Erektionsstörungen beim Mann unterbehandelt

PDE-5-Hemmer © jaroma / shutterstock.com

Die Prävalenz männlicher Sexualstörungen ist bekannterweise hoch. Dies trifft vor allem auf Erektionsstörungen aber auch Libido- und Orgasmusstörungen zu.

Seit bald 20 Jahren sind PDE-5-Hemmer als hochwirksame Substanzen zur Behandlung von Erektionsstörungen – Erektile Dysfunktion – jedem Mediziner geläufig. Trotzdem bekommen viele Männer mit Erektionsstörungen diese Wirkstoffe immer noch nicht verordnet, da Ängste von Seiten des Patienten bzw. des Arztes bestehen, welche aber häufig unbegründet sind. Oft ist die Aufklärung über die Art der Anwendung, die Wirkungsweise und die Neben- bzw. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht ausreichend, um eine gute Compliance zu erreichen und diese Tatsache erklärt auch die hohe Abbruchrate dieser Medikamente.

Sehr oft wird vor einer medikamentösen Therapie auch der partnerschaftliche Aspekt der Sexualität vergessen. Es genügt häufig nicht, dem Mann aufgrund von Erektionsstörungen PDE-5-Hemmer zu verschreiben, wenn auch von Seiten der Partnerin sexuelle Probleme vorliegen bzw. die Sexualität des Paares aus verschiedensten Gründen nicht mehr funktioniert.

Eine befriedigende Sexualität gelingt nur, wenn beide Partner zufrieden sind, deshalb soll Sexualmedizin immer den Paaraspekt miteinbeziehen und sexuelle Probleme müssen teilweise multidisziplinär behandelt werden. Der Begriff »Beziehungsqualität« sollte in diesem Kontext einen ähnlichen Stellenwert wie das Schlagwort »Lebensqualität« erhalten.

 

Erektionsstörungen als Frühwarnsystem für organische Erkrankungen

Erektionsstörungen beim alternden Mann sind meist organischen Ursprungs, sie müssen daher auch als Indikator für eine bestehende endotheliale Dysfunktion und somit als Frühwarnsystem für kardiovaskuläre Erkrankungen gesehen werden. Es ist bekannt, dass Patienten, die an Diabetes Mellitus Typ II, Hypertonie und Hyperlipidämie leiden, mit einer Prävalenz von über 80% auch an einer erektilen Dysfunktion erkranken werden. Kommt auch noch langjähriger Nikotinabusus hinzu, tritt die erektile Dysfunktion noch früher im Laufe des Lebens auf.

All diesen Risikofaktoren gemeinsam ist die Entwicklung von systemischen Gefäßveränderungen, die im Vergleich zu anderen Organbeeinträchtigungen aufgrund des sehr kleinen Durchmessers der penilen Schwellkörper-Gefäße oft als ers­tes »spürbares« Symptom zuerst zur erektilen Dysfunktion führen.

Auch Patienten mit dem Metabolischen-Syndrom leiden häufiger als die Normalbevölkerung an einer erektilen Dysfunktion und die Zahl der Betroffenen steigt drastisch. Zusätzlich zu den bekannten Stoffwechselstörungen (Adipositas, Hyperlipidämie, Hypertonie und Glucoseintoleranz) kommt bei diesen Patienten häufig noch ein Testosteronmangel hinzu, der die sexuelle Funktionsstörung zusätzlich verstärkt. Vor allem diese Patienten, die die Symptome oft schon im mittleren Lebensalter entwickeln, sollten verstärkt zu Lifestyle-Änderungen im Sinne von Gewichtsabnahme und regelmäßiger sportlicher Betätigung motiviert werden, da damit häufig sogar ohne medikamentöse Therapie sämtliche pathologischen Stoffwechselparameter einschließlich des Testosteronmangels und der erektilen Dysfunktion wieder behoben werden könnten.


Quelle: Erektile Dysfunktion – Sexuelle Funktionsstörungen beim Mann. MEDMIX 2010.

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