Einnässen bei Kindern: Ursachen abklären, seelische Belastung verringern

Einnässen ist das häufigste urologische Symptom bei Kindern und Jugendlichen. © Lighthunter / shutterstock.com

Einnässen ist das häufigste urologische Symptom bei Kindern und Jugendlichen. © Lighthunter / shutterstock.com

Ursachen für nächtliches Einnässen bei Kindern frühzeitig medizinisch abklären, um seelische Belastungen wie Scham, Ängste und Sorgen zu verringern.

Unter dem Strich ist Einnässen bei Kindern das häufigste urologische Symptom unter 12-jährigen. Das gilt aber ebenfalls bei Jugendlichen. Schuld dafür können beispielsweise Ängste und Schulproblemen sein. Zudem zeigen aber auch zahlreiche funktionelle und organische Störungen, dass nächtliches Einnässen bei Kindern viele Ursachen haben kann. Jedenfalls entwickeln die betroffenen Kinder in der Folge häufig negative Gefühle wie Scham, Ängste und Sorgen.

Im Grunde genommen sollte ein Arzt die Ursachen von Einnässen abklären. Beziehungsweise sollte das auch bei einer Harninkontinenz in jungen Jahren geschehen. Denn wenn das Problem erkannt wird, fällt der Umgang mit dem Krankheitsbild auch oft leichter.

 

Nächtliches Einnässen bei Kindern bei fünf bis zehn Prozent der Siebenjährigen

Etwa sieben Prozent der Schulkinder machen bis ins Erwachsenenalter nachts ins Bett. An einer vom nächtlichen Einnässen zu unterscheidenden sogenannten funktionellen Störung der Blasenfunktion litten zudem bis zu zehn Prozent der Schulkinder. Im dritten bis sechsten Lebensjahr entwickelt sich bei den meisten Kindern eine stabile Blasenkontrolle – zunächst tagsüber, später auch nachts.

Tatsächlich wird bis zum vollendeten fünften Lebensjahr das Einnässen als physiologisch angesehen. Deswegen wird meistens Einnässen bei Kindern erst nach dem sechsten Geburtstag medizinisch abgeklärt.

Von seelischen Auslösern abgesehen liegen die Ursachen der Harninkontinenz meist in Reifungsverzögerungen und funktionellen Störungen – eher selten haben wir es mit anatomischen oder neurologischen Grunderkrankungen wie Fehlbildungen des Urogenitaltraktes zu tun. Die Bandbreite der normalen Entwicklung einer Kontinenz ist jedoch groß. Außerdem ist nicht immer eine Behandlung nötig.

 

Um die genaue Ursache zu klären, sind als erster Schritt Trink- und Ausscheidungsprotokolle entscheidend

Prinzipiell werden weiterführende Untersuchungen wie Ultraschalluntersuchungen, Messungen der Blasenkapazität sowie der Blasenentleerung (Uroflow) mit Restharnbestimmung und Darstellung der Funktion des Beckenbodens (EMG) empfohlen. Aber auch klassische urologische Untersuchungen wie etwa Blasendruckmessung oder eineBlasenspiegelung können erforderlich werden.

Schließlich ist häufig die Kapazität der Blase, Urin zu halten, sowie die Steuerung der Blasenfunktion durch das Gehirn noch nicht ausreichend entwickelt. Weiter kommt es gar nicht so selten vor, dass Kinder sich auch ein problematisches Zurückhalten ihres Urins antrainiert haben. Wenn sie sich etwa vor dem Gang aufs dreckige Schulklo fürchten, kann sich ihr Beckenboden so verkrampfen, dass die normale Urinausscheidung nachhaltig gestört wird. Auch kommt es vor, dass ein Hormon, das unter anderem die Urinproduktion über Nacht reduziert, noch nicht ausreichend wirkt.

 

Langwieriger Therapie ist meistens erfolgreich

Eigentlich orientiert man sich im Normalfall bei der Therapie an der jeweiligen Diagnose. Weiter daran, ob das Kind nur nachts oder rund um die Uhr in die Hose macht. Die Behandlung kann beispielsweise eine klassischer Konditionierung mit Klingelhose sein. Wobei diese das betroffene Kind aufweckt, wenn es nachts einnässt. Eine weitere Form der Therapie ist der Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung der Blase. Schließlich können in seltenen Fällen auch kinderchirurgische oder urologische Eingriffen notwendig sein.

Im Grunde genommen lassen sich jedenfalls unter konsequenter und manchmal durchaus auch langwieriger Therapie die meisten Beschwerden erfolgreich behandeln. Zu beachten sind aber auch sekundäre Folgen, die Einnässen bei Kindern mit sich bringen. Dazu gehören ein reduziertes Selbstwertgefühl, sozialer Rückzug sowie der gestörte Schlafrhythmus bei Kind und Familie.


Literatur:

Neveus, T., et al. (2010) Evaluation of and treatment for monosymptomatic enuresis: a standardization document from the International Children`s  Continence Society. J Urol 183(2):441-7

Austin, P., et al (2014) The standardization of terminology of lower urinary tract  function in children and adolescente: Update report from the Standardization Comimittee oft the International Children`s  Continence Society (ICCS). J Urol 191:1863-5

Negoro, H., et al. (2013) Chronobiology of micturation: putative role oft he circadian clock. J Urol 190:843-9

Glazener, C.M., et al. (2005) Alarm interventions for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev, Cd002911

Van Gool, JD., et al. (2014) Multi-center randomized controlled trial of cognitive treatment, placebo, oxybutinin, bladder training, and pelvic floor training in children with functional urinary incontinence. Neurourol Urodyn 33:482-7

Sinha, R., et al (2016) Management of nocturnal enuresis – myths and facts. World J Nephrol 584):328-38


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)

Die mobile Version verlassen