Der Verdauungstrakt in der Geschichte der Medizin

In der Geschichte der Medizin waren Klistiere und Aderlässe zweifelhafte Therapieversuche.

Der Verdauungstrakt war in der Geschichte der Medizin Ziel zahlreicher lokaler und systemischer – teils zweifelhafter – therapeutischer Maßnahmen.

Zur Geschichte der Medizin wurde im Papyrus Ebers um 1550 v. Chr. Senna und Aloe sowie Opium als Heilmittel im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt beschrieben. Um 1300 v.Chr. wurden in der hethitischen Hauptstadt Hatusas medizinische Texte in sumerischer Sprache niedergeschrieben, die wahrscheinlich auf um Jahrhunderte ältere Vorlagen aus Mesopotamien zurückgehen. In diesen Rezeptsammlungen zum Thema Verdauungstrakt wurden ebenfalls Sennesblätter als Abführmittel und Opium zur Behandlung des Durchfalls erwähnt. All diese Wirkungen werden in der Alternativmedizin auch heutzutage noch genutzt.

 

Bedeutende Rolle von Asien in der Geschichte der Medizin

Die Perser und Inder haben schon früh die Brechnuß (Strychnos Nux vomica) gekannt und therapeutisch genutzt. In China wurden ca. 200 v.Chr. Rheum palmatum und Krotonsamen als Abführmittel beschrieben. Diese Kenntnisse kamen auf dem Landweg zum Schwarzen Meer und nach Kleinasien, wo sie letztlich im Dioscurides –  der wichtigsten Arzneimittellehre der Antike – Niederschlag fanden. Auch Wurmkuren mit Wurmfarn und Granatapfel sind hier beschrieben.

Während der folgenden Verirrungen in der Geschichte der Medizin im Laufe der Jahrhunderte – wie durch Magie, Signaturenlehre und Humoralpathologie – gab es immer spezifische Arzneimittel wie Abführmittel und Brechmittel, die wegen ihrer leicht erkennbaren Wirkung auf den Vertrauungstrakt meist erfolgreich eingesetzt wurden.

Mit diesen Mitteln wurde nicht nur der Magen-Darm-Trakt gereinigt, sondern man wollte mit Abführmittel und Brechmittel auch Säfte anderer erkrankter Organe aus dem Körper leiten. Anwendungsgebiete waren Blutungen der Luftwege, Entzündungen innerer Organe und Hautkrankheiten.

In anderen Schriften zur Geschichte der Medizin wurde die Tinctura Aloes composita beschrieben, die unter anderem Aloe, Rhabarber und Enzianwurzel enthielt und als »Elixier ad longam vitam« dem Patienten zugemutet wurde, wobei die Wirkung auf ein langes Leben zu bezweifeln ist.

 

Prinzip der Allopathie in der Geschichte der Medizin. Das Entgegengesetzte wird mit dem Entgegengesetzten behandelt. Beispielsweise Bluthochdruck mit einem Mittel zur Blutdrucksenkung – Contraria contrariis

Rückblickend in die Geschichte der Medizin stand es um die Patienten im 17. und 18. Jahrhundert noch nicht sehr gut. Die Heilkunde oder besser deren Opfer oder Patienten hatten noch schwere Zeiten durch zu machen. Ausleerende Kuren mit Weißem Germer gegen zahlreiche Leiden wie Epilepsie führten praktisch sicher zum Tod des Patienten.

Auch die in der Solidarpathologie vertretene Vorstellung, dass Krankheitsprozesse vom Zustand sogenannter Gewebs-Poren abhängig seien, hat zu exzessiven Verwendungen von Laxantien oder Adstringentien geführt. Kontrahierte Poren mußten relaxiert und relaxierte Poren kontrahiert werden – nach dem Grundsatz Contraria contrariis, Vorstellungen, die bis ins 18. Jh. Einfluß hatten und heute noch durch Kräuterbücher geistern.

