Schwerhörigkeit beim Baby früh erkennen, um Störungen zu vermeiden

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Schwerhörigkeit beim Baby ist schwer zu erkennen. Dabei erhöht sich die Gefahr von Sprach- und anderen Entwicklungsstörungen, je später man diese entdeckt.

Unter dem Strich tritt eine Schwerhörigkeit beim ­Baby in einem von 1.000 Fällen auf. Dabei leiden die betroffenen Säuglinge entweder an einer angeborenen oder an einer in den ersten Lebensmonaten entwickelten Schwerhörigkeit des Innenohres. Die Schwerhörigkeit beim Baby kann beispielsweise durch eine Infektionserkrankung – wie der Mittelohrentzündung – erworben werden. Sehr häufig entdeckt man eine Schwerhörigkeit auch erst nach dem zweiten Geburtstag. Dann spricht das Kleinkind sehr schlecht und kann auch verhaltensauffällig aggressiv sein.

 

Schwerhörigkeit beim Baby zu spät erkannt

In vielen Fällen wird die Schwerhörigkeit beim Baby erst viel zu spät erkannt. Auch die Beobachtung der Reaktionen des Babys auf laute Geräusche ist nicht zuverlässig und kann sehr täuschen – das gilt eben beispielsweise für die von praktischen Ärzten oder Kinderärzten durchgeführten Reaktionstests.

Daher raten viele HNO-Ärzte, dass bei jedem Neugeborenen im ersten Lebensjahr eine Spezialuntersuchung zur Ermittlung einer etwaigen Schwerhörigkeit beim Baby durchgeführt werden sollte.

 

Reichlich spät: erst mit 2,5 Jahren wird durchschnittlich die Schwerhörigkeit beim Baby beziehungsweise beim Kleinst-/Kleinkind erkannt!

Das durchschnittliche Diagnosealter bei angeborener oder durch äußere Einwirkung erworbener Schwerhörigkeit beim Baby liegt bei 2,5 Jahren. Das birgt große Gefahren im Zusammenhang mit Sprach- und Entwicklungsstörungen: denn wird die Schwerhörigkeit erst im Kleinkindalter – also etwa ab dem 2.Lebensjahr – erkannt, so hat dies verschiedene weitreichende negative Folgen im Zusammenhang mit dem Spracherwerb aber auch für die gesamte Entwicklung des Kindes.

 

Spezialgeräte zur pädaudiologischen Diagnostik messen die Schwerhörigkeit beim Baby

Viele HNO-Experten empfehlen den Eltern, beim Kind im ersten ­Lebensjahr einen Test mit einem Spezialgerät durchführen zu lassen. Dabei werden die sogenannten otoakustischen Emissionen gemessen. Otoakustische Emissionen sind aktive, akustische Aussendungen beziehungsweise Rauschgeräusche des Ohrs, die entgegen der Richtung bei der Schallwahrnehmung – retrograd – über den Weg Gehörknöchelchen und Trommelfell in den Gehörgang gelangen. Das Rauschen wird dann mit hochempfindlichen Messmikrofonen aufgenommen und gemessen.

Bei etwa 97 % der Menschen sind diese otoakustischen Emissionen nachweisbar – vom gesunden Ohr werden sie wie ein ­»Betriebsgeräusch« vernommen. Fehlt dieses Rauschen allerdings, so ist das ein Hinweis dafür, dass möglicherweise eine Schwerhörigkeit beim Baby vorliegt. Die Test von otoakustischen Emissionen ist für das Kind nicht belastend, das Baby bekommt ­einen Stöpsel ins Ohr und nach knapp einer Minute ist der Test vorbei.

Eine weitere Untersuchungsmethode ist die Hirnstammaudiometrie: eine objektive Hörtest-Methode, bei der keine aktive Mitarbeit des untersuchten Kindes notwendig ist. Die Untersuchung muss allerdings im Schlaf beziehungsweise unter leichter Narkose durchgeführt werden, da schon muskuläre Bewegungen wie die Augenbewegungen eine große Fehlerquelle bedeuten und die Messung unmöglich machen könnten. Bei Kindern und Babys wird die Hirnstammaudiometrie deshalb in Sedierung durchgeführt, um eine hohe Sicherheit in Bezug auf das Hörvermögen des Babys zu bekommen.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Ziel der konservativen Therapie ist die Beseitigung der Schwerhörigkeit beziehungsweise eine starke Verringerung. Man unterscheidet zwischen medizinischen, elterlichen und sonderpädagogischen Maßnahmen.
Konservative medizinische Maßnahmen umfassen die Behandlung der sogenannten chronischen Tubenventilationsstörung mit konsekutiver Schwerhörigkeit der Schalleitung, die Innenohr aktive Infusionstherapie bei akuten Innenohrschwerhörigkeiten und eine Hörgeräteversorgung bei peristierenden Innenohrschwerhörigkeiten sowie die Wahrnehmungsförderung bei zentralen Hörstörungen.

Gerade die Hörgeräteversorgung von Babys und Kleinstkindern brauch sehr viel Expertise. Deswegen sollte diese wegen der erheblichen Konsequenzen für den weiteren Verlauf des Lebens des Kindes hochspezialisierte, kompetente pädaudiologische Einrichtungen durchgeführen.

 

Chirurgische Methoden

Die operative Therapie der Schwerhörigkeit beim Baby kann bei einem Paukenerguß, bei chronischer Mittelohrentzündung, bei kindlicher Otosklerose sowie bei angeborenen Schwerhörigkeiten – etwa bei Mißbildungen – notwendig werden.

Frühkindliche Paukenergüsse können bis zur Volljährigkeit nachweisbare Sprachentwicklungsstörungen nach sich ziehen, wenn man nicht eine angemessenen Behandlung einleitet. Hier können eine Adenotomie – umgangssprachlich eine Rachenmandeloperation –, die Parazentese, der Trommelfellschnitt, und die Einlage von Paukenröhrchen durchgeführt werden. Bei chronischer Mittelohrentzündung sowie bei beidseitiger Mittelohrmißbildung ist eine Tympanoplastik und bei juveniler Otosklerose eine Stapesplastik angezeigt.

Heutzutage sind verbesserte Materialien für Paukenröhrchen sowie für den Ersatz von Mittelohrknöchelchen bei Tympanoplastik und Stapesplastik verfügbar. Innovativ werden bei beidseitiger Mittelohrmißbildung sowie inoperabler beidseitiger chronischer Mittelohrentzündung sind auch knochenverankerte Knochenleitungsimplantate (sogenannte BAHA, bone anchored hearing aid) eingesetzt.

Bei beidseitiger Ertaubung im Kindesalter – einer Gehörlosigkeit – werden jüngst Cochlear-Implantate, also elektronische Innenohrprothesen, eingesetzt, die die vollständigen Hörfähigkeiten wiederbringen sollen.

Quellen:

http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/hearingdisordersanddeafness.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21729632

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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