Diabetes und Depression erkennen und behandeln

Bei Diabetes und Depression weichen die Symptome oft vom klassischen Bild der depressiven Episode ab. © KaliAntye / shutterstock.com

Bei Diabetes und Depression weichen die Symptome oft vom klassischen Bild der depressiven Episode ab. © KaliAntye / shutterstock.com

Die Anzahl der Menschen, die von Diabetes und Depression betroffen sind, geht mittlerweile selbst in den deutschsprachigen Ländern in die Millionen.

Menschen, die an Diabetes und Depression leiden, kämpfen gegen zwei Krankheiten, die schon als einzelne Erkrankungen an sich einen großen Einfluss auf die Lebensqualität, die Lebenserwartung und die Arbeitsfähigkeit haben.

 

Diabetes und Depression gleichzeitig behandeln

Eine optimale Stoffwechseleinstellung kann bei Diabetes nur dann glücken, wenn auch eine vorhandene Depression mitbehandelt wird. Häufig wird jedoch eine bestehende Depression nicht diagnostiziert. Behandelnde Internisten sollten verstärkt darauf achten, dass beim Patienten eine latente Depression vorliegen kann. Wird diese nicht behandelt, ist die Compliance des Patienten nicht gegeben. Er vergisst seine Medikamente, ignoriert seine Diät- und sein Bewegungsprogramm.

Die Spätfolgen des unbehandelten Diabetes sind enorm: Herzinfarkt, Schlaganfall, die Gefahr der Erblindung und des Nierenversagens. All diese Komplikationen können jedoch bei entsprechender Behandlung vermieden werden.

Ein Grund dafür, warum die Kombination Diabetes und Depression oft nicht erkannt wird, könnte darin liegen, dass Symptome wie Antriebslosigkeit und pessimistische Sichtweise fälschlicherweise als Symptome der Grunderkrankung Diabetes – wie auch Gewichtsprobleme und Essstörungen – angesehen werden und nicht auf eine Depression zurückgeführt werden. Zudem teilen viele Patienten ihre seelischen Probleme nicht mit. Wichtige Warnhinweise für Diabetes und Depression sind daher:

 

Differenzierte Symptomatik

Bei Diabetes und Depression bzw. in Kombination mit anderen somatischen Grunderkrankungen weichen die Symptome oft vom klassischen Bild der depressiven Episode ab. Sie beginnen schleichend und chronifizieren ohne symptomfreies Intervall. Eine Hilfe bei der Diagnose bietet die SKID-Formel (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV). Dem Patienten werden zwei Fragen in Bezug auf Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interesselosigkeit bei normalerweise Freude bereitenden Aktivitäten gestellt.

Bejaht der Patient diese beiden Fragen und gibt einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen an, in denen dieser Zustand auf ihn zutrifft, so kann eine Depression vorliegen. Patienten mit Diabetes und Depression mangelt es oft an Motivation, den Lebensstil zu verändern. Der Patient sagt zwar »ja, ich will etwas tun!« Aber er setzt es nicht um.

 

Gewichtsprobleme, Essstörungen sowie Antriebslosigkeit

Menschen können an ­einer Depression leiden, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie kommen wegen ihres schlecht eingestellten Diabetes oder wegen ihrer Gewichtsprobleme und Essstörungen sowie Antriebslosigkeit zum Arzt. Empfiehlt man solchen Patienten, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, so schaffen sie es oft nicht. Wenn zuerst die Depression behandelt wird, so hat der Patient Energie für die nötigen Lebensstiländerungen und nimmt auch seine Medikamente regelmäßig ein. Daher ist die beidseitige Behandlung von Diabetes und Depression für den Therapieerfolg besonders wichtig.

 

Medikamentöse Behandlungstrategien

Verschiedene Placebo kontrollierte Studien haben die Effekte der medikamentösen Behandlung von Depressionen bei Menschen mit Diabetes untersucht. Dabei standen die Antidepressiva – meist SSRIs – im Blickpunkt, wobei diese mittel- bis große Kurzzeiteffekte für bis zu sechs Monate brachten. Aufgrund der geringen Menge an Nachuntersuchungen kann man bis dato keine Aussage über die mittel- bis langfristige Wirksamkeit der Medikamente im Vergleich zu Placebo treffen. Das stellt derzeit eine wichtige Einschränkung angesichts des häufigen Rückfalls einer Depression dar. Übrigens brachten Studien zum Vergleich verschiedener Antidepressiva keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit der Depressionsbehandlung der einzelnen Wirkstoffe.

Allerdings zeigten die Studienergebnisse zu Antidepressiva, dass die Behandlung hinsichtlich der Verbesserung der Blutzuckerkontrolle durchaus heterogen war. So brachten Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) durchaus eine kurzfristige leichte Verbesserung von HbA 1c durch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer hinweist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass medikamentöse Behandlungsstrategien bei der Kurzzeitbehandlung von Diabetes-Depressionen im Vergleich zu Placebo wirksam sind. Dabei bringen Antidepressiva eine milde bis mäßige Wirkung in Bezug auf eine bessere Blutzuckerkontrolle.


Literatur:

Norman Sartorius. Depression and diabetes. Dialogues Clin Neurosci. 2018 Mar; 20(1): 47–52.

Frank Petrak, Bonnie Röhrig, Khalida Ismail. Depression and Diabetes. Endotext. Last Update: January 14, 2018.

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