Epilepsie im Alter

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Epilepsie im Alter tritt häufig auf. Die Erkrankung ist das dritthäufigste neurologische Krankheitsbild im höheren Lebensalter.

Internationale Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 1 bis 2% der über 65-jährigen unter epileptischen Anfällen leiden. In den meisten Fällen zeigt sich ein das symptomatische Epilepsie im Alter mit herdförmigen Ursprung. Nur bei jedem achten Patienten sind zusätzlich auch generalisierte Anfallsmanifestationen zu beobachten. Isolierte generalisierte (tonisch-klonische) Anfälle sind eher selten. Ursächlich liegen bei 50 bis 70% der Patienten Durchblutungsstörungen des Gehirns zugrunde, bei etwa 5 bis 10% finden sich intrazerebrale Blutungen, Gehirntumoren, Schädelhirntraumen, Entzündungen des Gehirns oder neurodegenerative Erkrankungen.

Weitere 5 bis 10% der Anfälle treten als symptomatische Gehirnaffektion bei internistischen Grunderkrankungen auf (Herzrhythmusstörungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Zuckerstoffwechselstörungen usw.). Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann zu Anfällen führen (trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika u.ä.). Häufig ist die Diagnose auch schwieriger zu stellen, da die Symptome eines epileptischen Anfalls weniger typisch als bei jüngeren Patienten sein können und oft eine exakte Eigenanamnese nicht ausreichend möglich ist.

Eine besondere Aufmerksamkeit erfordert die Therapie, da ältere Patienten die Medikamente nicht nur oft schlechter vertragen, sondern aufgrund einer Reihe von bereits notwendigen Medikamenten Arzneimittelwechselwirkungen auftreten können. Wegen der häufigen internistischen Grunderkrankungen sollten möglichst niedrige Dosierungen angestrebt werden. Schließlich ist bei einer Vielzahl von Patienten in diesem Lebensabschnitt mit einer reduzierten Compliance (z.B. bei begleitenden Gedächtnisstörungen) zu rechnen.

Auffälligkeiten, um an Epilepsie im Alter zu denken

Nachstehende Auffälligkeiten sollten an das Auftreten einer Epilepsie im höheren Lebensalter denken lassen:
– Stürze ohne erkennbaren Anlass
– passagere Bewusstseinseintrübungen
– Angabe von Kribbelparäs­thesien, Taubheitsgefühlen, Krämpfen oder Lähmungen in einem Arm oder Bein, die sich ausbreiten
– passagere Verwirrtheitszustände mit inadäquaten Handlungen oder Automatismen (z.B. Reib- oder Wischbewegungen mit einer Hand), mehrfachen Wiederholungen von Silben, Wörtern oder einfachen Sätzen
– kurzzeitige Sprachstörungen (wenige Minuten dauernd)
– kurzzeitiges Auftreten eines seltsamen Gefühls oder einer Übelkeit, welche aus der Magen- oder Brustgegend aufsteigt mit und ohne nachfolgendem kurzen Bewusstseinsverlust

Im EEG finden sich eine leichte Allgemeinveränderung und ein ausgedehnter Herdbefund rechts mit Theta-Wellen, z.T. steiler konfiguriert, allerdings keine Epilepsie spezifischen Entladungen. © AFCOM

Im EEG finden sich eine leichte Allgemeinveränderung und ein ausgedehnter Herdbefund rechts mit Theta-Wellen, z.T. steiler konfiguriert, allerdings keine Epilepsie spezifischen Entladungen. © AFCOM

Im günstigsten Fall kann die Diagnose durch epilepsietypische Entladungen im EEG (Elektroenzephalografie) untermauert werden, welche allerdings deutlich seltener als bei jüngeren Epilepsiepatienten anzutreffen sind.

Weitere diagnostische Methoden sind die Kernspintomografie und die Computertomografie. Damit wird der Kopf untersucht, um strukturelle Hirnveränderungen als Ursachen der Epilepsie nachzuweisen oder auszuschließen. Verletzungen oder auch Durchblutungsstörungen könnten ebenfalls der Grund für Anfälle sein.

Um andere Krankheiten als Ursache auszuschließen, sind eventuell weitere Untersuchungen wie EKG (den Herzrhythmusstörungen können zu einer spontanten Bewusstlosigkeit führen), Blutuntersuchung (zum Nachweis von Stoffwechselstörungen) sowie Blutzucker, Blutsalze, Leber- und Nierenwerte. Muskelkrämpfe nebst Anfall könnten auf erhöhte Kreatinkinase (CK) oder Prolactin hinweisen.

Eine Lumbalpunk­tion, um den Liquor zu unter­suchen, kann bei Verdacht auf eine Enzephalitis notwendig werden.

Oft wird auf der Basis eines klinischen Verdachts mit einer antiepileptischen Therapie begonnen werden. Erst der weitere Verlauf kann dann – aber auch nicht immer – Klarheit darüber schaffen, ob die Vermutung zutreffend war.

Quellen: Epilepsie im Alter, Univ.-Prof. Dr. Eva Körner, Univ.-Ass Dr. Michael Feichtinger. MEDMIX 1–2/05;

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=44067

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-041l_S1_Erster_epileptischer_Anfall_und_Epilepsien_im_Erwachsenenalter_2013-08_1.pdf

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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