Erhöhter Blutdruck im Alter

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Rainer Muller
Rainer Mullerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Die Zeiten, in denen im Alter ein „Erfordernishochdruck“ postuliert wurde, sind vorbei: erhöhter Blutdruck im Alter besitzt heute einen eindeutigen Krankheitswert.

Heute glaubt man, dass erhöhter Blutdruck im Alter besitzt einen eindeutigen Krankheitswert hat. Damit sind die Zeiten vorbei, wo im Alter ein „Erfordernishochdruck“ (das heißt systolischer Blutdruck = 100 mmHg plus Lebensalter) unabdingbar war. Ältere Menschen mit Bluthochdruck entwickeln eindeutig häufiger Vorhofflimmern oder eine Herzinsuffizienz. Weiter erleiden sie öfter einen Schlaganfall oder eine Herzattacke.



Eine aktuelle Analyse der Daten von 526.336 Teilnehmern zeigten, dass das Bewusstsein vor allem auch bei Älteren, Bluthochdruck zu behandeln und zu kontrollieren, sich in Ländern mit hohem Einkommen seit den 1980er und 1990er Jahren sehr verbessert hat.

 

Bluthochdruck im Alter häufig

Im Grunde genommen ist Bluthochdruck im Alter sehr häufig. Laut aktuellen Zahlen haben in unseren Breiten 65 Prozent der untersuchten Männer und Frauen über 65 einen Bluthochdruck. Interessanterweise ist dabei die Häufigkeit bei den älteren Frauen abhängig vom Bildungsniveau. Dementsprechend ist Hypertonie bei unteren Bildungsgruppen häufiger.
Vorherrschende Hypertonieform im Alter ist die isolierte systolische Hypertonie. Definiert als ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg bei einem diastolischen Blutdruck niedriger als 90 mmHg. Damit besteht immer auch eine erhöhte Blutdruckamplitude (= Pulsdruck). Ursache dieser Hochdruckform ist eine erhöhte Gefäßsteifigkeit im Alter, was zu einem Verlust der Windkesselfunktion der Gefäße, einer höheren Pulswellengeschwindigkeit und einer früheren Reflexion der Pulswelle führt. Die neue Methode der Pulswellenanalyse erlaubt heute nicht-invasiv eine exakte Analyse dieser Phänomene. Dabei kann man auch eine extrapolierte zentrale Blutdruckkurve (= Blutdruck in der Aorta) darstellen. Typischerweise zeigt sich hier ein überhöhter spätsystolischer Blutdruck (Abbildung).

 

Pflegepatienten und fitte Senioren unterscheiden

Gerade bei alten Menschen über 65 und sehr alten Menschen über 80 muss man immer zwischen „rüstigen Alten“ und Pflegepatienten unterscheiden. Fitte Senioren sind in der Lage, ihr Leben selbst zu bestimmen und weitgehend eigenständig zu führen. Zum Beispiel selbst zum Arzt zu gehen.
Hingegen werden Pflegepatienten entweder zuhause von Angehörigen oder in Pflegeheimen versorgt. Damit müssen sie überwiegend fremdbestimmt leben und sind oft nur sehr eingeschränkt mobil.
Alle Behandlungsempfehlungen (und die zugrunde liegenden Studien) beziehen sich immer auf „rüstige ältere Hypertoniker“. Bei dieses empfiehlt bis zu einem Alter von 80 ein Zielblutdruck von niedriger als 140 mmHg systolisch. Bei den Über-80-Jährigen sollte man ein Zielwert von weniger als 150 mmHg systolisch anstreben.

 

Antihypertensiva: Start low, go slow

Man muss bei der Behandlung älterer Hypertoniker auch immer einen starker Blutdruckabfall beim Aufstehen (schwere orthostatische Fehlregulation). Das Grundprinzip der Behandlung lautet „start low, go slow“. Damit kann man überschießende Blutdruckabfälle und auch viele Nebenwirkungen vermeiden. Von den Medikamentengruppen führen Blocker des Renin-Angiotensin-Systems, Diuretika und Kalzium-Antagonisten. Unter dem Strich sind Antihypertensiva eben wirksam bei der Verringerung unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse.



 Pflegepatienten behandeln

Bei Pflegepatienten geht es nicht um das Erreichen von Zielwerten. Hier sollen durch die Behandlung vielmehr Komplikationen wie ein akutes Lungenödem oder eine hypertensive Krise verhindert werden. Unbedingt zu vermeiden sind hypotone Episoden, die Vigilanz und kognitive Funktion weiter verschlechtern können.
Neue Daten zu den pflegenden Angehörigen zeigen, dass es sich hier in 32 Prozent um Ehepartner / Lebenspartner handelt. Und in 37 Prozent um Kinder, die ihre Eltern/einen Elternteil versorgen. Auch diese Angehörigen sind potentielle Hypertoniker. Denn ältere pflegende Ehe-/Lebenspartner haben ebenfalls in mehr als 60 Prozent eine arterielle Hypertonie. Außerdem leidet auch ein großer Teil der pflegenden Kinder an Bluthochdruck. Im Grunde genommen sollte man beide Patientengruppen bei Haus-/Pflegeheimbesuchen zu einer baldigen Blutdruckmessung auffordern.

 

Wechselwirkungen der Arzneimittel

Ein besonderes Problem bei älteren Hypertonikern sind Arzneimittel-Interaktionen. Oft werden diese Patienten nicht nur vom Hausarzt, sondern auch von Augenärzten oder Orthopäden parallel behandelt. Zu beachten sind vor allem die Interaktion von Antihypertensiva mit NSAR (nicht-steroidalen Antirheumatika) oder Cortison (Steroiden). Beide Substanzklassen können die Wirksamkeit klassischer Antihypertensiva vermindern oder sogar komplett neutralisieren.
Im Alltag wichtig ist jedenfalls auch immer die Interaktion von einigen Antihypertensiva (aber auch von Statinen und Clopidogrel) mit Grapefruitsaft (Pampelmusensaft). Denn dadurch wird unter anderem die Wirkung von Kalziumantagonisten, Statinen oder Clopidogrel deutlich verstärkt. Deshlab sollten Hypertonie- und Herzpatienten den Verzehr von Grapefruit unbedingt meiden.




Literatur:

NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC). Long-term and recent trends in hypertension awareness, treatment, and control in 12 high-income countries. An analysis of 123 nationally representative surveys. Lancet. 2019 Jul 18. pii: S0140-6736(19)31145-6. doi: 10.1016/S0140-6736(19)31145-6.

Correa et al. Pharmacological management of hypertension in the elderly and frail populations. Expert Rev Clin Pharmacol. 2018 Aug;11(8):805-817. doi: 10.1080/17512433.2018.1500896. Epub 2018 Jul 23.


Quelle:

Statement » Erhöhter Blutdruck im Alter – Was sollten die Patienten, was die pflegenden Angehörigen beachten? «. Professor Dr. med. Peter Trenkwalder, Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Klinikum Starnberg , Berlin 2017

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