Donnerstag, April 25, 2024

Oral-transmukosales Fentanyl gegen Durchbruchschmerzen bei Krebs

Eine sehr rasche und wirksame Kontrolle der Durchbruchschmerzen bei Krebs ist mit Hilfe von transmukosalem (oral-transmukosalem) Fentanyl möglich.

Neben chronischen Schmerzen leiden ­Tumorpatienten häufig unter starken, anfalls­artigen Schmerzattacken. Diese Schmerz­episoden sind von kurzer Dauer und bedürfen einer schnell wirksamen Rescue-Medikation. ­Denn Durchbruchschmerzen haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität von Patienten mit Krebs. Eine sehr rasche und effektive Kontrolle der Durchbruchschmerzen ist hier mit Hilfe von transmukosalem (oral-transmukosalem) Fentanyl möglich. Unter dem Strich empfehlen spezifische Richtlinien zur Therapie von Durchbruchschmerzen bei Krebs ausnahmslos die Verwendung transmukosaler Opioide als Bedarfsmedikation mit raschem Wirkeintritt und kurzer Wirkdauer.

 

Durchbruchschmerzen – plötzlich, unvorhersehbar und hohe Schmerzintensität

Im Grunde genommen sind Schmerzen für Tumorpatienten ein schwerwiegendes Problem. Bis zu 90 Prozent der Patienten leiden im fortgeschrittenen Stadium da­runter. Trotz einer fachgerechten Behandlung der chronischen Schmerzen mit einer ansonsten effektiven Opioidtherapie, kommt es bei mehr als der Hälfte der Tumorpatienten zu sogenannten Durchbruchschmerzen. Diese treten plötzlich und oft unvorhersehbar auf und zeichnen sich durch eine hohe Schmerzintensität und relativ kurze Dauer von durchschnittlich etwa 30 Minuten aus. Der Höhepunkt dieser starken, anfallsartigen Schmerzen wird bereits nach wenigen Minuten erreicht.

Für Patienten und Angehörige stellen diese Schmerzattacken eine große Belastung dar. Eine effektive Behandlung der Durchbruchschmerzen ist daher für eine verbesserte Lebensqualität in dieser späten Krankheitsphase besonders wichtig.

 

Therapieoptionen bei Durchbruchschmerzen

Im Grunde genommen behandelt man Durchbruchschmerzen in der Regel mit kurz wirksamen, nicht-retardierten Opioiden. Als Rescue-Medikation stehen Opioide in schnell wirksamen Darreichungsformen, wie beispielsweise oral-transmukosales Fentanyl oder intravenös verabreichtes Morphin zur Verfügung. Eine orale Add-on Medikation in Form von Tropfen oder Tabletten (beispielsweise mit nicht-retardierten Morphin-Tabletten oder -Tropfen, Hydromorphon kurzwirkend oder Buprenorphin sublingual) ist für die Therapie der Durchbruchschmerzen dagegen nur bedingt geeignet. Denn bei diesen Darreichungsformen tritt die Wirkung erst nach 30 bis 90 Minuten ein. Zu diesem Zeitpunkt ist die durchschnittlich nur 30-minütige Schmerzattacke häufig bereits abgeklungen.

Nebenwirkungen umfassen Übelkeit, Verstopfung, Verwirrtheit, Schwindel, Schläfrigkeit, Sucht, Asthenie und Hypotonie. Der therapeutische Bereich beträgt 1 bis 3 Nanogramm / Milliliter. Vorsicht: Hohe Plasmaspiegel können zu Atemdepression und Tod führen. Zudem kann die gleichzeitige Anwendung anderer Substanzen und Medikamente, die im Zentralnervensystems (ZNS) wirken (dh Alkohol, Heroin, Benzodiazepine) zu additiven Nebenwirkungen beitragen. Daher müssen Patienten mit mehreren ZNS-wirkenden Medikamenten sorgfältig überwacht werden.

 

Schnelle Wirkung und hohe Patientenzufriedenheit mit oral-transmukosalem Fentanyl

Aufgrund seiner besonderen Darreichungsform stellt oral-transmukosales Fentanyl eine einfach zu verabreichende, schnelle und wirksame Rescue-Medikation dar. Der Wirkstoff ist in eine Matrix eingebettet, die an einem Kunststoffapplikator angebracht ist. Durch Reiben dieses Sticks an der Mundschleimhaut löst sich die Matrix auf, und das Fentanyl wird kontinuierlich innerhalb von nur 15 Minuten freigesetzt. Aufgrund der schnellen transmukosalen Resorption gelangt der lipophile Wirkstoff unter Umgehung des First-Pass-Effekts innerhalb weniger Minuten an den Wirkort, so dass bereits innerhalb der ersten fünf Minuten nach Applikation eine schmerzstillende Wirkung auftritt.

Studien-Ergebnisse bestätigten, dass oral-transmukosales Fentanyl genauso schnell analgetisch wirkt wie intravenös verabreichtes Morphin, das aufgrund seiner hydrophilen Eigenschaften die Blut-Hirnschranke langsamer passiert.

 

Fazit

Aufgrund der gesicherten Datenlage empfiehlt die European Association of Palliative Care (EAPC) in ihren Richtlinien zum Opioid-Einsatz oral-transmukosales Fentanyl als Arzneimittel zur Behandlung von Durchbruchschmerzen mit der höchsten Evidenz.

Durch die einfache und ortsunabhängige Anwendung bleibt der Patient mobil und gewinnt deutlich an Lebensqualität. Dies und der schnelle und zugleich starke Wirkeintritt sowie die gute Verträglichkeit führen zu einer hohen Patientenzufriedenheit.


Literatur:

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