Zusammenhang von Diabetes und einem höheren Risiko für eine Demenz

Der Zusammenhang Diabetes und höheres Risiko für Demenz steht seit Jahrzehnten im Blickpunkt vieler Studien. © Maya-Kruchankova / shutterstock.com

Der Zusammenhang Diabetes und höheres Risiko für Demenz steht seit Jahrzehnten im Blickpunkt vieler Studien. © Maya-Kruchankova / shutterstock.com

Eine effektive Prävention sowie auch die konsequente Behandlung von Diabetes können das Risiko für die Entstehung von Demenz verringern, denn hierzu besteht ein Zusammenhang.

Da hierzu ein Zusammenhang besteht, ist eine individualisierte und konsequente Behandlung des Diabetes ein guter Schutz vor einer Demenz. Denn der Diabetes Typ 2 gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Demenz gehört. Und zwar sowohl für eine vaskuläre (gefäßbedingte) als auch gegen Alzheimer-Demenz ist. Deshalb gehört es zu den entscheidenden vorbeugenden Maßnahmen von Demenz, dass Betroffene mit Diabetes gut eingestellt sind. Zudem müssen sie sorgsam ihre Behandlung des Diabetes einhalten. Dazu gehören schließlich auch regelmäßige Kontrollen der geistigen Leistungsfähigkeit. Und zwar vor allem im fortgeschrittenen Alter. In diesem Sinne bringt es aber den größten Vorteil, dass man einer Erkrankung mit Diabetes erfolgreich vorbeugen kann.

 

Erhöhtes Risiko für Demenz bei Menschen mit Diabetes Typ 2

Menschen mit Diabetes Typ 2 haben ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko für vaskuläre Demenz. Und zwar aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Das Risiko für eine Alzheimer-Demenz ist um das Eineinhalb- bis Zweifache erhöht. „Bei der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 gaben zehn Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer über 60 Jahre an, mit Diabetes zu leben. Das sind insgesamt zumindest 260.000 Menschen, die Dunkelziffer nicht einberechnet. Sie alle haben ein erhöhtes Demenzrisiko im Vergleich zu Personen ohne Diabetes“, sagt Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Univ.-Klinik f. Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). „Unsere Aufgabe ist es, sie alle umfassend darüber zu informieren, wie wichtig es ist, die Diabetestherapie sorgfältig und individuell einzustellen – nicht nur um die bekannten Folgeerkrankungen wie etwa der Füße, Herz, Nieren und der Augen zu verhindern, sondern auch um das Gehirn gesund zu halten.“

 

Welcher Zusammenhang bei Diabetes und Demenz besteht

Ein schlecht eingestellter Diabetes Typ 2 beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns. Das begünstigt dann den Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit. Zudem beeinträchtigen wiederholte hypoglykämische und hyperglykämische Ereignisse (Unterzucker bzw. zu hoher Zucker) die Gefäße im Gehirn, die der Energiezufuhr dienen. Und das begünstigt wiederum die Entstehung einer vaskulären Demenz. Sie ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste Erkrankung dieser Art und im Zusammenhang mit Diabetes von besonderer Bedeutung.

Allerdings erhöhen auch Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen das Risiko für eine Demenz, ebenso die häufig mit Diabetes assoziierte Depression. Schließlich ist auch das Alter ein Risikofaktor.

Dass ein schlecht eingestellter Diabetes die vaskuläre Situation verschlechtert, ist im Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz bedeutend. Denn dadurch ist mit einem früheren Beginn der klinischen Symptomatik von Alzheimer zu rechnen.

Bei der Alzheimer-Demenz ist allerdings der Diabetes nicht die Ursache. Allerdings steht ein schlecht eingestellter oder lange unerkannter Diabetes eben im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Degeneration bei der Demenz vom Alzheimer-Typ.

 

Regelmäßige Checks und aktiver Lebensstil für geistige Gesundheit

Auch im Zusammenhang mit der Entstehung einer Demenz ist es jedenfalls entscheidend, den Diabetes gut einzustellen. Außerdem sollten Betroffene auf eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung achten.

Im Grunde genommen kann man aber auch die geistige Fitness trainieren und erhalten. Beispielsweise etwa durch die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Zudem unterstützen das Lernen von Neuem sowie koordinativ fordernde Tätigkeiten wie etwa Tanzen oder Jonglieren.

 

Demenz vorbeugen und erkennen

Im Grunde genommen empfehlen Experten ein jährliches Screening auf Demenz für Menschen ab dem 65. Lebensjahr mit Diabetes. Und zwar dann, wenn ein Verdacht auch von Betreuern oder Familie einer demenziellen Erkrankung besteht.

Generell sollte bei Patienten mit Diabetes eine geriatrische Beurteilung etwa ab dem 75. Lebensjahr erfolgen. Jedoch ist natürlich auch Aufmerksamkeit in jüngeren Jahren sinnvoll. Vor allem sollten sich die Betroffene in Bezug auf kognitive Schwächen sehr genau selbst beobachten.

Die Frage: »Vergessen Sie mehr als vor zwei Jahren« sollten Ärzte allerdings jeder Person über 50 Jahren stellen. Wichtig ist für Betroffene zudem, erste Anzeichen nicht zu verheimlichen. Denn dadurch kann wertvolle Therapiezeit verloren gehen. Jedenfalls sollte der erste Weg zum Hausarzt führen, wenn man selbst kognitive Störungen bemerkt.

 

Der Zusammenhang der gefährlichen Kombination Demenz und Diabetes verdient mehr Beachtung

Experten betonen, dass man leider noch viel zu wenig den gefährliche Zusammenhang von Demenz und Diabetes beachtet. Möglicherweise liegen ja auch gemeinsame Ursachen vor. Und zwar wie Insulinresistenz, oxidativer Stress, verzuckerte Eiweißstoffe sowie Fette und Entzündungsprozesse.

Manche Menschen mit Diabetes in einem höheren Alter können ihre Behandlung nicht mehr selbst umsetzen. Das kann auch die Ursache dafür sein, dass sie ihre Therapieziele nicht mehr erreichen. Im Grunde genommen sollten mehr neuropsychologische Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, um solche Patienten zu identifizieren.

 

Fazit

Das Risiko für Demenz ist jedenfalls bei Patienten mit Diabetes erhöht. Zudem scheinen Patienten mit Demenz und Diabetes ein größeres Risiko für schwere Hypoglykämien zu haben. Darüber hinaus besteht bei älteren Patienten mit Diabetes, die Episoden schwerer Hypoglykämie hatten, ein starker Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz. Obwohl dieses Thema nach wie vor umstritten ist.


Literatur:

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Quelle:

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

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