Erhöhter D-Dimer-Wert: Coronavirus-Erkrankung COVID-19 beeinflusst Blutgerinnung

Das Coronavirus und die Corona-Erkrankung Covid-19 haben die Welt nach wie vor schwer im Griff. © creativeneko / shutterstock.com

Das Coronavirus und die Corona-Erkrankung Covid-19 haben die Welt nach wie vor schwer im Griff. © creativeneko / shutterstock.com

Die Coronavirus-Erkrankung COVID-19 beeinflusst die Blutgerinnung, der D-Dimer-Wert  gilt als Biomarker und ist mit Schwere der Corona-Erkrankung teilweise bedrohlich erhöht.

Unter dem Strich scheint sich die Blutgerinnung, Hämostase, bei Corona-Patienten zu verändern, die an der Coronavirus-Erkrankung COVID-19 leiden. Aktuelle Studien zeigten zum Thema Blutgerinnungsstörungen, dass sich der D-Dimer-Wert der Corona-Patienten erhöhte, mit dem Schweregrad der COVID-19-Erkrankung zum Teil bedrohlich anstieg und als Biomarker gilt. Mediziner regen deshalb weitere Untersuchungen an, um zu prüfen, ob schwer erkrankte Coronavirus-Patienten gegebenenfalls von einer begleitenden Therapie mit die Blutgerinnung hemmenden Medikamenten, einer Antikoagulation, profitieren könnten.

 

Auf der Suche nach geeigneten Biomarker zur Blutgerinnung, um die Schwere der Corona-Erkrankung COVID-19 voraussagen zu können

Obwohl die meisten Patienten leichte Symptome haben oder sogar asymptomatisch sind, gibt es COVID-19-Patienten, bei denen schwerwiegende Komplikationen wie ein akutes Atemnotsyndrom oder venöse Thromboembolien auftreten können. Das macht dann eine künstliche mechanische Beatmung und eine Intensivpflege erforderlich. Daher ist es wichtig, Patienten mit einem höheren Komplikationsrisiko rechtzeitig zu identifizieren.

In einer aktuellen Arbeit haben Forscher die in COVID-19 konsistent veränderten hämatologischen Laborparameter überprüft und ihre Beziehung zur Schwere der Erkrankung zu ermittelt. Nach 11 ausgewählten Berichten ist die Häufigkeit von Patienten im Alter von 65 Jahren plus bei den schwer betroffenen oder verstorbenen Personen höher.

Ebenso leiden betroffene männliche, schwer erkrankte Covid-19-Patienten überwiegend an Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes sowie Fettleibigkeit.

Retrospektive Studien haben Veränderungen verschiedener hämatologischer und entzündlicher Parameter als Teil der Reaktion des Wirts auf eine Infektion und ein sekundär erhöhtes Risiko für verschiedene thrombotische Ereignisse identifiziert. Unter diesen veränderten Parametern wurden D-Dimer, C-reaktives Protein und Interleukin-6 aufgrund ihrer engen Beziehung zur Schwere der Erkrankung als prognostische Biomarker getestet.

Jedenfalls können diese Biomarker,  zuverlässig auf die Notwendigkeit einer antithrombotischen Therapie in prophylaktischen oder therapeutischen Dosen hinweisen. Und zwar vor allem D-Dimer.

Eine landesweite, retrospektive dänische Kohortenstudie bewertete aktuell den Zusammenhangs zwischen gemeinsamen Biomarkern, Aufnahme auf der Intensivstation sowie die Sterblichkeit bei Patienten mit COVID-19. Dabei ergab sich ein Zusammenhang zwischen erhöhten CRP-, Leukozyten-, Procalcitonin-, Harnstoff-, Troponin-, niedrige eGFR-sowie auch D-Dimer-Spiegel mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko und einer notwenigen Behandlung auf der Intensivstation innerhalb von 30 Tagen.

 

Im Fokus der Forschung zur Corona-Pandemie: Blutgerinnungsstörungen bei Coronavirus infizierten Patienten mit COVID-19

Da sich die Corona-Pandemie weiter ausbreitet und das Gesamtbild noch nicht bekannt ist, unterstreichen Experten jedenfalls die Bedeutung von Blutgerinnungsstörungen bei COVID-19-infizierten Patienten. Denn COVID-19-Patienten im Krankenhaus, insbesondere Patienten mit schweren respiratorischen oder systemischen Symptomen, haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien.

