Entdeckung der Blutgruppen durch Nobelpreis-Träger Karl Landsteiner

Dr. Karl Landsteiner war österreichisch-US-amerikanischer Pathologe, Bakteriologe und Serologe. 1901 entdeckte er das AB0-System der Blutgruppen. © Henry Lytton Cobbold / Karl Landsteiner Bronzebüste in der Polio Hall of Fame im Roosevelt Warm Springs Institute for Rehabilitation in Warm Springs, Georgia, USA.

Dr. Karl Landsteiner war österreichisch-US-amerikanischer Pathologe, Bakteriologe und Serologe. 1901 entdeckte er das AB0-System der Blutgruppen. © Henry Lytton Cobbold / Karl Landsteiner Bronzebüste in der Polio Hall of Fame im Roosevelt Warm Springs Institute for Rehabilitation in Warm Springs, Georgia, USA.

Das AB0- und das Rhesus-System sind die wichtigsten Blutgruppen-Eigenschaften für Bluttransfusionen, die beide von Professor Karl Landsteiner entdeckt wurden.

Im Grunde genommen ist mit der Entdeckung der Blutgruppen am Wiener Hygienischen Institut der in Wien geborene Karl Landsteiner Eng verbunden. Wobei der Bakteriologe und Serologe für seine Forschungsergebnisse 1930 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt.

Heute ist eine der wichtigsten Aufgaben der Transfusionsmedizin im Notfall jedermann das richtige Blut zur Verfügung stellen zu können. Auch heute ist das tatsächlich noch problematisch für Patienten mit seltenen Blutgruppen, die dann Antikörper gegen das Blut der Spender bilden. Wobei seltene Blutgruppe auch mit seltenen Spendern assoziiert ist.

Mit welchen neuen Methoden Transfusionsmediziner Menschen mit seltenen Blutgruppen oder besonderen Bedürfnissen versorgen können. In unseren Breiten bilden Wissenschaftler aus Blutspendeeinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Netzwerk, um auch durch Patienten mit seltenen Blutgruppen oder speziellen Antikörpern verursachte Herausforderungen meistern zu können.

Durch Methoden der Molekularbiologie und der Genotypisierung stehen speziell ausgesuchte Blutspender in den Blutspendeeinrichtungen zur Verfügung. Im Bedarfsfall können klinische Einrichtungen auf dieses Netzwerk zurückgreifen und so die Versorgung der Patienten sicherstellen.

 

Dr. Karl Landsteiner entdeckte 1901 das AB0-System der Blutgruppen

Um das Jahr 1900, zur damaligen Jahrhundertwende, experimentierte man am Wiener Hygienischen Institut mit Blut von Meerschweinchen. Hierbei trat beim Hinzufügen von Typhusbazillen im Blutserum eine Zusammenballung auf.

Diese »Agglutination« konnte stets festgestellt werden, wenn ein Bazillus in eine Blutbahn eindrang. In kurzer Zeit bildeten sich im befallenen Körper gegen den Eindringling Antikörper. »Antigene« lösten die Bildung der Antikörper aus.

Nach seiner Matura studierte Karl Landsteiner dann ab dem Jahr 1885 an der Universität Wien Medizin und promovierte dort 1891. Nach seinem Studium arbeitete er fünf Jahre lang in verschiedenen Laboratorien im Ausland – in Zürich bei Arthur Hantzsch, in Würzburg beim berühmten deutschen Chemiker Emil Fischer und in München bei Eugen Bamberger.

1896 wurde Karl Landsteiner Assistent am von Max von Gruber geleiteten Hygienischen Institut, wo er Studien über den Mechanismus der Immunität und das Wesen von Antikörpern durchführte. Im Laufe seiner wissenschaftlichen Arbeit stellte er im Jahre 1900 fest, dass auch das Serum gesunder Menschen agglutinierend auf menschliches Serum wirkt, das von einem anderen Individuum stammt.

Die nächste bedeutende Entdeckung ließ verschiedene Typen des menschlichen Blutes erkennen; Karl Landsteiner bezeichnete sie mit A, B und C, was später zu Null wurde. Ganz wichtig war seine Entdeckung, dass es im Blut einer Gruppe kein Antigen gegen das Blut eines anderen Indivi­duums der selben Blutgruppe gibt.

 

Im Jahr 1902 gaben schließlich Landsteiners Schüler und Mitarbeiter, Alfred Decastell-Rechtwehr sowie Adriano Sturli, die Entdeckung des »typenlosen« Blutes (heute AB) bekannt. Damit konnte man nach Landsteiner endgültig die wechselnden Folgen einer therapeutischen Menschenbluttransfusion erklären.

Entdeckung des Rhesus-Faktors im Jahr 1940

Somit waren die Grundvoraussetzungen für die heute weltweit millionenfach durchgeführten Bluttransfusionen geschaffen. Ab 1908 war Karl Landsteiner Prosektor am Wilhelminen-Spital in Wien. Nach dem 1. Weltkrieg ging er zunächst an das Königliche Zieckenhuis im holländischen Den Haag. Im Jahr 1922 wurde er dann Professor am Rockefeller Institute for Medical Research in New York. Dort entdeckte er auch im Jahr 1927 mit Philip Levine die Blutfaktoren M, N und P.. Und schließlich entdeckte er im Jahr 1940 gemeinsam mit Philip Levine und Alexander Solomon Wiener den Rhesus-Faktor.

Jedenfalls führte die Entdeckung der verschiedenen Blutgruppen generell bald zu einer Spezialwissenschaft. Wobei die nicht nur für die Medizin relevant war. Sondern sie vermittelte beispielsweise auch für die Anthropologie sowie die Kriminalogie entscheidende neue Erkenntnisse. Zudem führte Landsteiner während seines Forscherlebens auch noch weitere Arbeiten über Infektionskrankheiten durch. Und zwar vor allem zur Geschlechtskrankheit Syphilis, zur Poliomyelitis sowie zur Hämolyse.

Der Vater von Karl Landsteiner, Leopold, war übrigens zu seiner Zeit ein sehr bekannter Journalist. Er war der erste Chefredakteur der Zeitung „Die Presse“.


Literatur:

Ramsey G. Landsteiner’s legacy: The continuing challenge to make transfusions safe. Transfusion. 2020 Dec;60(12):2772-2779. doi: 10.1111/trf.16205. PMID: 33285006.

Bertsch T, Lüdecke J, Antl W, Nausch LWM. Karl Landsteiner: The Discovery of the ABO Blood Group System and its Value for Teaching Medical Students. Clin Lab. 2019 Jun 1;65(6). doi: 10.7754/Clin.Lab.2018.181218. PMID: 31232039.

Ellis H. Karl Landsteiner: father of blood transfusion. Br J Hosp Med (Lond). 2018 Jun 2;79(6):348. doi: 10.12968/hmed.2018.79.6.348. PMID: 29894235.


Quellen:

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1930/landsteiner-bio.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Landsteiner

Die mobile Version verlassen