Wirkung gegen Schmerzen: Weidenrinde, Weide, mit Salicin als Schmerzmittel

Die Anwendung der Weide gegen Schmerzen ist altbewährt. Am liebsten ewächst der Baum in feuchten Gebieten. © Peter de Kievith / shutterstock.com

Die Anwendung der Weide gegen Schmerzen ist altbewährt. Am liebsten ewächst der Baum in feuchten Gebieten. © Peter de Kievith / shutterstock.com

Die Wirkung der Weidenrinde, der Weide, gegen Schmerzen kommt von ihrem Inhaltsstoff Salicin, synthetisiert bekannt als Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin).

Die Menschen nutzen die Wirkung der Weide beziehungsweise als Zubereitungen aus Weidenrinde seit Tausenden von Jahren, um Entzündungen zu hemmen, Fieber zu senken, sowie gegen Schmerzen als effektives Schmerzmittel. Schon in den frühen Hochkulturen und in der Antike behandelten die Menschen Fieber und Schmerzen mit dem Saft der Weide (Salix) beziehungsweise der Weidenrinde, vor allem die Griechen waren bekannt. Nachdem das Salicin aus der Weidenrinde Anfang des 19. Jahrhunderts isoliert wurde, wurde dann etwas später das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure synthetisiert, womit die bis heute anhaltende Erfolgsstory von Aspirin begann.

 

Verschiedene Arten der Weide

Die heilsame Weidenrinde kann von verschiedenen Weidenarten stammen, wobei Weiden nicht nur als Baum, sondern auch als Strauch existieren. Die beliebten samtenen Weidenkätzchen sind die Blüten, welche im zeitigen Frühling noch vor den Blättern erscheinen. Das kommen die umgangssprachlichen Bezeichnungen Katzenstrauch, Weihbuschen und Fellhornrinde.

Die Weidenkätzchen oder auch Palmkätzchen werden besonders an Ostern gerne als Dekoration zuhause verwendet, aber auch zusammengebunden bei religiösen Anlässen.

Die Weide ist ein Flussbegleiter und wächst bevorzugt an feuchten Standorten, man findet die Weide aber auch an Gräben, am Waldrand und am Rand feuchter Wiesen vor. Die Weidenrinde ist im Frühling, wenn die Säfte steigen, leicht von den Ästen und Zweigen zu lösen.

 

Wirkung der Weidenrinde gegen Schmerzen als Vorbild für das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin)

Die Wirkung der Weidenrinde gegen Schmerzen hatte Vorbildfunktion für das wohl berühmteste Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure, die im Aspirin chemisch »nachgebaut« ist. Die Hauptwirkstoffe werden Salicylate nach der lateinischen Baumbezeichnung Salix benannt.

Der wichtigste Bestandteil, das Salicin, wird durch die Darmflora in einen Salicylalkohol und Traubenzucker gespalten. Diese Bestandteile werden sehr gut ins Blut aufgenommen und dort und in der Leber zu Salicylsäure weiter umgewandelt.

 

Hemmung der Prostaglandine

Der ursprüngliche Inhaltsstoff der Weide besitzt also noch keine Wirksamkeit, sondern erst ­durch Mitbeteiligung des Körpers entsteht die wirksame Substanz. Die letztendlich Fieber senkende, Schmerz stillende und entzündungshemmende Wirkung beruht auf einer Hemmung der sich ebenfalls im Körper bildenden sogenannten Prostaglandine.

Prostaglandine sind Stoffe, die Entzündungen fördern, wobei dies in manchen Fällen und begrenzt für die Gesundheit förderlich sein kann. Wir stehen wieder einmal vor der Tatsache, dass ein Vorgang zwei Gesichter haben kann. Weil jedoch dieser Umwandlungsprozess von Salicin in der Darmflora und im Blut langsam abläuft, kann ein Weidenrindenauszug im Gegensatz zum Aspirin, das auch ein Salicyl-Abkömmling ist, bei akuten Kopfschmerzen nicht helfen.

 

Weidenrinde als Schmerzmittel: Wirkung von Weidenrindentee gegen Schmerzen für Marcoumarpatienten

Des einen Leid, des anderen Freud. Weidenrindentee ist für Marcoumarpatienten mit erhöhter Blutungsneigung unbedenklich, weil die blutgerinnungshemmende Eigenschaft der mit Essigsäure verbundenen Salicylsäure, die in verschiedenen vorkommt, fehlt.

