Effekte von Resveratrol auf das Gehirn und die Nerven

Durch die besondere Kelterungsverfahren ergeben sich im Rotwein 10 bis 20 mal höhere Konzentrationen an Resveratrol als im Weißwein. © africa studio / shutterstock.com

Durch die besondere Kelterungsverfahren ergeben sich im Rotwein 10 bis 20 mal höhere Konzentrationen an Resveratrol als im Weißwein. © africa studio / shutterstock.com

Resveratrol bringt dem Gehirn zahlreiche positive Effekte. Der Pflanzenstoff erhöht die Langlebigkeit, verzögert die Alterung und soll auch gegen Alzheimer Demenz helfen.

Aber auch sauerstoffhaltige Abfallstoffe, die bei der Arbeit der Zellkraftwerke, der Mitochondrien, entstehen, können Schäden verursachen. Denn eine zu große Menge dieser Abfallstoffe können die Zellen überfordern und in Stress versetzen. Man spricht hier von oxidativen Stress. Dabei kann Sauerstoff auch andere Substanzen im Körper oxidieren, die dann im Prinzip rosten beginnen. Diese zerstörerische Kraft des Sauerstoffs kann durch die sogenannten Antioxidantien gebunden werden. Die bringen vor allem auch eine Schutzwirkung für die Nerven, aber auch für andere Körperzellen. Zahlreiche Studien haben hierzu das bekannte Antioxidans Resveratrol – beispielsweise aus Rotwein – und seine positiven Effekte auf Gehirn und Nerven untersucht.

 

Den Alterungsprozess verzögern

Resveratrol wird schon länger mit erhöhter Langlebigkeit und verzögertem Beginn des merklichen Alterungsprozesses in Verbindung gebracht. Dabei scheint die das Antioxidans ähnlich gut zu wirken wie eine sogenannte ‚kalorische Restriktion‘, zu Deutsch: Diät. Verschiedene Studien beschreiben jedenfalls die positiven Auswirkungen von Polyphenolen wie Resveratrol auf die Prävention der Veränderungen, die während des Alterns im Gehirn auftreten.

 

Einfluss von Resveratrol auf die Plaquebildung im Gehirn

Bekanntermaßen gelten die Plaques aus Beta-Amyloid im Gehirn als nervenschädigend. Diese Ablagerungen besonderer Eiweiße sollen bei der Entstehung von Alzheimer Demenz maßgeblich beteiligt sein. In einer Studie versuchten Forscher den Effekt von Resveratrol bei Mäusen sowohl auf die Bildung von Plaque als auch auf die Menge an Sauerstoffabfällen im Gehirn zu untersuchen.

Dazu wurden spezielle Mäuse, die deutlich mehr Alzheimerplaque ausbilden als eine normale Maus, entweder 45 Tage lang mit der täglichen Menge an Resveratrol gefüttert, die in einer früheren Studie lebensverlängernd gewirkt hatte. Oder sie erhielten eine Resveratrol-freie Standardnahrung. Die Auswirkungen auf Plaques und Antioxidantien wurden in verschiedenen Gehirnregionen getrennt überprüft. Die Studie fand, dass tatsächlich weniger Gehirnablagerungen bei den Resveratrol-Mäusen zu finden waren. Und zwar eben verglichen mit den Mäusen mit der einfachen Ernährung.

Aggressive Sauerstoffabfälle, Anzeichen für den oxidativen Stress, waren gleichermaßen bei beiden Mausgruppen zu finden. Hierbei hatte das Resveratrol also offenbar keinen Effekt gehabt. Interessanterweise war auch die Menge an Resveratrol im Gehirn geringer als die Wissenschaftler erwartet hatten – sie vermuteten, dass die Substanz beispielsweise durch die Verdauung umgebaut wird und dadurch nicht als Antioxidans gegen die Sauerstoffabfälle wirkt, sondern nur auf anderem Wege die Nervenzellen unterstützen kann.

Auf jeden Fall unterstützt diese Mausstudie die Schutzfunktion, die das Resveratrol ausüben kann. Diese Studie war selbstverständlich noch recht weit von der klassischen Medikamentenforschung zur Behandlung einer Alzheimer Demenz entfernt. Eine Maus ist schließlich kein Mensch.

 

Resveratrol als Nanoteilchen

Im Grunde genommen sind die positiven, gesundheitlichen Effekte von Resveratrol nicht neu. Zu finden ist es beispielsweise inRotwein, oder auch alkoholfrei in roten Trauben, Erdnüssen, Sojabohnen oder auch Granatäpfeln. Resveratrol zu essen, trinken oder sogar zu injizieren hat aber, wie auch die Mausstudie zeigte, geringere Effekte. Denn der Körper baut die Substanz rasch ab und wandelt sie um.

Eine rezente Studie hat unlängst eine andere Darreichungsform für Resveratrol entwickelt und getestet. Die Forscher der Universität von Porto in Portugal entwickelten winzige Nanoteilchen (solid lipid nanoparticles), die an einen speziellen Eiweißstoff gebunden das Traubenextrakt ins Gehirn transportieren können.

In ersten Studien mit Zellen, die den menschlichen Gehirnzellen ähnlich sind, fanden die Wissenschaftler, dass das Resveratrol deutlich besser mit den neuen Transportern in den Zellen ankam. Schlechter waren die Ergebnisse, wenn man Resveratrol alleine zu der Zellnährflüssigkeit hinzufügte.

 

Die Resveratrol-Nanoteilchen unterstützten das Gehirn

Der Traubenextrakt hatte in den Zellen auch genau den Effekt, der in der älteren Mäusestudie schon gefunden wurde. die Ablagerung von Beta-Amyloid in den Plaques wurde vermindert. In nicht allzu langer Zeit wird uns also vielleicht der Traubenextrakt auch als Nano-Medikament zur Verhinderung der Plaquesbildung und damit eventuell für die Verzögerung der Alzheimer Demenz zur Verfügung stehen.

Resveratrol wird auch schon länger als Nahrungsergänzung angeboten. Wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln gilt aber auch hier: erwarten Sie keine Wunderheilung. Sich gesund zu essen ist wohl nicht so einfach wie erhofft. Aber bei Anfängen einer Erkrankung der Alzheimer-Demenz kann eine Unterstützung durch Nahrungsergänzung, immer nach Absprache mit dem Arzt, wohl nicht schaden. Schließlich kann diese eventuell nicht nur bei Mäusen etwas helfen.


Literatur:

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Sarubbo F, Esteban S, Miralles A, Moranta D. Effects of Resveratrol and other Polyphenols on Sirt1: Relevance to Brain Function During Aging. Curr Neuropharmacol. 2018 Jan 30;16(2):126-136. doi: 10.2174/1570159X15666170703113212. PMID: 28676015; PMCID: PMC5883375.

Noratiqah SB, Naina-Mohamed I, Zulfarina MS, Qodriyah HM. Natural Polyphenols in the Treatment of Alzheimer’s Disease. Curr Drug Targets. 2017 Mar 28. doi: 10.2174/1389450118666170328122527.

Sarubbo F, Moranta D, Asensio VJ, Miralles A, Esteban S. Effects of Resveratrol and Other Polyphenols on the Most Common Brain Age-Related Diseases. Curr Med Chem. 2017;24(38):4245-4266. doi: 10.2174/0929867324666170724102743. PMID: 28738770.

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