Erlotinib bei Lungenkrebs und Pankreaskarzinom

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Erlotinib ist ein einmal täglich oral einzunehmendes, nicht-chemotherapeutisches Medikament zur Behandlung von Lungenkrebs und Pankreaskarzinom.

Erlotinib – mit Markennamen Tarceva ® – ist ein selektiver Tyrosinkinase-Hemmer des EGF-Rezeptors. Erlotinib ist seit 2005 zugelassen gegen das Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom, und seit Anfang 2007 zur Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Pankreaskarzinom. 2013 wurde Erlotinib auch für die Erstbehandlung von Patienten mit EGFR-Mutation-positivem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen.

 

Erlotinib hemmt EGFR

Es konnte allgemein nachgewiesen werden, dass Erlotinib den Rezeptor des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR) hemmt. EGFR ist ein am Wachstum und der Entwicklung von Tumoren beteiligtes Protein.

Erlotinib kann initial bei Patienten mit metastasierendem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) angewendet werden, wenn deren Tumoren bestimmte Mutationen aufweisen, die den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) aktivieren. Diese Mutationen können per Test festgestellt werden. 10 bis 30 Prozent der Tumoren aller Patienten mit Lungenkrebs weltweit sind positiv für gewisse EGFR-Mutationen und durch die Erstbehandlung mit Erlotinib können sie länger überleben.

 

Wann Tarceva eingesetzt werden soll

Erlotinib (Handelsname Tarceva) wird angewendet beim Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), und hier im Speziellen zur First-Line-Therapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen.

Tarceva ist auch als Monotherapie zur Erhaltungsbehandlung bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC angezeigt, deren Krankheitszustand nach 4 Behandlungszyklen einer platinbasierten First-Line-Standard-Chemotherapie unverändert ist.

Tarceva ist auch zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC angezeigt, bei denen mindestens eine vorausgegangene Chemotherapie versagt hat.

Beim Verschreiben von Tarceva sollte der betreuende Arzt Faktoren, die im Zusammenhang mit einer verlängerten Überlebenszeit stehen, berücksichtigen. Bei Patienten mit epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-(EGFR)-IHC-negativen Tumoren konnten weder ein Überlebensvorteil noch andere klinisch relevante Wirkungen durch die Behandlung gezeigt werden.

Beim Pankreaskarzinom wird Tarceva in Kombination mit Gemcitabin zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom eingesetzt. Auch bei dieser Indikation sollte der Verschreiber Faktoren, die im Zusammenhang mit einer verlängerten Überlebenszeit stehen, berücksichtigen, denn so konnte bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom ein Überlebensvorteil nicht nachgewiesen werden.

 

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung von Tarceva

Es ist wichtig, dass für die Bestimmung des EGFR-Mutationsstatus eines Patienten eine gut validierte und robuste Methode gewählt wird, um falsch negative oder falsch positive Ergebnisse zu vermeiden. Raucher sollten das Rauchen einzustellen, denn die Plasmakonzentrationen von Erlotinib ist bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern niedriger, was wahrscheinlich klinisch signifikant ist.

Gelegentlich wurde von ILD (interstitielle Lungenerkrankung)-artigen Ereignissen, einschließlich Todesfällen, bei Patienten berichtet, die wegen eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms, Pankreaskarzinoms oder eines anderen fortgeschrittenen soliden Tumors mit Tarceva behandelt wurden. Die Häufigkeit war bei Lungenkarzinom-Patienten gleich hoch wie Placebo, bei Pankreaskarzinom-Patienten betrug sie 2,5% (versus 0,4% bei Placebo).

Bei etwa 50 % der Patienten, die Erlotinib erhalten hatten, trat Diarrhö auf, die bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung beispielsweise mit Loperamid behandelt werden sollte. In manchen Fällen kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.

Patienten mit Anzeichen und Symptomen, die auf eine Keratitis hinweisen (wie z.B. akute oder sich verschlechternde Augenentzündungen, tränende Augen, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen, Augenschmerzen und/oder gerötete Augen), sollten umgehend von einem Augenarzt untersucht werden. Denn wenn die Diagnose einer ulzerativen Keratitis bestätigt wird, sollte die Behandlung mit Erlotinib unterbrochen oder abgebrochen werden. Bei Diagnose Keratitis sollte der Nutzen einer Weiterbehandlung mit Erlotinib jedenfalls sorgfältig gegenüber den Risiken abgewogen und gegebenenfalls mit Vorsicht angewendet werden.

Stark wirksame Induktoren von CYP3A4 können die Wirksamkeit von Erlotinib reduzieren, wohingegen starke Hemmer von CYP3A4 zu erhöhter Toxizität führen können. Die gleichzeitige Behandlung mit dieser Art von Substanzen sollte vermieden werden.

Quelle und detaillierte Informationen bei der europäischen Anrzneimittelbehörde:

http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000618/WC500033994.pdf

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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