Eine Infarktprophylaxe wie mit hoch dosiertem ASS (ASS = Acetylsalicylsäure) ist durch den Einsatz von Weidenrinde aber auch nicht zu erreichen. Was die Auslösung von Nesselausschlägen oder Asthma betrifft, sind Aspirin und die Weidenrinde gleichwertig.

An eventuellen Magenunverträglichkeiten sind nicht die Salicylate schuld, sondern die in der Rinde mit enthaltenen Gerbstoffe, daher kann die Weidenrinde ­als Teedroge sowohl heilende als auch belastende Stoffe enthalten. In einem alkoholischen Auszug sind übrigens bedeutend weniger magenbelastende Gerbstoffe enthalten als vergleichsweise bei einer Teezubereitung mit Wasser.

Bekannt ist der Rheumatee von Kräuterpfarrer Weidinger, der 10 Prozent Weidenrinde enthält, wobei fast die Hälfte bei diesem Tee gegen Gelenkschmerzen das Brennesselblatt ausmacht. Bei verschiedenen anderen Produkten ist Weidenrindenextrakt meist ebenfalls recht niedrig dosiert. Grundsätzlich empfehlen viele Apotheker, dass man beim Gebrauch von pflanzlichen Arzneimitteln – mit Ausnahme der Abführmittel – die höhere Mengenangabe einnimmt, um die Reizschwelle nicht zu verfehlen.

 

Weide gegen Schmerzen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Gegen Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie des Zahnfleisches findet der Weidenrindenextrakt gemeinsam mit einer Ratanhiatinktur ein weiteres Anwendungsgebiet.

 

Weidenrindenextrakt

Man nutzt Weidenrindenextrakt seit jeher als entzündungshemmendes, fiebersenkendes und analgetisches Mittel. Trotz seiner langen Verwendungsgeschichte wurden relativ wenige Studien an Menschen und Tieren veröffentlicht, die anekdotische Beobachtungen bestätigen.

Eine kleine Anzahl klinischer Studien wurde durchgeführt, die die Verwendung von Weidenrindenextrakten bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken- und Gelenkbereich sowie bei Arthrose unterstützen.

Zudem verwendet man Weidenrindenextrakte auch häufig in Sportleistungsprodukten und Produkten zur Gewichtsreduktion, vermutlich aufgrund entzündungshemmender und analgetischer Aktivitäten. Allerdings gibt es hierzu zur Weidenrinde keine Studien am Menschen, die spezifisch und direkt vorteilhafte Wirkungen dokumentieren.

Obwohl Extrakte der Weidenrinde im Allgemeinen auf Salicin standardisiert sind, könnten andere Inhaltsstoffe, einschließlich anderer Salicylate sowie Polyphenole und Flavonoide, ebenfalls eine wichtige Rolle bei den therapeutischen Wirkungen spielen.

Die Nebenwirkungen sind im Vergleich zu nichtsteroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln, einschließlich Aspirin, anscheinend minimal. Als wichtigste unerwünschte Wirkungen könnten allergischen Reaktionen bei Salicylat empfindlichen Personen auftreten.


Literatur:

Shara M, Stohs SJ. Efficacy and Safety of White Willow Bark (Salix alba) Extracts. Phytother Res. 2015;29(8):1112‐1116. doi:10.1002/ptr.5377

Vlachojannis JE, Cameron M, Chrubasik S. A systematic review on the effectiveness of willow bark for musculoskeletal pain. Phytother Res. 2009;23(7):897‐900. doi:10.1002/ptr.2747

Biegert C, Wagner I, Lüdtke R, et al. Efficacy and safety of willow bark extract in the treatment of osteoarthritis and rheumatoid arthritis. Results of 2 randomized double-blind controlled trials. J Rheumatol. 2004;31(11):2121‐2130.

Schmid B, Lüdtke R, Selbmann HK, et al. Efficacy and tolerability of a standardized willow bark extract in patients with osteoarthritis. Randomized placebo-controlled, double blind clinical trial. Phytother Res. 2001;15(4):344‐350. doi:10.1002/ptr.981


Quelle: Weide gegen Schmerzen.

http://www.webmd.com/vitamins-supplements/ingredientmono-955-willow%20bark.aspx?activeingredientid=955&activeingredientname=willow%20bark

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