Dermato-Onkologie am 26. Deutscher Hautkrebskongress

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Der 26. Deutscher Hautkrebskongress der ADO in Dresden berichtete in der Dermato-Onkologie über bahnbrechende neue Erkenntnisse.

Der 26. Deutsche Hautkrebskongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) in Dresden ging mit großem Erfolg zu Ende. „Wir konnten mit über 900 Teilnehmern an die beiden letzten sehr erfolgreichen Hautkrebskongresse mit einem dermato-onkologischen Update anknüpfen“, so Prof. Dr. med. Dirk Schadendorf, Essen, 1. Vorsitzender der ADO. Nach den  bahnbrechenden Neuerungen der letzten Jahre vor allem in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms und zunehmend auch in der Therapie anderer Hautkrebsarten wie Basalzellkarzinom, Merkelzellkarzinom oder kutane Lymphome wurden die jüngsten vielversprechenden Fortschritte der Dermato-Onkologie gemeinsam mit thematisch verbundenen Fachgesellschaften interdisziplinär diskutiert und weiterentwickelt, wie die Tagungsleiter aus Dresden, Prof. Dr. med. Stefan Beissert, Prof. Dr. med. Friedegund Meier und Dr. med. Jan Maschke betonten.

Schwerpunkte und Preisverleihungen

„Der Fokus des diesjährigen Deutschen Hautkrebskongresses lag neben dem Melanom der Haut auf den bösartigen Erkrankungen, für die ein hoher medizinischer Bedarf besteht wie Melanomhirn-metastasen, Schleimhautmelanom, Aderhautmelanom, Merkelzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom, Lymphomen und seltenen malignen Hauttumoren“, so Prof. Friedegund Meier. Wichtige Tagungsschwerpunkte, zu denen renommierte Experten mit aktuellen Studiendaten den Zugang zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vermittelten, waren neue zielgerichtete und immuntherapeutische Strategien für die Behandlung des metastasierten Melanoms,  Perspektiven für Melanom-Patienten mit Hirnmetastasen, das Management von fortgeschrittenen epithelialen Hauttumoren sowie aktuelle Entwicklungen zu Prävention, Hautkrebsfrüherkennung und Nachsorge. Mit dem Ziel, translationale Krebsforschung mit Patientenversorgung zu verbinden, hielten hochkarätige Wissenschaftler Vorträge mit anschließenden lebhaften Diskussionen.

Während der Eröffnungsveranstaltung fanden die feierlichen Preisverleihungen statt. In diesem Jahr wurde der Deutsche Hautkrebspreis in Höhe von 10.000 EUR für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten in der klinischen und translationalen Hautkrebsforschung aus dem deutschsprachigen Raum an drei Preisträger vergeben: an Prof. Dr. med. Rudolf Stadler (Minden), PD Dr. med. Ulrike Leiter-Stöppke (Tübingen) und an PD Dr. med. Joachim Klode (Essen). Dr. med. Bastian Schilling (Essen) wurde mit dem mit 10.000 EUR dotierten Fleur Hiege-Gedächtnispreis der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs geehrt, der jährlich als Auszeichnung für herausragende Forschungsleistungen bei der Bekämpfung von Hautkrebs verliehen wird.

Dermato-Onkologie zum Melanom 

Galt der nicht mehr operable metastasierte schwarze Hautkrebs noch vor wenigen Jahren als nicht behandelbar – die 3-Jahres-Überlebensrate des Melanoms lag deutlich unter 10% –,  so konnte durch das zunehmende Verständnis der genetischen Veränderungen in Melanomzellen sowie der Wechselwirkungen zwischen Melanomzellen und Immunsystem das Therapieangebot für Patienten mit metastasiertem Melanom in den letzten Jahren wesentlich verbessert werden.

BRAF-Inhibitoren und MEK-Inhibitoren, die gezielt durch Mutationen aktivierte Signalübertragungswege in Tumorzellen blockieren und damit das Wachstum von Tumorzellen hemmen, erzielten in Kombination ein rasches und zuverlässiges Ansprechen auf die Behandlung bei den meisten Patienten, deren Tumorzellen die entsprechenden Mutationen aufweisen, so dass durchschnittliche 3-Jahres-Überlebensraten von über 40 % erreicht wurden.

Weitere Fortschritte gab es bei der innovativen Immuntherapie. Mit der Entwicklung von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (CTLA-4-Antikörper Ipilimumab, PD-1-Antikörper Nivolumab oder Pembrolizumab) konnte die Herunterregulation der Aktivität von T-Zellen aufgehoben werden. Bei  ca. 20 % der Patienten mit metastasiertem Melanom erzielte der Immun-Checkpoint-Inhibitor Ipilimumab ein Langzeitüberleben. “Dazu liegen uns jetzt Daten für 10 Jahre vor”, so Prof. Friedegund Meier. “Die Behandlung mit PD-1 Antikörpern erzielt eine 3-Jahres-Überlebensrate von 40 % bei meist guter Verträglichkeit.”

