Digitalis für Patienten mit Herzschwäche

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Lena Abensberg
Lena Abensberg
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Die Inhaltsstoffe von Digitalis (Fingerhüte) wie Digoxin und Digitoxin setzt man seit etwa 200 Jahren bei Herzschwäche- bzw. Herzinsuffizienz-Patienten ein.

Im Grunde genommen haben Patienten mit Herzinsuffizienz trotz der vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten eine schlechte Prognose. Andererseits behandelt man mit Wirkstoffen aus Fingerhüten bzw. Digitalis – den Herzglykosiden – seit fast 200 Jahren Patienten mit Herzschwäche. Allerdings gab es in der Vergangenheit kaum Studien zur Wirksamkeit dieser vielfach eingesetzten pflanzlichen Arzneimittel.

Übrigens kann das pflanzliche Arzneimittel Digitalis auch giftig sein. Dabei kann diese Nebenwirkung auftreten, wenn man zu viel des Arzneimittels gleichzeitig einnimmt. Es kann aber auch vorkommen, dass sich der Wirkstoffspiegel aus anderen Gründen (beispielsweise anderen Erkrankungen) erhöht. Der häufigste Wirkstoff war bis dato das Digoxin. In der großen deutschen DIGIT-HF-Studie haben die Forscher die Wirkung von Digitoxin in den Blickpunkt gerückt.

 

Wirksamkeit von Digitoxin aus Digitalis untersucht (DIGIT-HF)

Vor vielen Jahren zeigte eine randomisierte Studie, dass Patienten mit Herzschwäche durch die Behandlung mit Digitalis seltener ins Krankenhaus müssen. Allerdings gab es dazu keine Daten zur Sterblichkeit der Patienten. Ansonsten gab es lediglich epidemiologische Untersuchungen, die Patienten mit und ohne Digitalis-Behandlung verglichen.

In anderen Studien untersuchten Herzschwäche-Patienten mit und ohne Digitalis-Begleittherapie. Bei all diesen Untersuchungen können jedoch leicht Verzerrungen auftreten, da die mit Digitalis behandelten Patienten meistens älter und kränker sind. Dementsprechend haben sie natürlich auch ein höheres Sterberisiko haben.

Die 2015 gestartete deutsche DIGIT-HF-Studie wollte hier eine Lücke schließen und untersuchte 2190 Patienten mit fortgeschrittener, chronischer Herzschwäche und verminderter Pumpleistung der linken Herzkammer. Hier spricht man von der sogenannten systolischen Herzinsuffizienz. Diese gehört zu den häufigsten Ursachen für Tod und Krankenhausaufnahmen. Wobei das Herz nur noch vermindert pumpen kann, was wiederum die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten stark einschränkt.

 

Digitoxin aus Gruppe der Digitalis-Präparate am Prüfstand

Im Fokus der DIGIT-HF-Studie steht der Wirkstoff Digitoxin. Und zwar, ob er das Leben von Herzschwäche-Patienten verlängern und Krankenhausaufenthalte verringern kann. Im Grunde genommen gehört das Digitoxin zur Gruppe der Digitalis-Präparate, das die Kontraktionskraft des Herzens erhöht. Wie das andere bekannte Herzglykosid Digoxin kann Digitoxin bei ausgewählten Patienten zur Behandlung der Herzschwäche die Standardbehandlung unterstützen.

In fast allen eingangs zitierten Studien kam das Digoxin zum Einsatz. Im Gegensatz zu Digitoxin wirkt allerdings das Digoxin kürzer und die Elimination geschieht hauptsächlich über die Niere. Das hat den Nachteil, dass dadurch speziell bei älteren Patienten aufgrund von Nierenfunktionsstörungen die richtige Dosisfindung kompliziert ist. Oft ist auch der Digoxin-Spiegel im Blut zu hoch. Digitoxin hingegen wird über die Leber abgebaut, was von Vorteil sein sollte.

 

Digoxin versus Digitoxin

Obwohl ein direkter Wirkvergleich von Digoxin mit Digitoxin in einer prospektiven, placebokontrollierten, randomisierten klinischen Studie interessant wäre, wird eine solche Studie höchstwahrscheinlich nicht geschehen. Im Grunde genommen stellt sich beispielsweise die Frage, ob die niedrigere Dosis von Digitoxin von Vorteil ist. Die Studie ist jedenfalls von Bedeutung, um zu erkennen, wie Digitalis das Leben von Patienten mit Herzschwäche verlängert und deren Krankenhausaufenhalte verringert.

Wenngleich der Wirkstoff Digitoxin in niedriger Dosis zum Einsatz kommt, können die zukünftigen Ergebnisse der klinischen Outcome-Studie DIGIT-HF auch für Digoxin gelten. Denn Digoxin und Digitoxin haben nahezu identische pharmakodynamische Eigenschaften.

Literatur:

Udo Bavendiek, Dominik Berliner, Lukas Aguirre Dávila, Johannes Schwab, Lars Maier, Sebastian A. Philipp. Andreas Rieth, Ralf Westenfeld, Christopher Piorkowski, Kristina Weber, Anja Hänselmann. Maximiliane Oldhafer, Sven Schallhorn, Heiko von der Leyen, Christoph Schröder, Christian Veltmann, Stefan Störk, Michael Böhm, Armin Koch, Johann Bauersachs. Rationale and design of the DIGIT‐HF trial (DIGitoxin to Improve ouTcomes in patients with advanced chronic Heart Failure). A randomized, double‐blind, placebo‐controlled study. Eur J Heart Fail. 2019 May; 21(5): 676–684. Published online 2019 Mar 20. doi: 10.1002/ejhf.1452


Quellen:

Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

http://www.drugs.com/npp/digitalis.html

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/000165.htm

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