Elektrotherapien gegen Rückenschmerzen und Muskelabbau

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Rainer Muller
Rainer Mullerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Elektrotherapien wirken gegen Rückenschmerzen sowie chronische Schmerzen. Schließlich wirken sie auch einem möglichen Muskelabbau entgegen.

In den meisten Fällen setzen Patienten vor allem medikamentöse Therapien gegen ihre Schmerzen ein. Doch die Patienten müssen bei chronischen Schmerzen nicht immer Medikamente zur Linderung einsetzen. Beispielsweise sind Elektrotherapien sicher und bringen schmerzlindernde Effekte auch bei Rückenschmerzen. Außerdem wirken sie gegen den Muskelabbau. Schließlich sind eine breite Palette an möglichen Elektrotherapien am Markt verfügbar. Darunter sind auch die die Patienten in den eigenen vier Wänden einsetzen können.

 

Elektrotherapien bei Rückenschmerzen, andere chronische Schmerzen sowie bei vielen anderen Beschwerden

Elektrotherapien und Elektroimpulse helfen den Menschen bei vielen Beschwerden. Dazu gehören beispielsweise Anwendungen zum Muskelaufbau nach längerer Immobilisierung bei Verletzungen, schweren Erkrankungen und Operationen. Weiters können Elektrotherapien gegen Schmerzen im Rücken und in den Gelenken wirksam sein.

Inzwischen gibt es auch eine Reihe von Elektrotherapien, die Patienten zu Hause anwenden können. „Gerade bei chronischen Schmerzen ist es für Betroffene wichtig, auch selbst etwas zur Linderung ihrer Beschwerden beitragen zu können“, sagt Prim. Dr. Daniela Gattringer, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖGS) und Leiterin der Abteilung für Physikalische Medizin am Ordensklinikum, Barmherzige Schwestern Linz, anlässlich der 18. Österreichischen Schmerzwochen.

„Medikamente sind dabei nicht die einzige Strategie. Heimbehandlungen sind vor allem bei längerfristigen oder chronischen Beschwerden eine wichtige Säule in der Schmerzbehandlung.“ Die nötigen Geräte gibt es, nach ärztlicher Verordnung, in bestimmten Fällen auch leihweise von der Krankenkasse.

 

Elektrotherapien beziehungsweise Elektrostimulation beleben die schlaff gelähmten Muskeln und verzögern den Muskelabbau.

Beispielsweise konnte eine Untersuchung im Rahmen des EU-Wissenschaftsprojekts RISE unlängst zeigen, dass Elektrotherapien vielfältige positive Effekte erzielen können. „Funktionelle Elektrostimulation mit speziell entwickelten Stimulatoren und Elektroden ist eine Möglichkeit zur Behandlung schlaff gelähmter, denervierter Muskeln. Sie stellt eine sichere und wirksame Therapie dar und kann nach einer kurzen Einschulung in der Klinik auch daheim angewendet werden“, erklärt Prim. Gattringer.

Die Forscher untersuchten für ihre Studie die Muskelgewebsproben von Patienten mit Rückenmarksverletzungen sowie von körperlich aktiven und inaktiven Senioren. Die Ergebnisse zeigten die große Überlebensfähigkeit menschlicher Muskelfibrillen. Damit sind jene Funktionseinheiten in der Muskelzelle gemeint, die für deren aktive Kontraktion sorgen. Sie überdauern jahrelang – auch „außer Betrieb“ –, weil die Nervenverbindung gekappt und ihre Verbindung zu Motoneuronen vollständig und irreversibel unterbrochen ist. Der Überlebenszeitraum ist länger als bisher angenommen. Denervierte Zellen bauen normalerweise schnell ab, bis hin zum völligen Absterben. Die Studie zeigt nun, dass funktionelle Elektrostimulation denervierte Muskelfibrillen retten kann.

„Für ältere Patientinnen und Patienten ist Elektrotherapie besonders hilfreich“, betont Prim. Gattringer. Die Muskulatur unterliegt einem altersbedingten Abbau. Muskelmasse wird durch Fett- und Bindegewebe ersetzt. „Mit der funktionellen Elektrostimulation lässt sich dieser Alterungsprozess hinauszögern“, so Prim. Gattringer. Für ältere Patienten bringt sie, vergleichbar mit aktivem Muskeltraining, eine bessere Durchblutung und mehr Muskelmasse. Das vermindert das Risiko für Schmerzen und Stürze und verbesserte den Zustand der Betroffenen insgesamt. Für Menschen, die kaum mehr mobil sind, bedeutet mehr Muskelmasse eine Erleichterung beim Sitzen und ein Schutz gegen Wundliegen.

 

Hochtontherapie –  neue und effektive Form von Elektrotherapien – bei Gangunsicherheit, tauben oder brennenden Füßen

Im Grunde genommen relativ unbekannt präsentiert sich die Hochtontherapie als eine neue und effektive Form der Elektrotherapien. Schließlich können diese die Patienten genauso bequem zu Hause im Sitzen oder Liegen anwenden. Dabei werden die erkrankten Nerven ursächlich durch Beeinflussung des Nervenstoffwechsels behandelt. Die Behandlung nehmen die Patienten jedenfalls als angenehm wahr. Schließlich hilft die Therapie bei Polyneuropathien. Deswegen kommt sie auch häufig bei Diabetes oder nach Chemotherapie zum Einsatz. Allerdings bringt die Hochtontherapie auch Linderung bei Arthrosen.

Ein weiteres Beispiel für eine innovative Form der Physikalischen Therapie ist die fokussierte Stoßwelle (Piezo-Technologie). Die Elektrotherapie-Anwendung zeigt sowohl in Spitälern als auch in ärztlichen Praxen sehr rasche Behandlungserfolge. Schließlich sind myofasziale Schmerzsyndrome sowie Sehnenansatzentzündungen die Haupteinsatzgebiete.

Übrigens kann im Unterschied zur radialen Stoßwelle die fokussierte Stoßwelle punkt- oder linienförmig in unterschiedlicher Tiefe ins Gewebe eindringen. Damit ermöglicht sie dem behandelnden Arzt, die Schmerzursache gezielter zu behandeln. Deswegen reichen häufig nur drei Behandlungen für einen guten Erfolg.

Literatur:

Kern H, Hofer C, Löfler S, et al. Atrophy, ultra-structural disorders, severe atrophy and degeneration of denervated human muscle in SCI and Aging. Implications for their recovery by Functional Electrical Stimulation. Updated 2017. Neurol Res 2017;39:660-6. doi: 10.1080/01616412.2017.1314906. Epub 2017 Apr 13 http://europepmc.org/abstract/MED/28403681


Quelle: Österreichische Schmerzgesellschaft – https://www.oesg.at/

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