Missbrauch von Hormonen als Anabolika kann ernsthafte Folgen haben

Anabolika-Missbrauch beziehungsweise Medikamentenmissbrauch im Leistungs- und Kraftsportbereich ist seit vielen Jahrzehnten gang und gäbe. © Joe Belanger / shutterstock.com

Anabolika-Missbrauch beziehungsweise Medikamentenmissbrauch im Leistungs- und Kraftsportbereich ist seit vielen Jahrzehnten gang und gäbe. © Joe Belanger / shutterstock.com

Thrombose, Schlaganfall, Herzversagen, Depressionen: Was Freizeitsportlern beim Missbrauch von Hormonen als Anabolika droht.

Seit den 1970er Jahren werden anabole androgene Hormone (Steroide, AAS) im Leistungssport, im Freizeitsport sowie im Bodybuilding missbraucht. Insbesondere von Bodybuildern werden oft über längere Zeit zu hohe Dosen an Hormonen konsumiert, die Anabolika verursachen dann akute oder chronische Nebenwirkungen. Wobei die Situation häufig durch zusätzliche Polypharmazie erschwert wird.

 

Schäden der Anabolika und Hormone

Im Grunde genommen können Anabolika und Hormone, die im Internet und zum Teil auch in Fitness-Studios illegal angeboten werden, dem Körper schwere Schäden zufügen. Dabei drohen den Konsumenten beispielsweise Thrombosen und Schlaganfälle. Weiter Störungen der Organfunktionen von Herz, Leber sowie der Nieren. Nach dem Absetzen können Anwender zudem Depressionen entwickeln.

Unter dem Strich ist aber das Doping mit Anabolika, genauer mit anabolen androgenen Steroiden, weit verbreitet. Nicht nur Leistungssportler greifen zu den illegalen Substanzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Auch Freizeitsportler und Bodybuilder nutzen sie, um den Muskelaufbau im Fitness-Studio zu beschleunigen. Anabolika können gespritzt oder geschluckt werden, es gibt sie als Creme oder Gel für die Haut oder auch als Pflaster. Hormonexperten bezeichnen die Mittel auch als „Performance and appearance enhancing drugs“, kurz PEAD.

 

Die Einnahme von Anabolika und Hormonen wird häufig bagatellisiert.

Im Leistungssport wird Doping vor allem als Verstoß gegen die Fairness geahndet. Freizeitsportler haben also vermeintlich wenig zu befürchten. Dass dies ein fataler Irrtum ist, zeigen immer wieder Todesfälle von Freizeitsportlern, die nach der langjährigen und hochdosierten Einnahme von Anabolika in jungen Jahren an Herzversagen gestorben sind. Todesursache war meistens eine Erkrankung des Herzmuskels, eine Herzrhythmusstörung oder ein Herzinfarkt. Die Pathologen finden bei der Autopsie oft eine ausgedehnte Verkalkung der Blutgefäße. In den Herzkranzgefäßen kann dies einen Herzinfarkt auslösen.

Anabolika verschlechtern außerdem die Fließeigenschaften des Blutes. Sie steigern die Bildung von roten Blutzellen im Knochenmark. Der gewünschte Effekt ist eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Gewebe. Es besteht jedoch laut Hormonexperten die Gefahr, dass der Blutfluss zum Stehen komme und sich Blutgerinnsel bilden. Im Gehirn kann das einen Schlaganfall, in den Lungen eine Lungenembolie und in den Beinen eine Thrombose zur Folge haben. Die meisten Anabolika werden in der Leber abgebaut. Bei häufiger Einnahme begünstigen Anabolika eine Fettleber, bei einer Überdosis kann es zum Leberversagen kommen.

 

Die Psyche verändert sich ebenfalls.

Unter dem Strich sind Anabolika-Anwender häufig leicht erregbar und aggressiv. Sie neigen zur Selbstüberschätzung oder entwickeln sogar psychotische Symptome. Die Kehrseite dieser manischen Hochgefühle sind übrigens starke Depressionen. Denn unter diesen können Anabolika-Anwender nach dem Absetzen der Hormone über viele Jahre leiden.

Die meisten Menschen, die Anabolika und Hormone einnehmen, sind sich übrigens der gesundheitlichen Risiken nicht bewusst. Wobei die Kombination verschiedener Präparate das Risiko häufig noch steigert. Hierzu ist die Anti Doping Agentur NADA gefordert, die deutlich vor den gesundheitlichen Risiken von Anabolika und Hormone warnen sollte. Wobei aber hier die Freizeitsportler hier stärker gefährdet sind. Denn sie unterliegen keinen Kontrollen. Zudem nehmen sie häufig sogar größere Mengen einnehmen als die Profis.


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