Silvestrol bei Dickdarmkrebs und Lebermetastasen

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Dickdarmkrebs und Metastasen in der Leber treten häufig gemeinsam auf und führen zu hoher Sterblichkeit. Der seltene Wirkstoff Silvestrol soll hier neue Hoffnung bieten.

Viele Patienten mit Dickdarmkrebs sterben an den Metastasen in der Leber und anderen Organen. Sechs Prozent der Bevölkerung in unseren Breiten erkranken im Lauf ihres Lebens an Dickdarmkrebs, die Hälfte der Betroffenen stirbt daran. Tödlich sind dabei nicht die Tumoren im Darm, sondern die Metastasen, die sich in der Leber und anderen Organen ansiedeln können. Je früher Dickdarmkrebs entdeckt und operiert wird, umso geringer ist das Risiko, dass sich Metastasen bilden, und umso höher ist die Chance, die Krankheit zu überleben.

Bei der Suche nach besseren Therapien gegen Dickdarmkrebs hat die Forschung unter anderem die MYC-Proteine im Blick. Diese kommen in fast allen Tumorzellen in viel zu großen Mengen vor. Das bringt die Zellen aus dem Gleichgewicht und befeuert sie weiter in ihrem ungezügelten Wachstum.

Tropischer Naturstoff Silvestrol als Hoffnungsträger

Auf der Suche nach Wegen, die MYC-Proteine im Zaum zu halten und so das Tumorwachstum stoppen zu können, scheint der Naturstoff Silvestrol aus dem tropischen Baum Aglaia foveolata eine vielversprechende Rolle zu spielen. Es gibt mittlerweile weltweit mehrere verschiedene wissenschaftliche Publikationen, die die Wirksamkeit dieses Naturstoffs gegen einige Krebsarten vermuten lassen. Denn Silvestrol hemmt einen spezifischen Schritt bei der Entstehung der Myc-Proteine und verringert so deren Menge. Für die Behandlung von Dickdarmkrebs könnte sich Silvestrol ebenfalls eignen. Laut einer Würzburger Studie bremst Silvestrol den Dickdarmkrebs fast vollständig aus. Das funktionierte in der Untersuchung bereits in Zellkulturen und im Tiermodell sehr gut.

Wie Silvestrol seine Wirkung auch beim Menschen effektiv entfalten kann, ist Ziel weiterer Untersuchungen. Problematisch ist bei Silvestrol allerdings vor allem seine Verfügbarkeit: der Naturstoff ist weltweit nur in der einzigen, relativ seltenen Baumart Aglaia foveolata zu finden – und dort nur in sehr kleinen Mengen. Man benötigt aber sehr viel Silvestrol, um eine Wirkung zu erzielen, mögliche Nebenwirkungen sind nicht erforscht.

Quelle: “Targeting translation initiation bypasses signaling crosstalk mechanisms that maintain high MYC levels in colorectal cancer”, Wiegering A, Uthe FW, Jamieson T, Ruoss Y, Huttenrauch M, Kuspert M, Pfann C, Nixon C, Herold S, Walz S, Taranets L, Germer CT, Rosenwald A, Sansom OJ, Eilers M. Cancer Discovery, 1. Mai 2015, DOI: 10.1158/2159-8290.CD-14-1040

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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