Zusammenhang zwischen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diabetes und Herz: Das kardiovaskuläre Risiko steigt mit Höhe der Blutzucker- bzw. HbA1c-Werte. © Tinydevil / shutterstock.com

Diabetes und Herz: Das kardiovaskuläre Risiko steigt mit Höhe der Blutzucker- bzw. HbA1c-Werte. © Tinydevil / shutterstock.com

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in engem Zusammenhang. Denn der Zucker schädigt die Gefäße direkt und indirekt.

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in engem Zusammenhang zueinander. Jeder, der an einer der beiden Erkrankungen leidet, sollte auch sein persönliches Risiko für die jeweils andere beachten und beobachten. In der Früherkennung spielt der Hausarzt eine besondere Rolle.

 

Hoher organisatorischer Aufwand bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diabetes allein ist bereits eine Krankheit mit hohen organisatorischen Anforderungen. Betroffene müssen zumeist mehrmals täglich Blutzucker messen, ihre Ernährung auf die Behandlung abstimmen und ausreichend Bewegung in Ihren Alltag einbauen. Eine zweite Diagnose erhöht den Stress und ist auch psychisch belastend.

Ursachen für Diabetes Typ 2 sind oft starkes Übergewicht, Bewegungsmangel und berufsbedingter Stress. Durch eine Änderung des Lebensstils können Betroffene ihr Körpergewicht meist deutlich reduzieren. Damit kann man dann auch die Blutwerte auf ein gutes Niveau senken. Dennoch kann es in Folge zu Herzinfarkt und Schlaganfall kommen. Krankheitsbedingt verschlechtert sich dann oft der HbA1c-Wert wieder. Auf Grund von zu wenig Bewegung wieder.

 

Diabetiker sollten besonderes Augenmerk auf ihre Herzgesundheit legen

Bei Menschen mit Diabetes ist auf die Herzgesundheit ein besonderes Augenmerk zu legen. Die Betroffenen selbst haben oft mehr Angst vor anderen, möglichen Folgeerkrankungen des Diabetes, die augenscheinlicher sind, wie Amputationen, Erblindung oder Nierenversagen.

Deutlich häufiger folgen aber Erkrankungen des Herzkreislaufsystems auf einen nicht erkannten oder nicht optimal behandelten Diabetes. Obwohl neue Untersuchungen zeigen, dass aufgrund der besseren Behandlung die Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen bei Diabetes im letzten Jahrzehnt sogar stärker rückläufig war als bei Nicht-Diabetikern, versterben noch immer ungefähr die Hälfte der Menschen mit Diabetes an Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder anderen Gefäßkomplikationen. Auffällig ist dabei auch, dass gerade Frauen und junge Menschen mit Diabetes weniger profitiert haben.

Unter dem Strich hat in unseren Breiten etwa jeder vierte Patient mit einem Herzinfarkt einen Diabetes. Viele wissen es vorher noch gar nicht und erfahren das im Zuge der Behandlung in der Kardiologie. Bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Diabeteserkrankung bei über 60 Prozent.

 

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen Hand in Hand

Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst viele verschiedene Erkrankungen, die das Herz und die Blutgefäße betreffen: Am bekanntesten ist der Herzinfarkt, aber auch die Herzschwäche oder die sogenannte koronare Herzkrankheit, bei der Blutgefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, beeinträchtigt sind, zählen zu diesen. Weitere Gefäßkrankheiten sind der Schlaganfall im Gehirn und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) vor allem in den Beinen.

Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), die Ursache all dieser Erkrankungen. Zum Beispiel ist bei Männern mit Diabetes das Risiko für einen Herzinfarkt  um das Zwei- bis Dreifache höher als bei gesunden und bei weiblichen Diabetikern sogar bis um das Vierfache.

 

Zucker schadet – direkt und indirekt

Ein Zuviel an Zucker ist Gift für die Gefäße. Reparaturmechanismen gleichen bei gesunden Menschen Schädigungen der Gefäße im Lauf der Zeit aus. Durch einen Überschuss an Zucker im Blut verringert sich diese Regenerationsfähigkeit der Gefäßwände um etwa 80 Prozent. Dadurch fördert Diabetes, bei dem der Zucker im Blut gar nicht oder nicht schnell genug abgebaut wird, direkt die Gefäßverkalkung. Zusätzlich haben Typ-2-Diabetiker sehr häufig weitere Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen. Dazu zählen vor allem schlechte Blutfettwerte und erhöhter Blutdruck, sowie eine Fettleber und vor allem Bauch-betontes Übergewicht. Auch das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, an dem viele Menschen mit Diabetes leiden, begünstigt einen Herzinfarkt. Typisch dafür sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, Atemaussetzer und starke Tagesmüdigkeit. Rauchen ist ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor für einen Herzinfarkt und gleichzeitig für Diabetes.

