Reizdarm-Syndrom mit Symptom- und Psychotherapie behandeln

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Jede vierte Person leidet in unseren Breiten an einem Reizdarm-Syndrom mit zahlreichen Beschwerden, die symptomatische und die Psychotherapie bieten Hilfe.

Im Grunde genommen spielen Psychologische Prozesse bei Reizdarm-Syndrom eine wichtige Rolle und dementsprechend auch die Psychotherapie in der Behandlung. Dabei entsteht beim Reizdarm eine Störung der Gehirn-Darm-Achse, die für die Entwicklung und die Aufrechterhaltung der Erkrankung verantwortlich ist. Diese wird dann chronisch und schwer zu behandeln. Deswegen fühlen sich die Patienten häufig allein gelassen und frustriert, weil wirksame medizinische Maßnahmen fehlen.

Hingegen sind verschiedene Methoden der Psychotherapie beim Reizdarm gut etabliert und auch wirksam. Insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie brachte durchweg eine signifikante und dauerhafte Verbesserung der Symptome. Doch trotz der eindeutigen Vorteile der Psychotherapie haben nur sehr wenige Reizdarm-Patienten Zugang zu solchen spezialisierten Methoden. Experten fordern deswegen mehr Anbieter von psychischen Gesundheitsdiensten sowie auch Telemedizin-Modelle, um den Zugang zur Pflege zu verbessern.

 

Wenn man den empfindlichen Darm reizt

Der Darm ist ein autonomes Nervensystem, das sich mit mehr als 100 Millionen Nervenzellen von der Speiseröhre bis zum Darmausgang erstreckt. Bei jedem vierten Menschen sind die Nervenzellen in der Darmwand besonders empfindlich und reagieren überschießend auf ganz normale Reize wie etwa die Füllung mit Speisebrei, Stress oder emotionale Probleme.

In der Folge führen diese Verstärker zu einer Störung der Muskelbewegungen im Darm, einem sogenannten Reizdarm – entweder zu einem plötzlichen Anhalten (Verstopfung!) oder viel zu heftigen Darmbewegungen (Durchfall).

 

Diagnose Reizdarm

Der Reizdarm ist eine so genannte Ausschlusserkrankung. Zuerst werden Untersuchen zum Ausschluss organischer Ursachen durchgeführt: Eine Blutuntersuchung, um Entzündungswerte, Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte, die Schilddrüsenfunktion und Elektrolyte zu prüfen. In einem Stuhltest wird das Vorhandensein von Blut, Würmern und Parasiten ausgeschlossen.

Häufig liegt auch eine Lactoseintoleranz, also eine Milchzuckerunverträglichkeit, vor. Ein diesbezüglicher Test gibt Aufschluss darüber. Bei Frauen kann eine gynäkologische Untersuchung Probleme in diesem Bereich ausschließen. Eine Ultraschalluntersuchung, bei der Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase angesehen werden, kann ebenfalls sinnvoll sein.

 

Symptome bei einem Reizdarm-Syndrom

Das Reizdarm-Syndrom ist eine Erkrankung, die viele Symptome präsentiert. Und zwar Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall sowie Blähungen. Indikatoren nach den so genannten ROM-Kriterien sind Bauchschmerzen über zwölf Wochen, die nicht immer durchgehend sein müssen. Weiter Durchfall, Schleimbeimengungen, Blähungen sowie Krämpfe. Zahlreiche Patienten erleben allerdings auch einen Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.

Aber auch andere psychosomatische oder psychische Erkrankungen (Angst, Depression), Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen, Migräne oder Rückenschmerzen können Hinweis auf einen Reizdarm sein. Vorsicht ist geboten bei Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsabnahme, Fieber und eventuell nächtlichem Auftreten von Durchfall – diese Symptome können Hinweis auf eine schwere Erkrankung des Darmes sein.

 

Reizdarm-Syndrom symptomatisch und mit Psychotherapie behandeln

Bei der obstipierten Form sind Laxantien einzusetzen. Bei der Durchfall-betonten Form kann man kurzfristig obstipierende Maßnahmen einsetzen. Eine bewährte Wirksubstanz in der Therapie beider Reizdarm-Subgruppen, sowohl der diarröhischen als auch der obstipierten, ist Mebeverin. Mebeverin wirkt selektiv muskulotrop an zwei Rezeptoren der Darmmuskulatur und stoppt sowohl plötzliche Depolarisationen wie auch anhaltende Hyperpolarisationen der Muskelzellen. Dadurch wird die Bioelektrik der Darmmuskulatur wieder ins Gleichgewicht gebracht, die quälenden Schmerzen des Patienten gelindert. Durch die Normalisierung der Darmbewegungen werden auch Durchfall und/oder Verstopfung wesentlich gebessert.

Patienten mit Reizdarm-Syndrom oder funktionellen Oberbauchbeschwerden leiden häufig auch unter psychosozialen Problemen. Ein Kombination mit psychotherapeutischen Symptomen bei Patienten mit Reizdarm-Syndrom zeigen eine bessere Wirkung als die alleinige Gabe von medikamentösen Therapien. Sehr erfolgreich ist die »gut-directed« Hypnose. Ein positives Ansprechen auf Psychotherapie allgemein ist wahrscheinlich, wenn:

  1. ­Stress die Symptome verstärkt oder auslöst,
  2. milde Angst und Depression vorhanden ist,
  3. das vorherrschende Symptom Schmerz und Durchfall ist,
  4. der Schmerz sich mit Nahrungsaufnahme oder Stress verstärkt, bei Stuhlentleerung vermindert und nicht konstant vorhanden ist,
  5. und wenn das Beschwerdebild noch relativ kurz andauert.

 

Kognitive Verhaltenstherapie

Die Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) gehört zu den besten untersuchten psychologischen Behandlungen für Reizdam-Patienten. Zahlreiche Studien belegen die gute Wirksamkeit, die mindestens 1 Jahr lang nach der Behandlung noch anhält. Wobei hier verschiedene Komponenten zum Einsatz kommen.

Unter dem Strich konzentriert sich diese kurzfristigen, kompetenzbasierte Psychotherapie darauf, Verhaltensweisen und dysfunktionale Denkmuster zu ändern. Das soll die Stimmung und physiologische Symptome beeinflussen. Weitere Techniken und Schwerpunkte können innerhalb der Kognitiven Verhaltenstherapie stark variieren.

Die Psychoedukation ist hierzu eine Schlüsselkomponente. Sie beinhaltet die Aufklärung der Reizdarm-Patienten über die Gründe für die Psychotherapie. Weiter will man damit Mythen beseitigen sowie die Gehirn-Darm-Achse und die physiologischen Stressreaktionen erklären. Häufig kommen weiter auch Entspannungstechniken zum Einsatz.

Literatur:

Sarah W Kinsinger. Cognitive-behavioral therapy for patients with irritable bowel syndrome: current insights. Psychol Res Behav Manag. 2017; 10: 231–237. Published online 2017 Jul 19. doi: 10.2147/PRBM.S120817


Quellen:

http://www.dgvs.de/leitlinien/reizdarmsyndrom/

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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