Erenumab zur Migräne-Vorbeugung

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Mit den neuen, innovativen CGRP-Antikörpern – allen voran Erenumab – sollen zukünftig effektive Wirkstoffe zur Migräne-Vorbeugung zur Verfügung stehen.

Migräne zählt weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, etwa sechs bis acht Prozent der Männer sowie zwischen zwölf und vierzehn Prozent der Frauen leiden daran, wobei unter den krankheitsbedingten Belastungen Migräne auf Platz 6 rangiert. Eine große Bedeutung kommt der Migräne-Vorbeugung, wobei hier die neuen Antikörper gegen CGRP (calcitonin gene-related peptide) einen innovativen und effektiven Therapieansatz darstellen. Vor wenigen Wochen haben die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA und die EMA, das europäische Pendant – die Zulassungsanträge von Erenumab akzeptiert.

 

CGRP-Antikörper zur Migräne-Vorbeugung

Den Entzündungsbotenstoff CGRP schütten die Synapsen des Trigeminusnervs bei einer Migräne-Attacke vermehrt aus. Er wirkt direkt auf die Hirnhaut und deren Gefäße, die sich erweitern und entzünden, und löst somit die Kopfschmerzen aus. Die neuen Wirkstoffe Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab mit diesem neuen therapeutischen Ansatz befinden sich in verschiedenen Phasen der Entwicklung beziehungsweise Registrierung und sollen bald für die Patienten zur Migräne-Vorbeugung verfügbar sein. Mittlerweile belegen mehrere Studien die Wirksamkeit der CGRP-Antikörper.

Mit Erenumab zwei Migränetage weniger pro Monat

Vor wenigen Tagen wurden positive Ergebnisse aus der Phase-III-Studie LIBERTY zur Wirksamkeit und Sicherheit von Erenumab bei Patienten mit episodischer Migräne, bei denen eine Präventivbehandlung zuvor mehrfach fehlgeschlagen gewesen sei, von Novartis gemeldet. Erenumab wurde in dieser aktuellen Studie an 955 Patienten mit episodischer Migräne im Vergleich zu Placebo getestet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer litten vor Studienbeginn im Durchschnitt an 8,3 Tagen im Monat an Migräneattacken. Durch eine monatliche Injektion von 70 mg Erenumab kam es zu einem Rückgang von 3,2 Tagen, bei doppelter Dosis zu einem Rückgang von 3,7 Tagen. Bei niedriger Dosierung konnten 43,3 Prozent und bei höherer Dosierung 50 Prozent der Patienten die monatlichen Migränetage halbieren.

Erenumab bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptides (CGRP). CGRP ist als proinflammtorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt.

 

 

CGRP-Antikörper: Fortschritt in der Migräne-Vorbeugung

„Aktuelle Daten zeigen, dass mit dem neuen Therapie-Ansatz die Anfallsfrequenz von Migränepatienten senken kann. Ein Vorteil der neuen Medikamente ist, dass sie sehr gut verträglich sind“, sagt Univ.-Prof. Prim. Dr. Christian Lampl, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und Ärztlicher Leiter des Ordensklinikums Linz. „Die Behandlung mit den neuen Substanzen führt außerdem dazu, dass die Patientinnen und Patienten weniger Akutmedikamenten bei Migräneattacken einnehmen müssen“, so Prim. Lampl.

Zur Langzeitverwendung der CGRP-Antikörper-Medikamente liegen noch keine Daten vor. Weitere Studien müssen ermitteln, wie lange diese Therapie durchgeführt werden soll und ob sich mit der Zeit die Wirkung verbessert oder verschlechtert. „Man darf sich von der neuen Therapie keine langfristige Immunisierung oder gar eine Heilung von Migräne erwarten. Die Behandlung muss monatlich wiederholt werden und ist vor allem für Patientinnen und Patienten gedacht, die von vielen Migräne-Attacken geplagt werden und bei denen etablierte Therapien keinen Erfolg zeigen“, erklärt Prim. Lampl. „Als speziell für die Prophylaxe entwickelte Behandlung ist die neue Therapieform aber ein großer Schritt vorwärts. Jede Migräne-Attacke, die wir verhindern können, bedeutet mehr Lebensqualität für die Betroffenen“.

Bis die neuen Medikamente den Migräne-Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen, muss nach der Zulassung allerdings noch die Finanzierung durch die Krankenkassen geklärt werden. „Die neue Therapie ist mit erheblichen Kosten verbunden. Hier wird mit den Sozialversicherungsträgern eine Regelung im Interesse der Betroffenen zu finden sein“, so Prof. Lampl.

Quellen:

Goadsby PJ,Reuter U, Hallström Y,et al: A Controlled Trial of Erenumab for Episodic Migraine. N Engl J Med. 2017 Nov 30;377(22):2123-2132. doi: 10.1056/NEJMoa1705848; Silberstein SD, Dodick DW, Bigal ME, et al: Fremanezumab for the Preventive Treatment of Chronic Migraine.  N Engl J Med 2017; 377:2113-2122 November 30, 2017DOI: 10.1056/NEJMoa1709038

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