 

Wie der Herzinfarkt entsteht

Die sogenannten Koronar-Arterien versorgen den Herzmuskel mit Blut. Sie umfassen den Herzmuskel wie ein Kranz. Wenn sich in einer der Koronar-Arterien ein Gefäßverschluss ereignet, kann sie einen Teil des Herzens nicht mehr mit Blut versorgen. Wird diese Durchblutung nicht rasch wiederhergestellt, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab. Das bezeichnet man als Herzinfarkt.

Bei Frauen mit Diabetes sind vor der Menopause auch Herzerkrankungen ohne nachweisbaren Gefäßverschluss häufig, aufgrund von Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße und Gefäßverkrampfungen. Insgesamt ist jedenfalls das relative Risiko nach einem Herzinfarkt zu versterben bei weiblichen Diabetikern höher als bei männlichen Diabetikern.

 

Keine typischen Anzeichen für Herzinfarkt

Diabetiker, die einen Herzinfarkt bekommen, zeigen oft keine Infarkt typische Warnzeichen. Sie erkennen nicht, dass sie gerade einen Herzinfarkt erleiden. Ein chronisch hoher Blutzucker führt nämlich auch zu Störungen des Nervensystems. Symptome wie die heftigen Brustschmerzen, die entscheidend sind, um die lebensbedrohliche Situation eines Herzinfarkts richtig einzuschätzen, werden nicht wahrgenommen. So werden notfallmedizinische Maßnahmen oft verspätet eingesetzt.

 

Konsequente Diabetesbehandlung minimiert das Infarkt-Risiko

Das Risiko für einen Herzinfarkt bei Diabetes mellitus kann durch eine optimale medikamentöse Diabetesbehandlung gesenkt werden. Wichtig ist, dass gleichzeitig auch alle anderen Risikofaktoren Beachtung finden. Dies erfordert eine Änderung des Lebensstils. Also gesunde Ernährung, Rauchstop, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und tägliche Bewegung.

Eine rezente Untersuchung aus Schweden beweist, dass wenn bei Typ 2 Diabetes fünf wichtige Risikofaktoren im Zielbereich liegen, auch das erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie die erhöhte Sterblichkeit verschwinden. Diese Risikofaktoren sind HbA1c als Maß für die Stoffwechseleinstellung, weiter das LDL-Cholesterin, die Eiweißausscheidung im Harn, Rauchen und schlechte Blutdruckwerte.

 

Große Fortschritte bei der Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen

In der Kardiologie konnte die Wissenschaft große Fortschritte bei der Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen erreichen. Beispiele dafür sind die Weiterentwicklungen bei Stents und Bypass. Aber auch die medikamentöse Behandlung des Diabetes hat großen positiven Einfluss auf kardiologische Erkrankungen.

Die wichtigste Schnittstelle in der Früherkennung sind die Hausärztinnen und Hausärzte. Wenn diese Vorsorgeuntersuchung proaktiv anbieten, ist viel gewonnen. Denn die Früherkennung von Diabetes hilft entscheidend bei der Erhaltung der Gefäße. Menschen mit Diabetes, aber ebenso Menschen mit einer Herzkrankheit, sollten die Risikofaktoren für die jeweils andere Erkrankung überprüfen lassen.

Wirksame Lipidsenker, Blutverdünnungsmittel und Medikamente gegen Bluthochdruck tragen zur besseren Lebensqualität und Abnahme der Sterblichkeit bei. Neue Diabetes-Medikamente vermindern zusätzlich zur Blutzuckersenkung auch das Herz-Kreislauf-Risiko. Die internationalen Empfehlungen legen für die Typ-2-Diabetesbehandlung denb Fokus auf die Besonderheit in der Behandlung von Hoch-Risiko-Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Unter dem Strich kommt es bereits im Vorstadium des Diabetes Typ 2 mit Erhöhung des Nüchternblutzuckers oder überhöhtem Anstieg des Blutzuckers nach Nahrungsaufnahme zu Schädigungen der Gefäße. Darum sollten alle Menschen mit metabolischem Syndrom und schlechten Blutzucker- und Blutdruckwerten und vor allem Diabetiker an ihre Herzgesundheit denken.


Quelle: Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG), http://www.oedg.at

Die mobile Version verlassen