Wenn Ehepartner von Schlaganfall-Patienten Depressionen entwickeln

Depressive Ehepartner leioden oft unter emotionalem Stress. © www.afcom.at

Ehepartner von Schlaganfall-Patienten bekommen oft Depressionen, wenn die Patienten ihren aktuellen Gesundheitszustand unterschiedlich und unrealstisch einschätzen.

Bei einer rezenten Studie der sozialwissenschaftlichen Forschungsabteilung der Universität von Cincinnati konnten Forschende feststellen, dass sich Schlaganfall-Patienten mit ihren Ehepartner oft uneinig über den Genesungsprozess sind. Dann kommt es zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass der pflegende Ehepartner oder die pflegende Ehegattin der Patienten mit Schlaganfall Depressionen oder auch einen emotionalen Stress erleiden.

 

Studie mit Schlaganfall und depressive Ehepartner

Der Assistenzprofessor Michael McCarthy und seine Mitverfasserin Karen Lyons von der medizinischen Hochschule in Oregon interviewten unlängst 35 Paare für diese Studie zu Depressive Verstimmungen bei Schlaganfall-Patienten und Ehepartner. Und zwar waren es Patienten und Ehepartnern von Paaren, die in den letzten 3 Jahren mit einem Schlaganfall zu kämpfen hatten.

In verschiedenen Sitzungen diskutierten die Schlaganfall-Patienten und ihre Ehepartner den Erholungsprozess in Hinblick auf die täglichen Aufgaben, die Erinnerung beziehungsweise das Gedächtnis und die Problemlösungskompetenzen. Wobei diese Untersuchung die erste ihrer Art in diesem Zusammenhang war.

 

Pflegende depressive Ehepartner häufig pessimistischer

Sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Daten der Untersuchung zeigten, das Ehe-Partner den Erholungsfortschritt deutlich schlechter als die Schlaganfall-Patienten selbst einschätzen. Diese Diskrepanz war bei den Ehe-Partner mit Depressionen und emotionalen Stress verbunden.

„Wir fanden heraus, dass Ehegatten beziehungsweise Ehegattinnen den Erholungsprozess deutlich schlechter bewerten als der Schlaganfall-Überlebende beziehungsweise die Schlaganfall-Überlebende und dass diese Diskrepanz depressive Symptome bei den Ehepartnern auslöst“, sagte McCarthy.

 

Depressive Ehepartner durch unterschiedliche Sichtweisen des Krankheitszustandes

„Also wenn zum Beispiel die Ehefrau einen Schlaganfall erleidet und glaubt, dass sie immer noch fähig wäre mit dem Auto zu fahren– aber ihr Ehemann glaubt das nicht –, so ist dieser Unterschied in der Wahrnehmung eine Vorhersage von emotionalen Stress des Ehemanns. Wir waren in der Lage, verschiedene Arten von Sorgen und Stress – welchen pflegenden Ehe-Partnern erfahren –zu definieren und mit dem Studienergebnis zu verbinden,“ erklärte McCarthy.

Er fügt hinzu, dass das Ausmaß der Diskrepanz der Wahrnehmungen zwischen dem Schlaganfall-Patienten und seines pflegenden Ehe-Partners der Schlüssel ist, um etwaige Depressionen auf Seiten des Ehe-Partners vorherzusagen – was sich in weiterer Folge aber auch sehr negativ auf den Schlaganfall-Patienten auswirkte.

McCarthy fand durch die Daten auch heraus, dass Ehefrauen empfänglicher für die Sorgen des pflegenden Partners waren, als dies bei umgekehrter Geschlechtsverteilung der Fall war.

 

Gesundheitsrisiko für pflegende Angehörige

Die Studie von Oregon unterstrich die Annahme, dass bei Betreuern von Schlaganfall-Patienten höhere Depressionsraten gegeben sind als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Es wird auch vermutet. dass sie ein höheres Risiko haben, selbst einen Schlaganfall zu erleiden bzw. frühzeitig zu sterben. Für die mentale Gesundheit des Pflegers hat dies tiefgreifende Konsequenzen, warum hier Gegenmaßnahmen notwendig wären.

McCarthy hofft, das diese Studie der sozialen Fürsorge und anderen Reha-Praktikern, welche mit Schlaganfall-Patienten arbeiten, helfen kann. Insgesamt meint er, dass die Gesundheitspflege den Fokus erweitern muss: von einer ausschließlichen Fokussierung auf den Betroffenen hin zur starken Einbeziehung des Ehepartners.

Grundsätzlich – so McCarthy – brauchen depressive Ehepartner von Schlaganfall-Patienten ebenso viel Zuwendung beziehungsweise psychischen Beistand, wie der Patient selbst. Wenn nicht sogar noch mehr. Man muss beide Partner in den Genesungsprozess einbeziehen, um ihre Erwartungen und Vorstellung anzugleichen und so bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen. Dies ist ein wichtiger Hinweis für die behandelten Ärzte bzw. anderen Experten.


Literatur:

McCarthy MJ, Lyons KS. Incongruence between stroke survivor and spouse perceptions of survivor functioning and effects on spouse mental health. A mixed-methods pilot study. Aging Ment Health. 2015 Jan;19(1):46-54. doi: 10.1080/13607863.2014.913551. Epub 2014 May 15. PMID: 24831861.

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