Diabetesberatung bei Typ 2-Diabetes

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Die Diabetesberatung bei Typ 2-Diabetes informiert Patienten und deren Angehörige über Ursachen, Therapien, Gefahren sowie den Alltag mit der Erkrankung.

Derzeit geht man bei Typ 2-Diabetes von einer Erkrankungsrate zwischen 5 und 7% aus, während in der Altersgruppe von 60 Jahren und höher sogar schon jeder Fünfte betroffen ist. Die progressive Entwicklung eines Diabetes mellitus schlägt sich in einer um 6 Jahre verkürzten Lebenserwartung nieder. Zwei Drittel aller Diabetiker erleiden einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und sind jene Bevölkerungsgruppe, die am öftes­ten eine Nierenersatztherapie benötigen. Immer öfter spricht man von einer Diabetes-Epidemie und erwartet ähnliche sozioökonomische Auswirkungen auf ganze Populationen wie bei AIDS. Somit werden Angebote zur Diabetesberatung immer bedeutender, wobei folgende Bereiche eingeschlossen sind:

  • Früherkennung von Begleiterkrankungen,
  • Information zur Vermeidung von Spätkomplikationen,
  • Hilfestellung bei Blutzuckermessung,
  • der Medikamentenanwendung sowie
  • Diabetesberatung zu Ernährung und Lebensstil sowie
  • Therapie ergänzenden Produkte.

 

Kriterium Typ 2-Diabetes

Das Kriterium Typ 2-Diabetes ist erfüllt, wenn der Nüchternblutzucker im venösen Blut ≥126mg/dl beträgt. Bei Werten zwischen 110 und 125mg/dl spricht man von einer gestörten Nüchternglukose. Blutzuckerwerte über 100mg/dl gehören ärztlich genauer abgeklärt. Als Zielwert für den Blutdruck werden heute kleiner als130/85mm Hg angegeben, wobei das altersbedingt etwas variieren kann.

Weiters ist auf das Lipidprofil zuachten: LDL <100mg/dl, HDL >40mg/dl bei Männern und 50mg/dl bei Frauen, die Triglyceride sollten ≥150mg/dl und der BMI-Zielwert <25kg/m2 sein. Weiters sollte ein Bauchumfang bei Männern unter 102cm und bei Frauen unter 88cm erreicht werden.

Folgende Beschwerden weisen auf einen nicht erkannten Typ 2-Diabetes hin:

  • häufiges Durstgefühl,
  • übermäßige Harnmenge,
  • Leistungsknick
  • und häufigere Infektionen.

 

Diagnose

Harnteststreifen bringen nichts, denn sie erfassen die Zuckerkonzentration im Harn viel zu ungenau, weiters ist die Nierenschwelle für Zucker im Harn individuell unterschiedlich. Hinzu kommt, dass Glukose im Harn erst dann auftritt, wenn die Blutzuckerwerte 160mg/dl erreichen bzw. übertreffen. Mikroalbumintests als Hinweis auf diabetogene Nierenschäden und Cholesterinmessungen zur Senkung des Arterioskleroserisikos machen hingegen Sinn.

 

Diabetesberatung, wie man das Verhalten anpasst

Patienten mit Typ 2-Diabetes, die die Krankheit verstehen und über akuten Vorfälle – Hypos – sowie über Spätkomplikationen wie Neuropathie, Nephropathie, Retinopathie und Makroangiopathie Bescheid wissen, werden ihr Verhalten dementsprechend anpassen können. Dazu gehört:

  • Bluthochdruck gehört behandelt, weil er die Insulinresistenz fördert.
  • Übergewicht gilt per se als Risikofaktor für diabetische Spätkomplikationen.
  • Bei der Einschränkung der Kalorienzufuhr soll Alkohol als hochkalorisches Getränk immer mitberechnet werden.
  • Rauchen hat ebenfalls einen nachteiligen Einfluss.

Zu einem unterschätzten Hypoglykämierisiko zeigten Studiendaten eine überraschend erhöhte Sterblichkeitsrisiko durch eine forcierte Blutzuckersenkung führte zum Abbruch der so genannten ACCORD-Studie und verunsicherte die Fachwelt. Man erklärt die höhere Sterblichkeit unter strikter Blutzuckereinstellung mit einem vermehrten Auftreten von Hypoglykämien bei gleichzeitig langer Diabetesdauer und schon bestehenden Spätschäden.

Dementsprechend wird die forcierte Blutzuckersenkung nur mehr bei jüngeren Patienten und kurzer Diabetesdauer ohne Organschäden empfohlen. Die Erkennung einer Hypoglykämie wird durch die komplexe, variable Symptomatik erschwert. Ein weiteres Problem ist, dass die Hälfte der Episoden im Schlaf auftritt. Zusammen mit dem Drittel unerkannter »Hypos« im Wachzustand bleiben die bis zu 5 Stunden andauernden Hypoglykämien mehrheitlich unentdeckt und daher ohne adäquate Kohlenhydratzufuhr.

 

Warnsymptome für eine Hypoglykämie

  • Zittern
  • Feucht-kalter Schweißausbruch
  • Heißhunger
  • Herzrasen
  • Blässe oder Rötung im Gesicht (vasomotorisch bedingt).

Hinweise für eine nächtliche Hypoglykämie

  • Verstärkter Nachtschweiß
  • Albträume
  • Aufschrecken im Schlaf
  • Einnässen
  • Kopfschmerzen am Morgen
  • Hypothermie durch die periphere Vasodilatation

Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist, so kann er mit einem Zuckerwürfel oder zuckerhältigen Getränken rasch gegengesteuert werden. Wenn der Patient allerdings einen Alpha-Glukosidasehemmer medikamentös einsetzt, hilft nur ein Stück Traubenzucker, weil Di- und Oligosaccharide in dieser Situation nur verzögert aufgenommen werden.

Literatur:
Burke et al. Partnering with diabetes educators to improve patient outcomes. Diabetes Metab Syndr Obes. 2014; 7: 45–53

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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