Typ-3c-Diabetes durch ein Pankreaskarzinom mit Pankreatektomie heilen

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Rainer Muller
Rainer Mullerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Wenn sich ein Diabetes durch ein Pankreaskarzinom entwickelt, so geht er häufig nach partieller Pankreatektomie wieder weg. Man spricht vom Typ-3c-Diabetes.

Deutsche Forscher wollten genauer wissen, bei welchen Patienten mit Pankreaskarzinom, die eine Hyperglykämie und Diabetes entwickeln, sich nach einer partiellen Pankreatektomie auch die Blutzucker-Homöostase verbessert. Die Ergebnisse sollten Ärzte dabei unterstützen, die postoperativen Konsequenzen einer Pankreatektomie (Pankreas-Resektion) genauer einschätzen zu können. Ein Zusammenhang zwischen Pankreaskarzinom und Diabetes ist seit geraumer Zeit bekannt. Man bezeichnet die Form als Typ-3c-Diabetes. Jedenfalls kann die Pankreatektomie bei vielen Patienten eine Heilung bringen.



 

Typ-3c-Diabetes und Pankreaskarzinom

Sekundär durch ein Pankreaskarzinom entstehender Diabetes mellitus wird auch Typ-3c-Diabetes genannt. Der genaue Mechanismus hinter dieser Verbindung war hingegen lange ein Rätsel. Die Ergebnisse der eingangs zitierten Studie weisen darauf hin, dass es eine chirurgisch-reversible Form des Diabetes gibt, die grundsätzlich von anderen Formen des Diabetes unterschieden werden muss.

Als Ursache für die Entstehung dieses spezifischen, chirurgisch-reversiblen Diabetes-Subtyps vermuten die Wissenschaftler auf Basis ihrer Studiendaten, dass der Tumor der Bauchspeicheldrüse auf den benachbarten Gallengang drückt. Dadurch kann es zu seinem ganz oder teilweisen Verschluss kommen, wodurch sich die Galle in der Leber staut (Cholestase). Als Folge kann dies die Leberfunktion beeinträchtigen und zu einer gesteigerten Insulinresistenz und damit einem Diabetes führen.

Mit dieser erfolgreichen Studie zeigen die Wissenschaftler einen neuen, nach Entfernung des Tumors oft reversiblen Diabetestyp, der durch die Stauung der Gallengänge in der Leber und der dadurch hervorgerufenen Insulinresistenz ausgelöst wird. Sie beschreiben diesen von ihnen neu definierten, nach Tumorresektion reversiblen Diabetes-Subtyp entsprechend als “Cholestase-induzierten Diabetes”.

 

Welche Patienten profitieren können

An der Studie nahmen 84 Patienten teil. Sie alle mussten einen Teil der Bauchspeicheldrüse aufgrund einer chronischen Pankreatitis, benigner oder maligner pankreatischer Tumore entfernen lassen. Unmittelbar vor der Operation und drei Monate danach wurden unter anderem ein 120-minütiger oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt. Ebenfalls erfasste man den Nüchternglukosewert sowie eine Reihe von Co-Variablen. Anhand ihrer Glukosewerte drei Monate nach der Operation wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt. Und zwar in Patientengruppen mit verschlechterten Glukosewerte, mit stabilen Glukosewerten sowie verbesserten Glukosewerten.



Patienten, die bezüglich ihrer Glukosekontrolle von einer partiellen Pankreatektomie profitierten, wiesen der Untersuchung zufolge präoperativ eine pathologische orale Glukosetoleranz auf. Außerdem bekamen sie die Diagnose einer Glukose-Dysregulation weniger als 6 Monate vor der Operation. Zudem waren die Patienten überwiegend älter als 50 Jahre. Schließlich waren vor der Operation auch die Serummarker für Tumor, akute Pankreatitis, Verschluss des Gallengangs sowie Leberzellschäden erhöht.

Diese Werte normalisierten sich postoperativ, und zwar unabhängig von der Art des Pankreas-Tumors. Keine Verbesserung des Glukosemetabolismus durch partielle Pankreatektomie konnte man dagegen bei Patienten mit chronischer Pankreatitis oder linksseitiger Resektion des Pankreas entdecken.

 

Postoperative metabolische Konsequenzen einer Pankreatektomie besser einzuschätzen

Diese Studienergebnisse sollen wie eingangs erwähnt die behandelnden Ärzte bei der Therapieentscheidung unterstützen. Sie können damit die postoperativen metabolischen Konsequenzen einer Pankreatektomie genauer einschätzen und die Aufklärung der betroffenen Patienten entsprechend verbessern.

Nach Auffassung der Wissenschaftler ergänzen die Studienergebnisse zudem die bisherigen Erkenntnisse zur Entstehung von Typ-3c-Diabetes durch ein Pankreaskarzinom. Die Studie zeigt auch, dass das Pankreaskarzinom selbst Hyperglykämie aufgrund von Leberzellschäden entwickeln kann.

Außerdem empfehlen die Forscher eine zeitweise Kontrolle des Gallengangs, von Pankreas sowie der Leberzellparameter. Denn das könnte als ein effizienter und praktikabler Filter für ein Screening auf Pankreaskarzinom fungieren. Und zwar während der ersten Monate nach Diagnose einer Glukosestoffwechselstörung bei über 50-jährigen Patienten.




Literatur:

Ehehalt F et al. Blood Glucose Homeostasis in the Course of Partial Pancreatectomy. Evidence for Surgically Reversible Diabetes Induced by Cholestasis. PLoS One 2015; 10(8): e0134140. DOI: 10.1371/journal.pone.0134140


Quellen:

Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Paul Langerhans Instituts Dresden des Helmholtz Zentrums München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)

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