 

Zweifelhafte Klistiere und Aderlässe zum Verdauungstrakt in der Geschichte der Medizin

Was mussten Patienten im Laufe der Verirrungen in der Geschichte der Medizin an Ausleitungen, Abführungen und Erbrechen erleiden. Es kommt nicht von ungefähr, dass Moliere’s Stück »Der eingebildete Kranke«, dessen Uraufführung am 10. Februar 1673 in Paris stattfand, mit ­einem Disput über die Wirksamkeit des täglichen Einlaufs des Helden und den damit verbundenen Zahlungen an den Arzt Purgon und den Apotheker Fleurant beginnt.

Ludwig der Gerechte – Louis le Juste, Ludwig XIII., der zweite französische König aus dem Haus Bourbon, der von 1601 bis 1643 lebte, soll angeblich von seinem Leibarzt in einem einzigen Jahr 212 mal klistiert, 215 mal abgeführt und 47 mal zur Ader gelassen worden sein. Die Flüssigkeit für Klistiere bestand üblicherweise aus einem ­Absud von Eibischwurzeln, Blättern des weißen Wollkrauts und Lein­samen, verbessert mit Rosenwasser und süßem Mandelöl. In dieser Zeit wurden Klistierspritzen in höchster Vollendung, auch zur Selbstapplikation, entwickelt.

Eine der gefürchtetsten Erkrankungen des 19. Jahrhunderts war die Cholera. Die Therapieversuche waren schauerlich: Glüheisen oder siedendes Wasser auf die Magengegend, Aderlaß, Laxantien, Brechmittel und Auspeitschen mit Brennesseln haben den Erkrankten in den letzten Stunden die Hölle auf Erden beschert.

 

Die moderne Geschichte der Medizin

Der junge Arzt John Snow hatte 1845 in London durch Einzeichnen der Cholerafälle in einen Stadtplan die Quelle der Choleraepidemie – nämlich einen Brunnen in der Broad-Street – entdeckt. Er ließ daraufhin das Pumpengestänge – the handle – von der Stadtverwaltung abmontieren und konnte durch diese einfache Maßnahme die Epidemie zum Stillstand bringen – in der Geschichte der Medizin der erste dokumentierte Akt der systematischen Epidemiologie.

30 Jahre später entdeckte der berühmte Robert Koch den Erreger der Cholera, und erst im 20. Jahrhundert hat man erkannt, dass die Zufuhr von Wasser, Zucker und Elektrolyten die einfache Therapie dieser gefürchteten Erkrankung darstellt.

Die Irrungen und Wirkungen in der Geschichte der Medizin schließen natürlich auch gewisse Zufallstreffer nicht aus. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden für die Entstehung verschiedener Krankheiten – unter anderem der Magengeschwüre – die Anwesenheit von Würmern, Milben und/oder anderer Lebewesen im Verdauungstrakt verantwortlich gemacht.

1868 hatte Adolf Kußman das erste Endoskop entworfen, und der ­Wiener Arzt ­Johann von Mikulicz-­Radecki blickte mit Hilfe eines starren Endoskops 1881 erstmals in das ­Mageninnere.

Um 1900 hat Pawlow das Phänomen der »psychischen« Magensaftsekretion entdeckt und damit, gerade in der Freudschen Zeit, auf den Einfluss der Psyche auf Verdauungsvorgänge aufmerksam gemacht.

Eines der bedeutendsten Forschungsergebnisse in der Geschichte der Medizin – speziell auch aus dem Gebiet der experimentellen Gastroenterologie – war die Entdeckung des Glucose-gekoppelten Natrium-Transports, 1962 durch Robert Crane mit seinen Experimenten an der isolierten Darm-Schleimhaut des Kaninchens. Diese Forschung sollte die theoretische Grundlage für die orale Rehydratationstherapie darstellen. Mit derbehandelt man heutzutage weltweit erfolgreich Durchfallerkrankungen.


Quellen und weitere Informationen:

http://www.hopkinshistoryofmedicine.org/

http://www.nlm.nih.gov/hmd/

MEDMIX 4/2004. Geschichte der Medizin: Der Verdauungstrakt

Die mobile Version verlassen