Bei der Kombination Ipilimumab plus Nivolumab sprachen bis zu 60 % der Patienten auf die Behandlung an. Von dieser vor kurzem zugelassenen Kombinationstherapie wird ebenfalls eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens mit einem Langzeitüberleben erwartet. Jedoch liegen aus der Phase-3-Studie bisher keine Überlebensdaten vor. Die hohe Wirksamkeit dieser  Immunkombinationstherapie wird durch schwerere Nebenwirkungen bei >50% der Patienten erkauft.

Aktuelle Studien zu innovativen Therapiestrategien wie der onkolytischen Immuntherapie oder  Kombinationsstrategien wie BRAF-/MEK-Inhibitoren plus Immun-Checkpoint-Inhibitoren wurden in mehreren Symposien diskutiert. Prof. James Larkin, London, hielt einen Plenarvortrag zur Kombinationsstrategie von zielgerichteter Therapie plus Immuntherapie: „Combining targeted therapy with immunotherapy“. In der Sitzung “Immuntherapie-Resistenz“ wurden aktuelle Fragestellungen  aus klinischer und wissenschaftlicher Perspektive von den drei hochkarätigen Rednern Prof. Martin Bornhäuser, Dresden,  Prof. Alexander Enk, Heidelberg, und Prof. Stephan Grabbe, Mainz, beleuchtet. Auf ein adäquates kompetentes Nebenwirkungsmanagement, das für die erfolgreiche Durchführung der medikamentösen Tumortherapie bedeutend ist, wurde in der Sitzung „Nebenwirkungen medikamentöser Tumortherapien“ intensiv eingegangen.

Für die Behandlung von Hirnmetastasen, die bei der Mehrheit der Patienten mit fernmetastasiertem Melanom auftreten und die häufigste Todesursache darstellen, wurden neue Perspektiven in Aussicht gestellt. Dazu hielt Prof. Michael Davies, Houston, den Vortrag „Melanoma brain metastases – insights into the molecular biology and therapeutic perspectives“ und Prof. Esther Troost, Dresden, den Plenarvortrag „Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven in der Radioonkologie“. Neben operativer Therapie und Strahlentherapie stehen jetzt neue medikamentöse Behandlungen zur Verfügung bzw. werden untersucht wie PD-1-Antikörper, Ipilimumab plus Nivolumab, BRAF-Inhibitoren plus MEK-Inhibitoren sowie stereotaktische Strahlentherapie in Kombination mit den genannten medikamentösen Therapien.

Epithelialer Hautkrebs – neue Behandlungsmöglichkeiten 

Weitere Schwerpunkte waren das Management von fortgeschrittenen epithelialen Hauttumoren sowie neue Therapiemöglichkeiten beim aggressiven Merkelzellkarzinom. Das Merkelzellkarzinom ist ein  seltener, aber zunehmend diagnostizierter, sehr aggressiv wachsender Hauttumor mit einem hohen Risiko der Bildung von Lymphknoten- und Organmetastasen. Eine Reihe von aktuellen Forschungsergebnissen spricht dafür, dass Immun-Checkpoint-Inhibitoren wir PD-1- oder PD-L1-Antikörper eine hoffnungsvolle Behandlungsstrategie für Patienten mit metastasiertem Merkelzellkarzinom darstellen.

Keratinozytärer Hautkrebs, die häufigste Krebsart bei hellhäutigen Menschen weltweit, tritt mittlerweile nicht nur bei alten, sondern auch bei jungen Menschen auf.  Für die oberflächlichen aktinischen Keratosen, die keine Absiedlungen bilden, gibt es eine Vielfalt von äußeren Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen.  Mit einem Risiko zwischen 0,025 und 16 Prozent entwickeln sich aktinische Keratosen zu invasivem Hautkrebs. Beim invasiven Plattenepithelkarzinom wird die Gefahr von Metastasen immer noch unterschätzt und es wurde darauf hingewiesen, dass dieser von der Oberhaut ausgehende bösartige Tumor die Haut lokal schädigt, zu Absiedlungen in Lymphknoten und anderen Organen führen kann und daher frühzeitig operiert werden sollte. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kann der Einsatz von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Antikörpern) bei Patienten mit metastasierten Plattenepithelkarzinomen wirksam sein.

Das Basalzellkarzinom ist die häufigste Form des keratinozytären Hautkrebses mit jährlich rund 140.000 Fällen. Ist eine Operation oder Bestrahlung medizinisch nicht sinnvoll, können nach neuesten medizinischen Erkenntnissen zielgerichtete Wirkstoffe eingesetzt werden. Einsatzmöglichkeiten, Wirksamkeit und Nebenwirkungen der in Studien erprobten Hedgehog-Signalweg-Inhibitoren Vismodegib und Sonidegib wurden beim Hautkrebskongress diskutiert. 

Der 27. Deutsche Hautkrebskongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) findet vom 21.09.2017 – 23.09.2017 in Mainz statt, Kongresspräsident ist  Prof. Dr. med. Stephan Grabbe.

Weitere Informationen gibt es unter www.ado-kongress.de.

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