Fünf japanische Pharmaunternehmen – die J5

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5 japanische Pharmaunternehmen – J5 – und Botschafter Makoto Taketoshi luden zum traditionellen „Kirschblütengespräch“ in die Botschaftsresidenz in Wien 19.

„Wie entwickelt sich die Schnittstelle zwischen ‚Primary Healthcare‘ und dem Spital?“ lautete die Frage des Abends, die eine illustre Gästeschar aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen diskutierte. Keynote‐Speakerin war Mag. Ulrike Rabmer‐Koller, Vorsitzende des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger. Zwei interessante Impulsreferate lieferten Prim. Univ.‐Prof. Dr. Felix Keil und Univ.‐Prof. Dr. Markus Müller.

Die Struktur des japanischen Gesundheitswesens ist der des österreichischen sehr ähnlich, wie Botschafter Taketoshi in seinen einleitenden Worten feststellte. Auch die geschilderten Probleme, wie Überlastungen der Krankenhausambulanzen in Japan, kennt man hierzulande allzu gut. Stefan König, Country Manager von Takeda Pharma, der als Vertreter der „ J5 “ die Gäste begrüßte, prophezeite einen zunehmenden Wechsel von Patienten aus dem Krankenhaus in den niedergelassenen Bereich, aus Kostengründen, aber auch weil die technische Entwicklung und die Entwicklung von modernen Therapeutika diesen Wandel fördern würden. So erlauben beispielsweise orale Onkologika, die vermehrt den Patienten zur Verfügung stehen, eine Behandlung außerhalb des klassischen Spitals.

v.l.n.r.: Stefan König (Takeda Pharma), Andreas Wiegand (Mitsubishi Tanabe), SE Makoto Taketoshi (Botschafter von Japan), Manuel Reiberg (Daiichi‐Sankyo) Mag. Ulrike Rabmer‐Koller (Hauptverband der öst. Sozialversicherungen), Ernst Rücklinger u. Beatrice Grabner (beide Astellas), Georg Wager (Eisai), Univ. Prof. Dr. Markus Müller (Medizinische Universität Wien), Prim. Univ.‐Prof. Dr. Felix Keil (Hanusch Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse) © Oreste Schaller

v.l.n.r.: Stefan König (Takeda Pharma), Andreas Wiegand (Mitsubishi Tanabe), SE Makoto Taketoshi (Botschafter von Japan), Manuel Reiberg (Daiichi‐Sankyo) Mag. Ulrike Rabmer‐Koller (Hauptverband der öst. Sozialversicherungen), Ernst Rücklinger u. Beatrice Grabner (beide Astellas), Georg Wager (Eisai), Univ. Prof. Dr. Markus Müller (Medizinische Universität Wien), Prim. Univ.‐Prof. Dr. Felix Keil (Hanusch Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse) © Oreste Schaller

 

Drei Schwerpunkte

Mag. Ulrike Rabmer‐Koller berichtete, dass zwar 90 Prozent der Beitragszahler in die Sozialversicherungen mit dem bestehenden System zufrieden seien, dass es aber einer dringenden Reform des Gesundheitswesens bedürfe. Als ihre persönlichen Arbeitsschwerpunkte nannte sie eine weitere Steigerung der Kosteneffizienz, Ausbau der Präventivmedizin und Patientenzentrizität. Letzteres begrüßten nicht nur die Vertreter der japanischen Pharmaunternehmen, da es eine ihrer zentralen Forderungen ist, auch ein Großteil der anwesenden stimmte überein, dass dem Patienten und seinen Bedürfnissen bislang noch immer zu wenig Beachtung geschenkt wird.

 

Zwei Ansichten

Am Beispiel des Wiener Hanusch‐Krankenhauses zeigte Prim. Univ.‐Prof. Dr. Felix Keil, dass es möglich ist, das Krankenhaus zu entlasten, indem zunehmend Leistungen an Ambulanzen auf Bezirksebene ausgelagert werden. Dieses Konzept des „Best Point of Service“ erlaubt es, Druck vom stationären Bereich zu nehmen und eine größere Anzahl von Patienten adäquat zu behandeln, bei gleichzeitiger Steigerung der Flexibilität und Kontaktqualität für die Patienten.

Einen kritischeren Standpunkt vertrat der Rektor der Medizinische Universität Wien, Univ.‐Prof. Dr. Markus Müller. Grundsätzlich stimmte er mit seinen Vorrednern überein, betrachtete allerdings die Verlagerung der Patientenströme vom stationären in den niedergelassenen Bereich als Wunschvorstellung. System interne und politische Gegebenheiten würden verhindern, dass es zu einer Änderung des Status Quo in dem „sehr dezentralen und redundanten Gesundheitssystem“ komme. Im Vergleich mit dem Schwedischen Gesundheitssystem, das ihm sehr vertraut ist, konstatierte er für Österreich eine anhaltende „Nivellierung nach unten“.

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Daiichi‐Sankyo‐Geschäftsführer und FOPIVize‐Präsident Manuel Reiberg wurde anhand von konkreten Fragestellungen, wie Öffnungszeiten von niedergelassenen Praxen, Fahrtwegen zu den Praxen oder dem Konzept der „Primärversorgungszentren“ gezeigt, dass gute Lösungen für den „Best Point of Service“ oft nur geringfügiger Maßnahmen bedürften.

Es diskutierten: Mag. pharm. Max Wellan (Österreichische Apothekerkammer), die Nationalratsabgeordneten Waltraud Dietrich und Dr. Marcus Franz, Dr. Gerhard Bergauer (PVA), Prim. Dr. Johann Hitzelhammer (WGKK), Dr. Helmut Ivansits (AK), Mag. Alexander Maksimovic und Mag. Martin Schaffenrath (HV der Sozialversicherungen), Mag. Hannes Pregesbauer (Wiener KAV), Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz (Med.Uni. Wien – Zentrum für Public Health) und viele mehr. Gemeinsamer Nenner aller Ausführungen: Der Patient muss wieder stärker in den Fokus rücken.

Über die J5

Die österreichischen Niederlassungen von Astellas, Daiichi‐Sankyo, Eisai, Mitsubishi Tanabe und Takeda, fünf japanischer Pharmaunternehmen, haben sich zu einer Plattform zusammengeschlossen, den J5. Mit dieser Plattform soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Innovationen im Pharmabereich gefördert werden. Bei den Mitgliedern handelt es sich um erfolgreiche, traditions- sowie wertebewusste Pharmafirmen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und insbesondere folgende Schwerpunkte zu setzen:

  • Etablierung und Kommunikation eines gemeinsamen Wertebildes,
  • Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen,
  • Schaffung einer unabhängige Instanz in der Pharmabranche.

 

Die seit acht Jahren statt findenden Kirschblütengespräche sind eines der traditionellen Formate der J5. Hier werden einmal im Jahr auf Einladung des japanischen Botschafters gemeinsam mit „Stakeholdern“ des Gesundheitswesens aktuelle gesundheitspolitische Themen in der Residenz des Botschafters diskutiert.

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