Unter dem Strich scheinen Blutgerinnungsstörungen beziehungsweise thrombotische Komplikationen bei Corona-Patienten mit COVID-19 ein wichtiges Problem zu sein. Vorläufige Corona-Berichte über die klinischen und Laborergebnisse von Coronavirus-Patienten umfassen Thrombozytopenie, erhöhtes D-Dimer, verlängerte Prothrombinzeit und disseminierte intravaskuläre Blutgerinnung.

 

D-Dimer-Wert steigt mit Schwere der Erkrankung

Als D-Dimer bezeichnen Mediziner Spaltprodukte des Fibrins, einem wichtigen Eiweiß zur Blutgerinnung. Kommt es im Körper zu einem Blutgerinnsel und wird es wieder aufgelöst, entstehen D-Dimer. Deshalb wird der D-Dimer-Wert in der Regel bei Verdacht auf eine Lungenembolie, eine Beinvenenthrombose oder eine sogenannte Disseminated intravascular coagulation (DIC) bestimmt. Bei einer DIC wird das Blutgerinnungssystem zu stark aktiviert. Infolge dessen sinkt die Konzentration an Gerinnungsfaktoren im Blut, so dass die Blutungsgefahr insgesamt zunimmt.

Professor Giuseppe Lippi leitet die Labormedizin am Universitätsklinikum Verona (Italien). Gemeinsam mit Professor Emmanuel J. Favaloro, Leiter des Hämostaselabors am Institut für klinische Pathologie und medizinische Forschung des Westmead Hospital in Sydney (Australien) hat fünf aktuelle Corona-Studien gesichtet, die sich mit dem D-Dimer-Wert von Coronavirus-Patienten mit Covid 19 beschäftigen.

 

D-Dimer lagen bei Corona-Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf bis zu neunmal höher

„Sie alle zeigen, dass die D-Dimer-Werte bei COVID-19-Patienten oft erhöht sind. Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf hatten dabei im Vergleich höhere Werte als solche mit einem milderen“, erklären sie in der Fachzeitschrift „Thrombosis and Haemostasis“.

Die D-Dimer-Werte lagen bei Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf bis zu neunmal höher als bei Betroffenen, die nicht intensivmedizinisch betreut und beatmet werden mussten. Die Mehrheit der betroffenen Corona-Patienten, die an COVID-19 verstarben, wiesen schwere Blutgerinnungsstörungen auf.

Lippi und Favaloro regen deshalb weitere Studien an, die D-Dimer-Werte von COVID-19-Patienten in den Fokus nehmen. Gegebenenfalls könnten schwer erkrankte Patienten von einer kontinuierlichen Messung der Werte und einer darauf abgestimmten Gabe gerinnungshemmender Medikamente profitieren.

 

Antikoagulation bei der Coronavirus-Erkrankung COVID-19

Trotz neuer Erkenntnisse, die die Koagulopathie, die Störung der Blutgerinnung, und ihre klinische Relevanz bei COVID-19 beschreiben, haben sich weniger Studien mit der möglichen Rolle der empirischen therapeutischen Antikoagulation bei der Coronavirus-Erkrankung befasst.

Forscher berichteten unlängst über den Fall einer Infizierten auf der Intensivstation mit schwerem akutem Atemnotsyndrom (ARDS) als Folge von COVID-19, dessen klinischer Verlauf sich nach Einleitung einer therapeutischen Dosis mit Niedermolekularem Heparin dramatisch verbesserte.

Die Patientin zeigte trotz einer prophylaktischen Dosis von Niedermolekularem Heparin während ihrer Behandlung auf der Intensivstation eine progressive Erhöhung von Fibrinogen und D-Dimeren. Schließlich konnte man die Patientin erfolgreich extubieren und von der Intensivstation entlassen.

Verschiedene Beweise zeigen mittlerweile, dass mit COVID-19 zweifellos eine Koagulopathie mit verschiedenen nachfolgenden Formen der klinischen Manifestation verbunden ist, die in der Literatur beschrieben sind. Es gibt auch Hinweise auf die Vorteile von Heparin als Antikoagulans.

Doch nach wie vor gibt es keine Studien, die zur Rolle der empirischen therapeutischen Antikoagulation bei COVID-19 trotz der plausiblen theoretischen Begründung überzeugende Beweise liefern. In der Folge bleibt die Rolle der empirischen therapeutischen Antikoagulation bei COVID-19 unklar.


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Quelle: Georg Thieme Verlag KG

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