten Fruchtsäfte, generell süßes Obst in großen Mengen und Fertigprodukte mit Fruchtzucker (Fruchtjoghurt, Saucen, Dressings) meiden.

Kirschen, vor allem Sauerkirschen, sind dafür bekannt, dass sie bei Gicht Vorteile bringen. Sie sollen auch dabei helfen, Gichtanfälle zu verringern. Ebenfalls sollen Celastrus-Produkte (Rundblättrige Baumwürger) bei Gicht eine sehr gute Wirkung bringen.

Ein empfehlenswerte gute Harnsäure senkende Mahlzeit ist Gurke mit viel Knoblauch und Joghurt. Das ist auch für die Blutwerte gesund. Übrigens hat dazu eine aktuelle Studie gezeigt, dass das Allicin im Knoblauch auch den Puringehalt in anderen Lebensmitteln reduzieren kann. Diese für Gicht-Patienten wichtige Erkenntnis zur Ernährung zeigten Wissenschaftler an Fischzubereitungen mit Steinbutt.



Kirschen sind lecker und sehr gesund, sie sind auch empfehlenswert für Gicht-Patienten. © Rastkobelic / shutterstock.com

Unter dem Strich schmecken Kirschen nicht nur unheimlich gut, sie sind auch sehr gesund!

Kirschen sollen auch zur Vorbeugung und Behandlung der Gicht wirksam sein. Weiterlesen …


Milch und Milchprodukte 

Milch, Buttermilch, Joghurt und Käse liefern kaum Harnsäure und sollten zur Deckung des Eiweißbedarfes herangezogen werden.

Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln

Knäckebrot, Salzstangerl, Weiß- und Mischbrot in größeren Mengen erhöhen jedenfalls auch die Harnsäurespiegel.

Süße Lebensmittel nur sehr reduziert bei der Ernährung bei Gicht

Unter dem Strich kann Fruchtzucker in Obst sowie Haushaltszucker in Süßspeisen die Harnsäure akut erhöhen. Deswegen muss man Süßigkeiten mit Maß konsumieren.

Alkohol meiden

Alkoholzufuhr führt jedenfalls zu einem raschen Harnsäureanstieg, besonders Bier. Aktuelle Studienergebnisse zeigen auch, dass permanenter Alkoholkonsum Gichtanfälle auslöst. Und zwar unabhängig von der Art des Alkohols.

Flüssigkeitszufuhr

Außerdem ist eine Flüssigkeitszufuhr mit beispielsweise Wasser und Tee von mindestens zwei Litern gleichmäßig über den Tag verteilt sehr wichtig.

 

Übergewicht abbauen

Im Grunde genommen sind wie eingangs erwähnt Übergewicht und Gicht häufig miteinander verbunden. Deswegen stellt sich infolge der Gewichtsreduktion eine niedrigere Konzentration von Harnsäure im Blut ein.

Japanische Wissenschaftler haben übrigens zur Unterstützung der Ernährung bei Gicht und Hyperurikämie eine interessante Bestimmung des Gesamtgehalts an Purin von 80 Lebensmitteln vorgenommen. Purinreiche Lebensmittel (> 200 mg / 100 g) sollte man in geringeren Mengen verzehren. Die höchsten Werte hatten Sardellen, Cutlessfisch (Haarschwänze), verschiedene Fischmilch-Produkte sowie bestimmte Lactobacillus-Nahrungsergänzungen.

 

Kirschen bei Gicht

Seit längerem empfehlen Experten, dass Kirschen zur Vorbeugung und Behandlung der Gicht wirksam sein könnten. Denn Kirschen enthalten reichlich entzündungshemmende und antioxidative bioaktive Verbindungen. Allerdings sind Empfehlungen für Gicht-Patienten dazu recht widersprüchlich.

Mehrere kleine Studien konnten jedenfalls zeigen, dass der Verzehr von Kirschen den Serumuratspiegel und Entzündungen senkt. Eine Cross-Over-Beobachtungs-Studie ergab beispielsweise, dass der Verzehr von Kirschen bei Gicht mit einem verringerten Risiko für wiederkehrende Gichtanfälle verbunden war. Um diese Beobachtungen zu verifizieren, zielt eine aktuell angelaufene randomisierte klinische Studie darauf ab, die Auswirkung des Konsums von Kirschensaft auf das Risiko von Gichtanfällen zu testen.

 

Die DASH-Diät bei Gicht

Eine anscheinend effektive Rolle bei Gicht spielt die DASH-Diät, sie ist mit einem geringeren Risiko für Gicht verbunden. Denn sie hilft bei der Senkung des Harnsäurespiegels bei Personen mit Gicht. Hingegen erhöht die westliche Ernährung das Risiko für Gicht. Die DASH-Diät kann Männern mit Risiko für Gicht einen attraktiven vorbeugenden Ansatz für eine gesunde Ernährung bieten.

Zudem gilt der Diätansatz auch als wirksam bei Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die DASH-Diät empfiehlt den Konsum von reichlich Obst und Gemüse sowie fettarmen Milchprodukten. Zudem sollten die Patienten weniger Fett verzehren.

 

Fazit

Die richtige Ernährung kann bei Gicht helfen, dass der Harnsäurespiegel im Blut zurückgeht. Allerdings ist das kein Heilmittel. Daher besteht weiterhin das Risiko, dass schmerzhafte Gichtanfälle wiederkehren. Die Ernährung kann da nur das Risiko senken, damit die Gelenkschäden nicht ärger werden. Jedenfalls brauchen die Patienten häufig auch eine medikamentöse Behandlung. Einerseits um die Schmerzen zu bekämpfen. Andererseits auch, um den Harnsäurespiegel zu senken.

Empfehlungen zu Ernährung aber auch zur Behandlung bei Gicht sollten unter Berücksichtigung der damit verbundenen kardiometabolischen Begleiterkrankungen ganzheitlich betrachtet werden. Verschiedene gesunde Ernährungsgewohnheiten sollten auf die persönlichen Vorlieben der Patienten zugeschnitten werden, um auch die Therapietreue zu garantieren.


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Quelle:

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